Erneut Rekordzahl bei Berlin-Besuchen - "Auf diesen Klumpen Gold sollten wir gut aufpassen"
Nicht nur zur großen Silvesterparty - das gesamte Jahr über strömen Touristen nach Berlin. In diesem Jahr könnten es bis zu 27 Millionen Übernachtungen sein, das wäre ein neuer Rekord. Und das trotz der Negativ-Werbung durch den Streit um die East Side Gallery und das anhaltende Debakel um den neuen Flughafen BER.
Berlin erwartet erneut einen neuen Besucherrekord. "Wir gehen auf die 27 Millionen Übernachtungen zu", sagte der Geschäftsführer der Tourismusgesellschaft visitBerlin, Burkhard Kieker, am Sonntagabend im rbb. Das wäre das vierte Rekordjahr in Folge, so Kieker weiter. Im vergangenen Jahr wurden knapp 25 Millionen Übernachtungen gezählt.
Berlin sei ein authentischer Ort, eine entspannte Stadt. Zusammen mit dem Nachtleben und den Kulturangeboten kreiere das einen "unglaublichen Magnetismus", begründet Kieker die zunehmende Beliebtheit Berlins als Reiseziel.

Umgang mit East Side Galery hat Berlin geschadet
Gleichzeitig kritisierte Kieker die Durchbrüche an der Berliner East Side Gallery. "Das hat uns mehr geschadet als der Flughafen", so der visitBerlin-Chef. Die Besucher hätten den Eindruck, Berlin sei die einzige Stadt, die anfange, ihre Sehenswürdigkeiten abzureißen. Das Image, das sich die Stadt in den vergangenen 25 Jahren erarbeitet habe, sei "wie ein Klumpen Gold". Darauf sollte die Stadt gut aufpassen, mahnte Kieker. Für den Bau eines Gebäudes mit Luxuswohnungen auf dem ehemaligen Todesstreifen wurde im vergangenen März ein Teilstück der bemalten ehemaligen Grenzmauer entfernt.
Berlin arbeitet am Luxus-Tourismus
Neben den Kongress-Reisenden bilden Touristen einen wichtigen Teil der Berlin-Besucher. Eine Umfrage unter 20.000 deutschen Gästen habe ergeben, dass die Touristen durchschnittlich 42 Jahre alt seien. Die meisten Besucher wollen es sich demnach "in einem schönen Hotel gut gehen lassen" und abends in die Oper gehen, sagte Kieker weiter. Berlin ziehe insgesamt aber ganz verschiedene Besuchergruppen an.
Gleichzeitig erklärte Kieker, dass die Stadt stark am Luxus-Tourismus arbeite. Das würden manche als Reizwort empfinden. "Es gibt sehr reiche Leute, die in der Stadt eine Menge Geld hinterlassen, aber nicht weiter auffallen." Die versuche man, nach Berlin zu locken, so Kieker. "Inzwischen mit wachsendem Erfolg". Dazu gehörten etwa Gäste aus Indien, Brasilien, den USA und auch zunehmend aus China.
Mehr als 130.000 Hotelbetten zählt die Stadt inzwischen, 35 neue Hotels entstehen gerade. Die Auslastung liegt im Jahresdurchschnitt bei 57 Prozent.




