
Zusammenschluss aus 34 Organisationen - Neues Aktionsbündnis will eine Wende in der Agrarpolitik
Massentierhaltung beenden, die ökologische Landwirtschaft stärken und die Politik dementsprechend ausrichten : Das sind Forderungen einer neuen Lobby-Organisation, zu der sich 34 regionale Verbände und Initiativen am Samstag in Potsdam zusammengeschlossen haben. Ihr Ziel: Eine agrarpolitische Wende.
Für einen grundsätzlichen Systemwechsel in der Agrarpolitik tritt das neue "Aktionsbündnis Agrarwende Berlin-Brandenburg" ein. Der Zusammenschluss von 34 regionalen Verbänden der Landwirtschaft, des Umwelt- und Naturschutzes sowie anderer zivilgesellschaftlicher Kräfte und Initiativen wurde am Samstag in Potsdam gegründet.
Bei einem Fachforum beschlossen die mehr als 200 Tagungsteilnehmer einen Forderungskatalog mit zehn Punkten. So solle die Agrar- und Förderpolitik naturverträglich ausgerichtet, die Massentierhaltung beendet und die ökologische Landwirtschaft gestärkt werden. Dafür suche man die Zusammenarbeit mit den Landwirten.

"Wir wollen die Sprachlosigkeit zwischen Bauern und Politikern überwinden und als Lobby-Verein auch politischen Druck ausüben", sagte der Initiativensprecher Michael Wimmer der Nachrichtenagentur dpa. Der Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg kündigte an, das Anliegen des Aktionsbündnisses auch mit kreativen Kampagnen auf die Straße zu bringen.
Zu den Gründungsorganisationen gehören die Verbände NABU und BUND, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, die Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau und Slow Food Berlin.
Landwirtschaft für Brandenburg von enormer Bedeutung
Die Landwirtschaft ist vor allem für das Flächenland Brandenburg von enormer wirtschaftlicher Bedeutung. Hier gibt es laut Landesbauernverband besonders viele große Betriebe - ein durchschnittlicher Betrieb ist in Brandenburg fast 200 Hektar groß. Und - wie in anderen Bundesländern auch - sind die Landwirte erheblich auf Gelder der Europäischen Union angewiesen.
Erst am Montag hatten sich die Landwirtschaftsminister von Bund und Ländern auf einen Kompromiss zur nationalen Umsetzung der EU-Agrarreform geeinigt. Künftig sollen nur noch 50 Hektar pro Betrieb gefördert werden. Insgesamt bekommen die deutschen Landwirte ab dem kommenden Jahr nur noch 6,2 Milliarden Euro jährlich, zehn Prozent weniger als bisher.
Aus Sicht des Landesbauernverbands gehört Brandenburg bei dem Kompromiss nicht zu den Verlierern. Das Positive sei, dass man jetzt endlich wisse, mit welchen Größenordnungen man für die nächsten sieben Jahre rechnen könne, sagte der Präsident des Brandenburger Verbands, Udo Folgart, am Dienstag dem rbb. Dass es weniger Geld gebe, sei von vornherein klar gewesen. Mit dieser Kompromisslinie seien die Brandenburger, bezogen auf den ostdeutschen Raum, "noch fast mit einem blauen Auge" davongekommen.


