Schloss Rheinsberg im Abendlicht (Quelle: imago)

Kompromiss mit Gewerbetreibenden - Rheinsberg einigt sich auf höhere Tourismusabgabe

Rheinsberg ist nach Potsdam das beliebteste Ziel von Touristen in Brandenburg. 540.000 Besucher zählt die Stadt im Ruppiner Land jedes Jahr. Aber die touristische Infrastruktur kostet Geld. Geld, das die Stadt nun von den Gewerbetreibenden wieder reinholen will.

Rheinsberg ist ohne Zweifel eine der touristischen Zentren Brandenburgs. Viel Kultur, ein Schloß und literarisch ein Muss für Pärchen, die auf den Spuren von Tucholskys "Bilderbuch für Verliebte" wandeln. Nur die Stadt selbst hat nach Meinung ihrer Vertreter zu wenig von den Besucherströmen.

Die Stadtverordneten haben daher am Mittwochabend eine Erhöhung der Tourismusabgabe beschlossen. 14,88 Euro statt 4,50 Euro pro Bett und Jahr müssen zum Beispiel die Rheinsberger Hoteliers künftig in das Stadtsäckel zahlen. Restaurants müssen künftig jährlich 5,31 Euro für jeden Stuhl im Innenbereich zahlen, erkärt Andreas Neubert, Rheinsberger Stadtkämmerer rbb online. Das ist jedoch weit weniger als ursprünglich geplant.

34 Euro wollte die Stadt eigentlich erheben. Bürgermeister Jan-Pieter Rau hatte dies mit den hohen Kosten begründet. Ob Radwege, Grünflächen oder Marketing: Bislang habe die Stadt 90 Prozent der Kosten für die touristische Infrastruktur getragen, die Unternehmen nur zehn Prozent, so Rau.

Gegen diese Pläne hatte es einen Proteststurm der Hoteliers gegeben. "Das ist Wucher", warfen sie der Stadtverwaltung vor. Die neue Abgabe gefährde Arbeitsplätze und damit den Tourismusstandort Rheinsberg, kritisierte ein Hoteldirektor.

Kompromiss zwischen Gewerbe und Stadt

Der Entscheid vom Abend ist nun ein Kompromiss. Man habe vor der Entscheidung mit den Gewerbetreibenden noch einmal diskutiert und sich dann auf die neue Variante geeinigt. Die Bettensteuer werde nicht so stark angehoben wie geplant, dafür werde die Kurtaxe erhöht. 1,30 Euro müssen die Besucher nun zahlen, bisher waren 90 cent.

540.000 Besucher zählt die Tourismusbranche in Rheinsberg jährlich, sagt Bürgermeister Rau. Nach Potsdam liegt die Stadt im Ruppiner Land damit an zweiter Stelle bei den Besucherzahlen in Brandenburg.

Eine Münze im Wert von zwei Euro glänzt in der Sonne vor Schloss Sanssouci in Potsdam (Quelle: dpa)

Potsdam diskutiert weiter über Parkeintritt

In Potsdam soll unterdessen weiter über einen Eintritt für den Park Sanssouci diskutiert werden. Zwischen der Stadt und der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten soll es dazu kommende Woche ein Gespräch geben.  Der Generaldirektor der Stiftung, Hartmut Dorgerloh, werde dazu am Donnerstag im Hauptausschuss erwartet, sagte ein Stadtsprecher.

Bei den Gesprächen geht es um einen Vertrag, in dem sich die Stadt zur Zahlung von insgesamt fünf Millionen Euro verpflichtet hatte. Im Gegenzug will die Stiftung auf ein Eintrittsgeld in Höhe von zwei Euro verzichten.

Doch hatte das Stadtparlament im November sowohl die Erhebung einer Bettensteuer als auch einer Tourismusabgabe zur Gegenfinanzierung abgelehnt hatte, soll der Vertrag möglicherweise wieder aufgelöst werden. Denn sonst droht Potsdam im kommenden Jahr eine Haushaltssperre.

Das Schloss Rheinsberg im Herbst (Foto:dpa)

Stadt plant Anhebung der Tourismusabgabe - Rheinsberg will mehr von den Verliebten

Die Stadt Rheinsberg lebt von ihrem Ruf. Da sind die "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" und Fontane und da sind Tucholskys Claire und Wölfchen im "Bilderbuch für Verliebte". Die Leute kommen nach Rheinsberg, um sich zu erinnern und sich literarisch verbunden zu fühlen. Doch nun hängt eine Wolke über dem Schloss und über Wölfchens "Akazien": die Erhöhung der Tourismusabgabe. Hoteliers sprechen von Wucher.