
Besuch in der Hansestadt - Was die Berliner S-Bahn von Hamburg lernen kann
Noch ist die Berliner S-Bahn komplett in der Hand der Deutschen Bahn - und die gibt sich kämpferisch, damit das auch so bleibt. In Hamburg hat der Bahnkonzern gerade den Zuschlag für den S-Bahn-Betrieb bis zum Jahr 2033 erhalten. Doch das sagt nichts über die Berliner Erfolgsaussichten für den Bahnkonzern aus.Von Thorsten Gabriel
Hamburg-Ohlsdorf, S-Bahn-Werkstatt. Eisenbahnbetriebsleiter Jan Schröder steht in einer riesigen Halle vor einem aufgebockten roten Zug."Das Fahrzeug ist absolut zuverlässig", sagt er, "hat jetzt 35 Jahre seinen Dienst getan, wird es auch die nächsten fünf Jahre tun."
Alte Züge, die noch durchhalten müssen - das kennt man auch in Berlin. In der Hauptstadt sind sie zwar nicht ganz so alt - aber hier wie dort gilt: Ersatzteile gibt es oft nicht mehr, es muss gebastelt werden. "Man muss hier vielleicht ein bisschen mehr Aufwand hineinstecken, das ist so", sagt Jan Schröder. "Aber für uns ist das momentan nicht ein wirkliches Problem."
Womit die Gemeinsamkeiten zwischen Hamburger und Berliner S-Bahn im Grunde auch schon enden. In Hamburg bleibt man angesichts alter Züge gelassen, in Berlin wird eher gezittert. In Hamburg sind neue Züge schon bestellt, in Berlin ist noch nicht mal geklärt, wer künftig den S-Bahn-Ring betreiben soll. Die Hamburger dagegen haben ihre Ausschreibung gerade gewonnen. Was den Berliner S-Bahn-Chef, Peter Buchner, beim Besuch an der Elbe, zuversichtlich stimmt: "Wenn die Kollegen gezeigt haben, dass sie sich im Wettbewerb durchsetzen können, dann macht uns das Mut und dann ist das ein Vorbild für uns."
Bahn-Konkurrenz in Hamburg kein Thema
Was ist also das Geheimnis des Erfolgs von Buchners Kollegen in Hamburg? Hamburgs S-Bahn-Chef Kay Uwe Arnecke ist sich sicher: "Wir arbeiten sehr vertrauensvoll und auch sehr konstruktiv im Hamburger Verkehrsverbund zusammen und ich glaube, dass das auch eine Grundlage ist für die Stadt, mit der S-Bahn Hamburg hier in den nächsten Verkehrsvertrag zu gehen."
Vertrauen also zwischen Politik und Bahn. In Hamburg gab und gibt es das. In Berlin hat es die S-Bahn haushoch verspielt und ist erst wieder dabei neues zu gewinnen. Das ist einer der Unterschiede. Oder wie Arnecke es sagt: "Ich habe das Gefühl, als Außenstehender, dass in Berlin auch sehr viele Anstrengungen unternommen werden, einen Wettbewerb zu initiieren mit vielen Teilnehmern."

Will heißen: Bahn-Konkurrenten sind in Berlin ausdrücklich willkommen. Zu bitter waren die Krisenerfahrungen der vergangenen Jahre. In Hamburg dagegen hatte die Politik kaum echtes Interesse daran, anderen Bewerbern den Betrieb zu überlassen. Und so gab es auch nur einen einzigen Bewerber: die Deutsche Bahn. Dass es in der Hauptstadt am Ende auch so kommen könnte, darauf will sich der Berliner S-Bahn-Chef Buchner lieber nicht verlassen. "Man ist gut beraten bei jeder Ausschreibung davon auszugehen, dass man nicht alleine ist", sagt Buchner. "Denn Eisenbahnfahren können nicht nur wir."
Das können nämlich auch Franzosen, Engländer und Chinesen, die dem Vernehmen nach unter anderem Interesse am S-Bahn-Ring bekundet haben. Bis Ende nächsten Jahres soll die Vergabe in Berlin entschieden sein. Bis dahin kann der Blick zu den triumphierenden Hamburger Kollegen den Berliner S-Bahnern zwar Mut machen - kopieren lässt sich der Erfolg so ohne weiteres aber nicht.




