Ein Baukran im Zentrum von Berlin, im Hintergrund ist der Fernsehturm zu erkennen. (Quelle: dpa)

Prognose von DIW und IHK - Berlins Wirtschaft hängt bis 2030 den Durchschnitt ab

Die Wirtschaftsleistung in Berlin wird bis 2030 stärker sein als im Bundesdurchschnitt: Experten sagen der Hauptstadt ein Wachstum von bis zu 80 Prozent voraus. Sogar andere europäische Großstädte sollen eingeholt werden - und das nach Jahren lahmender Entwicklung. Doch der Aufschwung ist kein Selbstläufer. Von Johannes Frewel

Nach der deutschen Einigung gingen die ursprünglichen Wachstumserwartungen nicht auf - Berlins Wirtschaftsleistung lahmte. Doch seit einigen Jahren verzeichnet die Bundeshauptstadt ein dynamischeres Wachstum, das zuletzt sogar über dem Bundesdurchschnitt lag. Viele neue Jobs entstehen, und Wirtschaftswissenschaftler rechnen damit, dass das Wachstum Berlins auch in den nächsten 15 Jahren anhalten wird.

Nach der Trendwende stellt sich allerdings die Frage, wie tragfähig die Aufwärts-Entwicklung ist. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung DIW hat diese Frage gemeinsam mit Experten der Industrie- und Handelskammer IHK untersucht und eine Mittelfrist-Prognose bis 2030 erstellt. Demnach werden Wirtschaftsleistung und Beschäftigung weiter aufholen, betont DIW-Industrieökonom Martin Gornig. "Unserer Einschätzung nach kann diese Dynamik durchaus tragend und nachhaltig für die Wirtschaftsentwicklung sein."

"Berlin muss lernen, mit dem Wachstum umzugehen"

Bis 2020 soll die Wirtschaftsleistung der Hauptstadt nach Einschätzung des DIW jährlich um 1,9 Prozent wachsen – während der Bund nur auf 1,1 Prozent kommt. Bis 2030 soll der Abstand noch weiter wachsen, gegenüber heute um mehr als 80 Prozent.

Aber das sei kein Selbstläufer, so der Wirtschaftsexperte. "Berlin muss wieder lernen, mit Wachstum umzugehen. Dazu gehört beispielsweise, Konflikte um Flächen auszuhalten." Aber auch attraktiv genug für die in Zukunft benötigten Arbeitskräfte zu sein. Dann sei es durchaus möglich, dass Berlin auch nach 2020 auch den Bundesdurchschnitt überflügelt.  

Ein Start-Up Gründer arbeitet an seinem Laptop (Quelle: dpa)
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Für den Aufschwung braucht Berlin aber auch Industrie

Wirtschaftsforscher erwarten, dass das boomende Gründergeschehen in Berlin wesentliche Wachstumsimpulse geben könnte. Verstärkt werden diese Impulse einerseits durch die Berliner Hochschulen, anderseits durch nach Berlin strömendes Risikokapital. Christian Wiesenhütter, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin, klagt allerdings, dass die Berliner Entwicklungen bislang vor allem in anderen Regionen Deutschlands für neue Jobs sorge, da in Berlin bisher die Industrieproduktion fehlt.

"Genau das müssen wir ändern", so Wiesenhüter. "Wir brauchen die Umsetzung in der Stadt selbst. Ich halte nichts davon, wenn man sagt, Industrie kommt sowieso nicht." Als gutes Beispiel führt er Leipzig an. "Dort sind Dinge wie die Elektroautoentwicklung von BMW geschehen, die keiner für möglich gehalten hat. Dinge, die auch hier geschehen müssten"

2012 lag das erwirtschaftete Durchschnitts-Einkommen in Hamburg 80 Prozent über dem Berlins. Der Grund: Dort gibt es mehr der besser bezahlten Industrie- und Medienjobs. Wenn das Wachstumspotenzial genutzt wird, könnten bis 2030 auch die Berliner Einkommen steigen. Voraussetzung dafür ist allerdings auch nach Einschätzung von Wirtschaftsexperte Gornig eine bessere Industriepolitik. "Die Forschungslandschaft in Berlin ist ausgezeichnet, aber die Ausschöpfung dieses Potenzials muss verbessert werden." Gebraucht würden auch "forschungsintensive Industriearbeitsplätze".

Ein Hauptproblem Berlins wird indes auch 2030 noch ungelöst sein: Die Arbeitslosigkeit bei gering Qualifizierten wird auch 2030 über dem Niveau anderer Großstädte liegen. Denn neue Jobs gibt es vor allem für Hochqualifizierte.

Beitrag von Johannes Frewel

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