Das Schloss Rheinsberg im Herbst (Foto:dpa)

Stadt plant Anhebung der Tourismusabgabe - Rheinsberg will mehr von den Verliebten

Die Stadt Rheinsberg lebt von ihrem Ruf. Da sind die "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" und Fontane und da sind Tucholskys Claire und Wölfchen im "Bilderbuch für Verliebte". Die Leute kommen nach Rheinsberg, um sich zu erinnern und sich literarisch verbunden zu fühlen. Doch nun hängt eine Wolke über dem Schloss und über Wölfchens "Akazien": die Erhöhung der Tourismusabgabe. Hoteliers sprechen von Wucher.

Auf massive Kritik aus Brandenburgs Fremdenverkehrswirtschaft ist das Vorhaben der Stadt Rheinsberg gestoßen, die Tourismusabgabe deutlich zu erhöhen. Vorgesehen ist eine Steigerung von mehreren hundert Prozent. "Das ist Wucher", rügen Hoteliers in der bei Ausflüglern beliebten Stadt.

Bürgermeister Jan-Pieter Rau (CDU) dagegen verteidigt das Vorhaben. Die Erhöhung der Abgabe sei kein Wucher, sondern notwendig. Grundlage der Pläne ist eine neue Fremdenverkehrssatzung, über die die Stadtverordneten am Mittwoch abstimmen wollen.

Die Satzung soll bereits ab dem 1. Januar 2014 gelten und sieht eine deutliche Anhebung der Tourismusabgabe für Hotels, Gaststätten und alle anderen Unternehmen vor, die  "unmittelbar oder mittelbar" mit Tourismus zu tun haben. Nach Berechnungen des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) wird sich die Steigerung bei einigen Unternehmen auf über 700 Prozent belaufen.

Handelsleute fürchten um die Touristen

Die neue Abgabe gefährde Arbeitsplätze und damit den Tourismusstandort Rheinsberg, kritisierte ein Hoteldirektor. "Sollte die geplante Abgabe in der Höhe kommen, werden wir unsere bisheriges freiwilliges Engagement für den Tourismusstandort überdenken", hieß es.

Der Hauptgeschäftsführer der Dehoga Brandenburg, Olaf Lücke, warf der Stadtverwaltung vor, bei ihren Plänen die touristischen Partner nicht ausreichend miteinbezogen zu haben.

Die Amtswalter wollen einen höheren Zoll

Bürgermeister Rau hält dagegen. Er sagt, der Entscheidung für die Erhöhung der Abgabe sei eine sorgfältige Kalkulation vorausgegangen. Im Vergleich zu anderen deutschen Tourismusorten habe Rheinsberg in den vergangenen Jahren viel zu wenig Tourismussteuern erhoben.

Ob Radwege, Grünflächen oder Marketing: Bislang habe die Stadt 90 Prozent der Kosten für die touristische Infrastruktur getragen, die Unternehmen nur zehn Prozent. Künftig werde das Verhältnis 40 (Stadt) zu 60 (Unternehmen) sein.

Bei "Besucherzahlen" ist Potsdam Vorbild – und auch in Sachen "Steuer"

Mit seinem Schloss und der reichen Kulturszene ist Rheinsberg eines der beliebtesten Ausflugsziele in der Mark. Pro Jahr zählt die Tourismusbranche nach Angaben des Bürgermeisters bis zu 540.000 Übernachtungen in Rheinsberg; nur die Landeshauptstadt Potsdam komme auf mehr Gäste.

In Potsdam waren erst im November sowohl eine Bettensteuer als auch eine Tourismusabgabe gescheitert. Damit sollten die Kosten für die Pflege von Park Sanssouci finanziert werden.

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