Fahrgäste verlassen und betreten eine U-Bahn am Bahnhof Friedrichstraße in Berlin (© dpa)
Rushhour in der Berliner U-Bahn (© dpa)

"Die Stadt wächst auch in den Außenbezirken" - Nikutta will BVG-Angebot verbessern

Die Berliner Verkehrsbetriebe freuen sich über einen neuen Fahrgastrekord. Doch auf manchen Linien müssen die BVG-Nutzer mitunter eng zusammenrücken. "Darauf müssen wir reagieren", sagte BVG-Chefin Sigrid Nikutta in einem Zeitungsinterview. Gleichzeitig erteilte sie der Forderung nach einem kostenlosen Öffentlichen Nahverkehr eine Absage.

BVG-Chefin Sigrid Nikutta ist stolz auf die Berliner Verkehrsbetriebe. In diesem Jahr erwartet das landeseigene Verkehrsunternehmen mit rund 950 Millionen Fahrten einen neuen Rekord; 27 Prozent des Verkehrs in der Hauptstadt erfolgen mit Bahnen und Bussen.

Doch Nikutta sieht auch noch Verbesserungsbedarf. In der Innenstadt gebe es ein dichtes Netz, erklärte sie in einem Interview mit dem "Tagesspiegel" (Dienstag). "Dennoch haben wir auf manchen Linien zu manchen Zeiten so viele Fahrgäste, dass wir nachsteuern wollen." Die Stadt wachse auch in den Außenbezirken. Auch darauf müsse reagiert werden, erklärte Nikutta weiter.

Sigrid Nikutta auf einer U-Bahn-Baustelle (Quelle: dpa)
Der Bau einer U-Bahn kostet pro Kilometer bis zu 200 Millionen Euro.

BVG will 2016 ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen

Für die bessere Anbindung der Außenbezirke sind neue U-Bahnstrecken wohl nicht finanzierbar. "Beim Bau einer U-Bahn muss man mit Kosten zwischen 150 Millionen Euro und 200 Millionen Euro pro Kilometer rechnen und dann kommen noch die Bahnhöfe dazu", gab die BVG-Chefin zu bedenken. Bei Bau einer Straßenbahnstrecke könne man jeweils eine Null wegstreichen. Und Busse bräuchten keine eigene Infrastruktur, belasteten aber den Verkehr.

Das Unternehmen ist derzeit mit 810 Millionen Euro verschuldet. Trotzdem soll im Jahr 2016 ein ausgeglichenes Betriebsergebnis erzielt werden. "Wir sind auf dem besten Weg", zeigte sich Nikutta optimistisch. Sie stellte gleichzeitig den 13.000 Mitarbeitern in Aussicht, "wenn wir unser wirtschaftschaftliches Ziel erreichen, bieten wir als Grundlage für Tarifverhandlungen mindestens 2,5 Prozent mehr Geld an".

Absage an Forderung nach Gratisfahrten

Gleichzeitig erteilte Nikutta der Forderung der Berliner Grünen nach einem kostenlosen Öffentlichen Nahverkehr eine Absage. Sie führte die Kosten für die Mitarbeiter, eine funktionierende Infrastruktur und für die Fahrzeuge an. "Von all denen, die Gratisfahrten fordern, wurde noch kein dauerhaftes Konzept vorgelegt, wie dies finanziert werden soll und vor allem durch wen."

Nikutta verteidigte den Vorschlag, die Ticketpreise an eine Index, beispielsweise die Lebenshaltungskosten, zu koppeln. Diese sogenannte Index-Lösung müsste aber durch den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) beschlossen werden, in dem die Nahverkehrsunternehmen beider Länder vertreten sind. Dort laufen schon Gespräche über automatische Tarifaufschläge.

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