Badegäste beim Schwimmen (Quelle: dpa)
Video: Abendschau | 04.11.2013 | Beitrag von Andreas Jöhrens

Neues Tarifkonzept vorgestellt - Schwimmen wird für viele Berliner ab Januar teurer

Die Berliner Schwimmbäder brauchen dringend mehr Geld, deshalb gelten ab 1. Januar neue Preise. Für viele Besucher wird das Schwimmen dann teurer. Am Montag wurde die neue Tarifstruktur vorgestellt.

Für die meisten Berliner wird das Schwimmen ab dem kommenden Jahr teurer. Nur große Familien, Vielschwimmer und Leute, die zwischen 10 und 15 Uhr schwimmen gehen können, zahlen künftig weniger Eintritt. Das geht aus der neuen Tarifstruktur der Berliner Bäderbetriebe hervor, die am Montag vorgestellt wurde.

Der Aufsichtsrat der Bäderbetriebe hat damit weitgehend das Konzept des Bädervorstandes Ole Bested Hensing und Annette Siering abgesegnet. Die neuen Tarife müssen formal noch durch die Senatsverwaltung für Inneres und Sport genehmig werden.

Ole Bested Hensing, Chef Berliner Bäderbetriebe
Berlins Bäderchef Ole Bested Hensing

Billiger schwimmen zwischen 10 und 15 Uhr

Das neue Konzept sieht vor, dass der normale Eintritt bald nicht mehr 4,50 Euro sondern 5,50 Euro kostet. Nur in der Woche zwischen 10 und 15 Uhr wird es billiger. In der Zeit, in der traditionell weniger Leute baden gehen, soll das Schwimmen in Zukunft nur noch 3,50 Euro kosten. Der bisherige sehr günstige Früh- und Spätschwimmtarif wird ersetzt durch einen Kurzschwimmpreis: 3,50 Euro sollen all die zahlen, die nur maximal 45 Minuten baden gehen und zwar vor 8 Uhr oder nach 20 Uhr - allerdings gilt das nicht in allen Bädern. Ausgenommen sind die Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark und die freizeitorientierten Bäder Stadtbad Lankwitz, Stadtbad Schöneberg und Bad am Spreewaldplatz.

Durch die unterschiedlichen Preise soll der Gästestrom besser verteilt werden. Morgens und Abends seien die Bäder immer schon so voll, dass man kaum schwimmen könne, hieß es in der Pressemitteilung der Bäderbetriebe. Durch die geplanten Gebührensenkungen in publikumsarmen Zeiten solle das Schwimmen auch für Rentner und Arbeitslose wieder bezahlbar werden.

Längere Öffnungszeiten und Spaßbadetage sollen Gäste locken

Über die höheren Eintrittspreise will Bäderchef Hensing 2,2 Millionen Euro jedes Jahr mehr einnehmen. Das Geld können die Bäderbetriebe dringend brauchen, denn viele Bäder sind marode und müssen dringend saniert werden.

Die Preiserhöhung ist nicht der einzige Weg über den Hensing mehr Geld reinholen will: 3,2 Millionen Euro mehr Umsatz plant er durch neue Angebote zu erzielen: Die Bäder sollen länger offen haben, es soll Spiel- und Spaßbadetage geben, mehr Kurse, Warmbadestandorte mit Wassertemperaturen von mindestens 30 Grad, Eventzelten, Mitternachtsschwimmen und Mitternachtssauna. Außerdem sollen Hallen- und Sommerbäder parallel betrieben werden, die Hallenbäder im Sommer nur noch 3 Wochen geschlossen sein.

Neue Jahreskarte wird eingeführt

Neu eingeführt werden soll eine so genannte Premiumkarte. Sie erlaubt den Eintritt in Berlins Bäder für 12 Monate und bietet zusätzlich 10 Saunabesuche oder 10 Teilnahmen an Kursangeboten.  Wer die Premiumkarte monatlich bezahlt, muss 49,00 Euro (ermäßigt 29,00 Euro) hinlegen. Wer den Gesamtbetrag für das Jahr auf einmal überweist, bekommt einen Monat geschenkt und zahlt statt 588,00 Euro nur 539,00 Euro im Normaltarif und ermäßig statt 348,00 Euro nur 319,00 Euro.

Bädereintrittspreise im Vergleich

Tickets Normaltarif   ab 2014 (Planung Hensing)

