Mülltonnen für normalen Müll (Quelle: dpa)

Hinterhof-Container werden abgeschafft - Das Ende der kleinen Glastonne

Zu viel Müll im Glas, das Duale System zieht die Reißleine: Zum Jahresende wird es sie in einigen Bezirken nicht mehr geben, die kleinen Glas-Tonnen im Hinterhof. Flaschen müssen nun in den großen "Iglus" entsorgt werden. Doch der Weg dahin ist oft weit.

22.000 Tonnen Altglas fallen pro Jahr in Berlin an. Zwei Drittel davon werden in den Haus- und Hoftonnen gesammelt. Für die Bewohner ist das bequem, vor allem für die älteren Menschen. Denn die großen, öffentlichen Tonnen sind meist schwer zu erreichen.

Über 20 Jahre funktionierte dieses System. Doch in einigen Bezirken ist damit jetzt Schluss. In Treptow-Köpenick, Marzahn-Hellersdorf und Hohenschönhausen wurden die kleinen Tonnen bereits teilweise abgeholt, Bewohner müssen ihr Glas "zukünftig über zentrale Standorte mittels IGLU-System" wegwerfen, so der Hinweis auf den Mülltonnen. Andere Bezirke sollen folgen.

Das Duale System, das in Berlin das Glasrecycling organisiert, begründet das Ende des Berliner Modells mit der schlechten Glasqualität. In Berlin lande einfach zu viel Müll im Altglas.

Mehr als 300 Meter soll niemand laufen müssen

Petra Pau bezeichnete dieses Vorgehen auf dem Twitter-Kanal von rbb online als "Schildbürgerstreich und umweltfeindlich, gerade ältere Bewohner trennen sorgfältig, sollen nun wandern gehen". "Das ist ein absolutes Unding", sagt SPD-Politiker Daniel Buchholz, "dass hier Knall auf Fall, ohne Vorwarnung, die Altglassammlung in Berlin kaputtgemacht wird. Das ist ein bewährtes System, davon profitiert die Umwelt. Das einfach so wegen fadenscheiniger Gründe aufzugeben, das ist ein Unding."

Dieser "fadenscheinige" Grund ist: die Qualität. "Die Glasindustrie hat reklamiert und festgestellt, dass das Berliner Glas von der Qualität her mmer noch schlecht und aufwendiger zu sortieren ist", sagt Hanno Thielmann, Geschäftsführer Berlin Recycling. Das Glas soll jetzt nur noch in die großen Runden Tonnen – dort passt nicht so viel anderer Müll rein.

Diese Entsorgung übernimmt stadtweit ein Unternehmen: Meyer Rohstoffverwertung. "Wir versuchen mehr Container in die Stadt zu stellen", so Arno Schmidt. Das sei allerdings wegen der behördlichen Genehmigungen nicht immer einfach. Mehr als 300 Meter soll niemand zum nächsten Container laufen müssen.

"Das ist schlichtweg nicht der Fall. Das stimmt nicht. Wenn sie in den Bezirken nachfragen, dann heißt es: "Wir haben gar nicht so viele Standorte'", so SPD-Politiker Buchholz. Das neue System, nur auf die Iglus zu setzen, soll ein paar Jahre getestet werden. Ob es dann wieder ein Zurück zum einzigartigen Berliner Modell gibt, ist fraglich.