Das Firmengebäude der GASAG in Berlin (Quelle: dpa)

Nach Verlusten im vergangenen Jahr - Gasag steigt in den Strommarkt ein

Der Berliner Gasbetreiber Gasag steigt nach mehreren erfolglosen Anläufen in den Berliner Strommarkt ein. Denn das eigentliche Kerngeschäft steht unter Druck: Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen erstmals Verluste gemacht. Der Einstieg in den Strommarkt soll langfristig die Wende bringen. Von Markus Fischer

Gasag-Geschäftsführer Stefan Grützmacher will endlich umsetzen, was sein Vorgänger begonnen hat. Schon vor drei Jahren wollte der Berliner Gasbetreiber neue Geschäftsfelder erschließen. Es blieb allerdings bei Vorzeigeprojekten wie in Berlin-Marienfelde, wo die Gasag Strom aus Blockheizkraftwerken produziert.

Die Marktpreise für Strom sind derzeit niedrig

"Wir haben uns die letzten Jahre immer damit beschäftigt, doch es hat noch nicht gepasst", sagt Grützmacher. Warum jetzt endlich der richtige Zeitpunkt für den Einstieg in den Strommarkt gekommen sei, erklärt Grützmacher allein durch eine neue Unternehmensstrategie: "Wir wollen der Energiemanager in Berlin und Brandenburg werden. Wir verstehen den Markt, und wir haben über eine halbe Million Kunden hier. Wir sind überzeugt, dass es für die interessant sein wird, von uns auch Strom beziehen zu können."

Energie-Experten sehen vor allem die momentan niedrigen Marktpreise als Grund für den Einstieg. Während die Konkurrenz bereits vor Jahren zu höheren Preisen Strom gekauft hat, sei der Vertrieb für einen Neueinsteiger heute günstiger. Dies will die Gasag auch in günstigere Strompreise umsetzen, um so bereits im ersten Jahr zahlreiche Kunden zu gewinnen.

"Wir hoffen auf viele tausend Kunden, die in einem Jahr von uns nicht nur Gas, sondern dann auch Strom beziehen", sagt der Gasag-Geschäftsführer. "Wir wollen ihnen komplette Lösungen anbieten, egal, ob es sich bei ihnen um Privathaushalte, Verwaltungen oder Gewerbebetriebe handelt."

Ein Vattenfall-Mitarbeiter steht in Berlin im Umspannwerk Fennpfuhl an zahlreichen 10 Kilovolt-Stromkabeln (Quelle: dpa)
Vattenfall fürchtet die Gasag nicht als neuen Konkurrenten auf dem Strommarkt.

Vattenfall schafft sich einen Konkurrenten im eigenen Haus

Einer der größten Anteilseigner der Gasag ist der Stromkonzern Vattenfall, der dieser Ausweitung auf den Strommarkt widerstandslos zugestimmt hat - und das, obwohl sich die Schweden damit quasi Konkurrenz im eigenen Haus schaffen. Doch Vattenfall glaubt nicht daran, dass die Gasag große Marktanteile gewinnen wird. Vom Unternehmen heißt es: Die Gasag sei nur ein Anbieter unter Hunderten, und Vattenfall stehe der Ausweitung auf den Strommarkt gelassen gegenüber.

Nach den roten Zahlen aus dem vergangenen Jahr dürfte die Gasag weniger gelassen in die Zukunft blicken. Der Einstieg in den Stromvertrieb ist natürlich zunächst auch vor allem mit Kosten verbunden, erklärt Stefan Grützmacher. Doch diese hält er für überschaubar: "Wir rechnen in der Planung mit leichten Anlaufverlusten, die aber völlig normal sind, wenn man in einen neuen Markt einsteigt. In zwei, spätestens drei Jahren in den schwarzen Zahlen zu sein, halten wir für realistisch."

Am Freitag ist der Stromtarif für Privathaushalte gestartet. Angebote für Gewerbekunden sollen 2014 folgen. Außerdem will die Gasag will neben dem Stromvertrieb künftig auch in die Energiesanierung von Gebäuden einsteigen.

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