Normaltarif bisher

ermäßigter Tarif ab 2014 (Planung Hensing)
ermäßigter Tarif bisher
Einzelkarte (Mo bis Fr. vor 10 und nach 15 Uhr, Wochenende und Feiertage) 5,50 4,50* 3,50 2,80*
Sammelkarte 10+1 55,00 45,00 35,00 28,00
Sammelkarte 20+3 110,00 90,00 70,00 56,00
Basistarif Mo-Fr 10-15 Uhr außer Feiertags 3,50 - 2,00 -
Kurzzeittarif 45 Minuten (bis 8 Uhr und ab 20 Uhr in weniger attraktiven Bädern 3,50 2,80** 2,00 2,80**
Früh-/Spätschwimmen 10er Karte (bis 8 Uhr und ab 20 Uhr) - 28,00 - 28,00
Früh-/Spätschwimmen 25er Karte (bis 8 Uhr und ab 20 Uhr) - 70,00 - 70,00
Familienkarte (mind. 2 Erwachsene und 1 Kind, bis zu weitere 5 Kinder kostenfrei) 11,50 8,00*** -  
Familienkarte jedes weitere Kind 3,50 1,50    
Premiumkarte (Jahreskarte, beinhaltet 10 Saunabesuche oder 10 Besuche eines Kursangebots

49,00/Monat

539,00/Jahr

-

29,00/Monat

319,00/Jahr

-

* Auch in der Zeit Mo-Fr 10-15 Uhr

** Keine Beschränkung auf 45 Minuten und weniger attraktiven Bäder.

*** Familienkarte alt für 3 Personen, davon mind. 1 Erwachsener und mind. 1 Kind

Quelle: Pressemitteilung Berliner Bäderbetriebe

Eine Junge schwimmt mit Schwimmflügeln und Taucherbrille (Bild: dpa)
Je größer die Familie, desto preiswerter das Schwimmen

Für Kleinfamilien wird es teurer, für große günstiger

Die Familienkarte wird deutlich teurer und soll in Zukunft 11,50 Euro kosten. Damit kommen dann aber auch bis zu acht Personen ins Bad: Mindestens zwei Erwachsene und ein Kind, bis zu 5 weitere Kinder sind kostenlos. Jedes zusätzliche Kind zahlt 3,50 Euro. Bisher kostet die Familienkarte 8 Euro, sie gilt aber nur für 3 Personen (mindestens ein Erwachsener und ein Kind). Jedes weitere Kind kostet 1,50 Euro.

Ziel ist es auch aus, einigen Berliner Bädern Warmbadestandorte zu machen mit Wassertemperaturen von mindestens 30 Grad innen und 27 Grad außen. Diese Bäder sollen einen Aufschlag auf den Eintritt von 1,50 Euro nehmen. Freizeitorientierte Bäder sollen 2 Euro zusätzlich kosten.

Der sportpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Dennis Buchner, lobte die geplante Preisstruktur am Freitag. "Nach vielen Jahren des Einheitstarifs geht es nun wieder stärker auf die unterschiedlichen Kundenbedürfnisse ein." Zwar sei der von Hensing angestrebte Preis von 5,50 Euro durchaus ein "Wermutstropfen", doch der Betrag liege auf dem Niveau vergleichbarer Städte. "Insgesamt werden die neue Preisstruktur und die neuen Öffnungszeiten mehr Flexibilität bieten, zu einer besseren Verteilung der Besucherströme führen und die Berliner Bäderbetriebe konkurrenzfähiger gegenüber kommerziellen Anbietern machen."

Umfrage: Kunden wollen 365-Tage und Erlebnisbad

Eine Kundenbefragung des Sinus Instituts im Auftrag der Berliner Bäderbetriebe hatte ergeben, dass die meisten Badegäste gerne das ganze Jahr ihr Schwimmbad nutzen würden und zwar sowohl innen als auch außen. Außerdem wollen sie mehr Spiel, Spaß und Entspannung in ihrem Bad. Entsprechend möchte der neue Bäderchef Wasserrutschen, Sprudelbecken, verbundene Innen- und Außenbecken, Saunas und einiges mehr. Solche Bäder sieht er bestens geeignet für seine Eventideen wie das Mitternachtsschwimmen, die Mitternachtssauna oder das Eventzelten.

Weniger Kiezbäder

Obwohl Berlin in den vergangenen Jahren gut 70 Millionen Euro für die Sanierung seiner Bäder ausgegeben hat, sind sie noch immer in einem schlechten Zustand. Weil zu wenig Geld da ist, um alle 63 Berliner Bäder umfassend zu sanieren, hat sich Hensing etwas anderes überlegt. Er will einen Teil der bislang auch öffentlich genutzten Bäder in reine Schul- und Vereinsbäder umwandeln. Die übrigen Anlagen sollen weiter öffentlich genutzt werden. Die sollen dann aber aufwendiger saniert  und für die Eventpläne von Hensing fit gemacht werden. Wie viele Bäder das genau betreffen soll, geht aus dem Konzept nicht hervor.

Unter den Abgeordneten gibt es bislang insgesamt Verständnis dafür, dass die Bäderbetriebe ihre Einnahmen steigern müssen, auch wenn es die zweite Preiserhöhung innerhalb eines Jahres wäre. Sympathie gibt es für das verbilligte Vormitags- und Mittagsschwimmen. 5,50 Euro als Normaltarif ist einigen Politikern aber zu viel. Alles in allem kann man sagen: Dafür das die Bäderbetriebe im Schnitt die Eintrittspreise um gut 20 Prozent raufsetzen wollen, ist die Kritik im Parlament eher verhalten.

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