BVG-Vorstandschefin Sigrid Evelyn Nikutta (Quelle: dpa)

Verkehrsbetriebe ziehen Jahresbilanz - BVG fährt deutlich weniger Verluste ein

Sigrid Nikutta ist mit dem Jahr 2013 zufrieden: Zum ersten Mal in der Geschichte schreiben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) im laufenden Geschäft eine "schwarze Null". Unterm Strich steht bei dem landeseigenen Unternehmen zwar immer noch ein Minus von gut 36 Millionen Euro, das ist aber deutlich weniger als im Vorjahr. Für Diskussionsstoff sorgt indes der Vorschlag einer automatischen Fahrpreiserhöhung.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben ihren Verlust im laufenden Jahr dank steigender Fahrgastzahlen und höherer Preise verringern können. Unterm Strich werde am Jahresende voraussichtlich ein Minus von 36,2 Millionen Euro stehen, sagte BVG-Chefin Sigrid Nikutta am Montag. 2012 war es noch ein Minus von 57,7 Millionen Euro.

Nikutta hob hervor, dass das landeseigene Unternehmen im laufenden Geschäft erstmals eine schwarze Null erreicht habe. "Die BVG ist leistungsfähiger geworden", bemerkte auch Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) als Aufsichtsratschef. "Das Ergebnis ist aber immer noch negativ, so dass da noch Verbesserungspotential ist." Zinszahlungen und Abschreibungen führen bislang weiter zu Verlusten.

Finanzchef trotz Problemen optimistisch

BVG-Finanzchef Kai Falk plant, spätestens 2016 auch unterm Strich eine schwarze Null zu präsentieren. Im nächsten Jahr rechnet er noch mit einem Verlust in Höhe von 25 Millionen Euro. So viel muss das mit 810 Millionen Euro verschuldete Landesunternehmen im Jahr allein für Zinsen ausgeben.

Allerdings könnte die alte Infrastruktur dabei zum Problem werden. Das U-Bahnnetz sei größtenteils 100 Jahre alt, die Züge im Durchschnitt 25 Jahre, erklärte Nikutta. Aber auch das Neubauprojekt U5 verursacht Sorgen. Auf der Museumsinsel läuft mehr Wasser in die Baugrube als erwartet. Welche Folgen das hat, sollen neue Gutachten klären.

Ein Kunde hält in Berlin eine Einzelfahrkarte für den Nahverkehr und Cent-Münzen in der Hand (Bild: DPA)
Die Ticketpreise sollen etwa an die Lebenshaltungskosten gekoppelt werden.

BVG will automatische Fahrpreiserhöhung

Die Fahrscheine waren zuletzt im vergangenen August teurer geworden. Trotz der höheren Ticketpreise haben in diesem Jahr mehr Fahrgäste denn je die Busse, Straßenbahnen und U-Bahnzüge der BVG genutzt. Mit knapp einer Milliarde Fahrten rechnet Nikutta bis zum Jahresende.

Höhere Einnahmen erwartet die BVG auch durch den gerade neu verhandelten Verkehrsvertrag mit dem Senat. Wenn es nach dem BVG-Aufsichtsrat geht, wird es in Zukunft automatische Fahrpreiserhöhungen geben, die etwa an die Lebenshaltungskosten gekoppelt werden könnten.

Fahrgastverband lehnt Index-Lösung ab

Diese sogenannte Index-Lösung müsste aber durch den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) beschlossen werden, in dem die Nahverkehrsunternehmen beider Länder vertreten sind. Dort laufen schon Gespräche über automatische Tarifaufschläge. Finanzsenator Nußbaum befürchtet, dass Brandenburg wegen der bevorstehenden Landtagswahlen im September 2014 Preiserhöhungen blockieren könnte.

Der Fahrgastverband IGEB hält nichts von der automatischen Preissteigerung. "Weil da jede politische Komponente der Fahrpreise ausgeblendet wird", sagte der stellvertretende Vorsitzende Matthias Gibtner. Der Öffentliche Personennahverkehr sei eine Daseinsvorsorge. Da könne sich der Staat nicht einfach herausziehen. "Hier ist eine politische Debatte auch in Zukunft unverändert wichtig.

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