Saalower "Kräuter"schweine - Foto: rbb Inforadio/Sabine Jauer

Verbraucherschwindel mit Kräuterschweinen? - Ein Schweineleben in Saalow

Den Saalower Kräuterschweinen geht es saugut – schließlich ernähren sie sich von Kamille, Wildhafer und Kornblume. Auch gehobene Berliner Restaurants werben mit solchen Wohlfühlworten für die Spezialität aus Brandenburg. Doch die Hochglanz-Broschüren erzählen nur die halbe Wahrheit. Von Sabine Jauer

Zart marmoriert und fettarm, hervorragend als Spanferkel geeignet, auch die Kotelettes und Filet sind ausgesprochen schmackhaft.  Und das Beste: "Das Saalower Kräuterschwein wächst naturnah auf und ernährt sich von frischen Kräutern und Wildblumen, die auf den weiten Feldern in der Mark wachsen."

So bewarb der Gastronomie-Großhändler Havelland-Express bis vor kurzem auf seiner Homepage allerlei Produkte, die vom Saalower Kräuterschwein stammen.  Das ganze umrahmt vom Foto eines Schweins, das glücklich auf der grünen Wiese grunzt. Zu den Abnehmern der märkischen Spezialität zählen auch Berliner Restaurants, zum Beispiel die Jungfernmühle in Neukölln. Doch das Leben der Saalower Kräuterschweine ist weit weniger naturnah, als die Werbung weiß machen will.

Kuehe stehen auf einer Alm (Bild dpa)
Idylle auf grüner Wiese? Das Leben der Kräuterschweine sieht anders aus.

Keine grüne Wiese, sondern eine Mastanlage

Die Kräuterschweine stammen von einer Schweinemast-Anlage in Saalow, Landkreis Teltow-Fläming, rund 25 Kilometer südlich von Berlin. Grüne Blumenwiesen mit grasenden Schweinen sucht der Besucher hier jedoch vergeblich. Stattdessen stehen die 2150 Schweine auf Betonböden, auf die nur wenig Tageslicht fällt. Neun bis elf Tiere teilen sich eine Bucht, so heißen die eingezäunten Verschläge. Rund viereinhalb Monate werden die Schweine hier gemästet, anschließend geht es zum Schlachthof.

Andreas Vogel, Geschäftsführer der Saalower Mast, zeigt stolz auf seine Schweine mit ihren, wie er sagt, schönen Schinken: "Die sind munter, agil, neugierig und wollen spielen. Die fühlen sich hier wohl!" Das mag ja sein. Doch warum werden diese Schweine aus konventioneller Tierhaltung mit Bildern von Schweinen auf der grünen Wiese beworben?

Freilandhaltung? Das stehe nirgendwo

"Dass meine Schweine im Freien leben, habe ich nie behauptet“, rechtfertigt sich Schweinemäster Andreas Vogel.  Es sei die Idee von Havelland-Express gewesen, die Fotos und den Begriff "naturnahe Haltung" zu verwenden.

Damit konfrontiert, räumt Michael Kunzmann, Geschäftsführer von Havelland-Express ein: "Jede Agentur versucht, die positiven Dinge herauszustellen",  Zudem habe man nirgendwo geschrieben, dass die Tiere aus Freilandhaltung stammen. "Uns geht es um die Qualität des Fleisches, nicht um die Wiese."

Kräuter und Wildblumen werden zu Flüssigfutter

Auch Andreas Vogel argumentiert, dass er mit seinen Kräuterschweinen eine bessere Fleisch-Qualität liefere als viele seiner Mitbewerber - schließlich produziere er 80 Prozent seines Schweinefutters auf eigenen Feldern. Neben Gerste, Roggen und Weizen verarbeite er auch viele Kräuter- und Gräsersamen zu Tierfutter. Daher sei der Begriff Kräuterschwein gerechtfertigt und auch patentrechtlich geschützt.

Doch auch die Fütterung dürfte nicht den Vorstellungen der meisten Restaurantbesucher entsprechen, die die Werbetexte zum Kräuterschwein lesen. Denn die Futtermischung wird in einem speziellen Verfahren verflüssigt, über Rohrleitungen in die Buchten gepumpt und dort von den Schweinen gefressen.

Havelland-Express räumt Fehler ein

Havelland-Express hat  die Werbung für das Saalower Kräuterschwein inzwischen geändert, wie Geschäftsführer Kunzmann zugibt: "Wir haben, was die Darstellung betrifft, eine Verbesserungsnotwendigkeit erkannt." Jetzt heißt es auf der Internetseite: "Das Saalower Kräuterschwein wird gefüttert mit der Wiesenmaht aus dem Umland. Sie wird zur Silage verarbeitet, und mit Getreide versetzt verfüttert."

Dass das Saalower Kräuterschwein aus einer konventionellen Mastanlage kommt -  darauf gibt es allerdings nach wie vor keinen Hinweis.

Beitrag von Sabine Jauer

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