
Schlechte Aussichten am Bau - Ein Minusjahr für das Baugewerbe
Gebremster Schaum für die regionale Bauwirtschaft, die auf ein insgesamt maues Jahr 2013 zurückblickt. Auch für das kommende Jahr ist nach aktuellen Schätzungen wohl keine Trendwende in Sicht. Ein bisschen Licht am Ende des Tunnels gibt es aber doch. Von André Tonn.
Eigentlich gibt es in der Region viel zu tun: Um beispielsweise Autobahnen auszubessern und in den Städten Straßenbeläge zu erneuern. Viele Infrastrukturbauten sind marode, urteilt der Bauindustrieverband Berlin und Brandenburg in seiner aktuellen Jahresbilanz am Dienstag. Besonders prekär sieht es demnach bei den Brücken aus. Hier schlägt Bauindustrie-Präsident Marcus Becker richtig Alarm. "Ich denke, wenn wir nichts tun in Sachen Infrastruktur, in Sachen Brückensanierung, dann bricht Berlin wirklich zusammen. Wir brauchen die Sanierung der Rudolf-Wissell-Brücke und des Autobahndreiecks Funkturm, das sind absolut neuralgische Punkte in der Stadt."
Mehr als 1.000 viel befahrene Brücken gibt es in der Hauptstadtregion. Doch gerade mal fünf von ihnen würden pro Jahr saniert werden. Nach Ansicht der Bauunternehmer ist das viel zu wenig. Sie fordern eine umfassende Sanierung der Infrastruktur. Doch bislang ist das Gegenteil der Fall.

Leichtes Plus im Wohnungsbau- und durch Aufträge in Brandenburg
Und so schließt die Branche das zu Ende gehende Jahr insgesamt mit einem Umsatzminus von mehr als sechs Prozent ab. Das entspricht einem Rückgang von rund sechs Milliarden Euro im Vergleich zu 2012. Aktuell werde der Abschwung in der Baubranche lediglich durch genügend Aufträge aus dem Land Brandenburg abgefedert, hieß es am Dienstag.
Einen leichten Zuwachs gab es nur beim Wohnungsbau. Dagegen sank die Zahl der Neubauten für Wirtschaftsunternehmen in der Hauptstadt um mehr als 13 Prozent, klagt der Präsident des regionalen Bauindustrieverbandes. "Das liegt sicherlich auch daran, dass sich in Berlin weitere Wirtschaftsunternehmen schwer tun hierher zu kommen." Becker fordert bessere Rahmenbedingungen in Berlin und Brandenburg. Dann - so seine Prognose - wird auch der Wirtschaftsbau genau dasselbe Konjunkturbarometer werden wie heute der Wohnungsbau.

Das Gewerbe möchte für Erfolge belohnt werden
Die Hoffnung auf eine mögliche Trendwende hält sich allerdings in engen Grenzen. Mit einem Anziehen der Baukonjunktur im nächsten Jahr rechnet der Bauindustrieverband jedenfalls noch nicht. Frühestens 2015 könnte sich die Situation in der Hauptstadtregion wieder verbessern. Dafür müsste allerdings vor allem der Berliner Senat wesentlich mehr in die Infrastruktur der Stadt investieren. Nötig seien aber auch wieder mehr Aufträge von Wirtschaftsunternehmen.
Die Zusammenarbeit mit seinen Kunden will der Bauindustrieverband Berlin-Brandenburg verbessern. Den Zuschlag bei einer Auftragsausschreibung sollte nicht wie so häufig fast automatisch der preiswerteste Anbieter erhalten, sondern das Unternehmen, das Arbeiten gründlich und termingerecht ausführt, regt Marcus Becker an. "Wir wünschen uns Vertragsmodelle, in denen nicht der Misserfolg bestraft wird, sondern der Erfolg motiviert wird. Dafür gibt es in Berlin gute Beispiele wie die AVUS-Sanierung, bei der es Geld dafür gab, früher fertig zu werden."
Aber selbst wenn das bald Praxis werden sollte, ändert das wohl nichts an der schwachen Baukonjunktur. Der Bauindustrieverband Berlin-Brandenburg geht davon aus, dass das Ergebnis des nächsten Jahres unter dem von 2013 liegen wird.


