Babys liegen zusammen auf einer Neugeborenenstation im Krankenhaus in ihren Bettchen. (Quelle: dpa)

Deutschlands kinderreichstes Krankenhaus - Babyboom in Tempelhof

Berlin zieht junge Menschen an - viele sind offenbar gekommen, um zu bleiben und Familien zu gründen: Unter den Top 10 der geburtsstärksten Kliniken Deutschlands finden sich inzwischen vier Hauptstadt-Krankenhäuser. Ganz vorne liegt das Sankt-Joseph-Krankenhaus in Tempelhof. An jedem Tag erblickten dort 2013 mehr als 10 Kinder das Licht der Welt. Von Robin Avram

Im beschaulichen Tempelhof, gefühlte Meilen weit weg vom Trubel der Großstadt, liegt Deutschlands geburtenstärkste Klinik. In den sieben Geburtsräumen des Sankt-Joseph-Krankenhauses kamen im Jahr 2013 exakt 3.816 Babys zur Welt. Damit verteidigt das größte katholische Krankenhaus Berlins seine deutschlandweite Spitzenposition aus dem Vorjahr. Das geht aus der jährlich erscheinenden Geburtsliste des Babynahrung-Herstellers Milupa hervor. Nur ein Konsoritum von zwei Münchner Krankenhäusern liegt formal gesehen vor dem Sankt-Joseph-Krankenhaus.

In dem Ranking tummeln sich noch weitere Berliner Krankenhäuser unter den Top 10: Auf Rang 4 folgt das Vivantes Klinikum Neukölln, auf Rang 6 das Sana Klinikum in Lichtenberg, der Virchow-Campus der Charité belegt Rang 7. Während der Charité-Standort dabei 247 Geburten weniger als im Vorjahr meldete, verzeichneten die anderen drei Berliner Krankenhäuser steigende Zahlen: Ingesamt 483 Geburten mehr als 2012.

Berlins Kinderreichtum wächst - dank zugezogener junger Frauen

Diese Statistik spiegelt einen Trend wieder, kommentiert Jürgen Paffhausen, Referatsleiter für Bevölkerung beim Statistischen Landesamt auf Anfrage von rbb online. Denn in den vergangenen Jahren stieg die Geburtenrate in Berlin deutlich an. 2012 verzeichneten die Statistiker nicht nur 34.700 Geburten, sondern auch einen "Sterbeüberschuss" von 2.500 Menschen. Auch ohne Zuwanderung wäre Berlins Bevölkerung also gewachsen, weil deutlich mehr Geburten als Sterbefälle stattfanden.

Ein Erfolg von familienpolitischen Maßnahmen wie dem Elterngeld? Paffhausen erachtet eine anderen Faktor als viel wichtiger: "Viele junge Menschen sind in den vergangenen Jahren nach Berlin gezogen, das hat die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter erhöht." Und vielen dieser Frauen gefällt Berlin offenbar so gut, dass sie hier bleiben und Kinder bekommen. Doch warum wählt mehr als jede zehnte Berliner Frau das Sankt-Joseph-Krankenhaus, um ihr Kind zur Welt zu bringen?

Das Kreißsaal-Gebäude des St. Joseph Krankenhauses in Berlin-Tempelhof. (Bild: St. Joseph Krankenhaus)
Gut 10 Kinder kommen pro Tag im Sankt-Joseph-Krankenhaus zur Welt.

Deutschlandweiter Marktführer für Geburten

Prof. Dr. Michael Abou-Dakn, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, sieht das Ergebnis als Bestätigung seiner Arbeit: "Frauen bringen ihre Kinder dort zur Welt, wo sie auf die geburtshilfliche Expertise vertrauen und sich wohl fühlen." Gezielt hat sich das Krankenhaus in den vergangenen Jahren auf Geburtshilfe und Gynäkologie spezialisiert, investierte Millionen in einer der größten Kreißsäle Deutschlands, der Anfang 2012 in Betrieb ging.

Als so genanntes Perinatalzentrum Level 1 ist die Geburtsklinik zudem spezialisiert auf Mehrlings – und Risikoschwangerschaften. "Das sind Frauen mit Diabetes, bestimmten Vorerkrankungen und auch Frauen über 35", erläutert Pressesprecherin Corinna Riemer. Allein 123 Zwillingsgeburten verzeichnete das Joseph-Krankenhaus im Jahr 2013.

Nur aus Nächstenliebe wirbt das katholische Krankenhaus aber nicht mit Familienzimmern, professioneller Hebammen-Ausbildung und einer niedrigeren Kaiserschnitts-Rate: Geburten sind für die unter Finanzierungsdruck stehenden Krankenhäuser längst ein wichtiges Geschäftsfeld. So gesehen, ist das Sankt-Josephs-Krankenhaus im beschaulichen Tempelhof inzwischen ein deutschlandweiter Marktführer für Geburten. So oder so – das ist ein Titel, auf den Berlin durchaus Stolz sein kann.

Beitrag von Robin Avram

Mehr zum Thema

Ein Mädchen nimmt sich in der Kita Treue in Berlin Reinickendorf für ihr Mittagessen selbst Kartoffeln aus einer Schüssel und legt sie auf ihren Teller (Quelle: dpa)

Bezirksranking - Wo es in Berlin an Kita-Plätzen mangelt

Berlin braucht noch immer dringend Kita-Plätze - doch der Negativtrend scheint durchbrochen. Senatorin Scheeres zumindest zieht eine positive Zwischenbilanz ihres Ausbau-Programms. Demnach hat Pankow sich am meisten verbessert. rbb online zeigt, welche Bezirke ihre Hausaufgaben gemacht haben - und welche nicht.