Bei leichtem Schneefall fährt eine S-Bahn in Berlin (Quelle: dpa)

Entscheidung fällt Ende 2014 - Deutsche Bahn bewirbt sich ohne Partner um das S-Bahn-Netz

Es geht um das Herzstück der Berliner S-Bahn: den Ring. Er und seine Zubringer werden ab 2017 neu vergeben. Die Konkurrenz ist groß, auch internationale Unternehmen bewerben sich um ein Drittel des gesamten S-Bahnnetzes. Bisher sind die Strecken fest in Händen der S-Bahn - das soll es nach dem Willen der Deutschen Bahn auch bleiben. Die Bahn plant die Ausschreibung ohne Partner.

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn stützt die Bewerbung der Konzernspitze um den Betrieb der Berliner S-Bahn. Das teilte das Unternehmen nach einer Sitzung des Kontrollgremiums am Donnerstag in Berlin mit.

Die Bahn betreibt die Berliner S-Bahn schon jetzt, das Land Berlin will aber ein Drittel des Berliner S-Bahn-Betriebs ab 2017 neu vergeben. Nun ist auch klar: Die Bahn bewirbt sich ohne Industriepartner.

Vor wenigen Tagen hieß es, dass sich die Deutsche Bahn erstmals mit weiteren Herstellern verbünden könnte, um die internationale Konkurrenz auszustechen. Die "Süddeutsche Zeitung" meldete demnach, dass die Bahn mit den Zugherstellern Siemens und Stadler kooperiert. Bislang hatte sie sich immer als Einzelunternehmen um regionale Verkehrsverträge beworben.

Das waren zumindest die Pläne der Konzernspitze. Doch offenbar sieht der Aufsichtsrat darin juristische Probleme. Das Vergaberecht und die Möglichkeit, dass Zug-Lieferanten auch Konkurrenten für den Betrieb des S-Bahn-Netzes ausrüsten, machen ein Gebot als Konsortium schwierig.

Ende 2014 fällt die Entscheidung

Das größte deutsche S-Bahnnetz in Berlin wird derzeit von einer Tochter der Deutschen Bahn betrieben. Ein Teil des Netzes - der S-Bahn-Ring mit Zubringerstrecken im Südosten - wird von Ende 2017 an für 15 Jahre neu vergeben. Das Netz umfasst ein Betriebsvolumen von rund 9,4 Millionen Zugkilometern pro Jahr.

Die Ausschreibung umfasst die Linien S41 und S42 (Ringbahn), die S46 (Hauptbahnhof - Westend - Königs Wusterhausen), die S47 (Spindlersfeld - Südkreuz) und die S8 (Hohen Neuendorf - Königs Wusterhausen). Wer den Zuschlag erhält, soll Ende 2014 entschieden werden. Das letzte Wort hat dann das Abgeordnetenhaus.

Bekannt ist, dass sich neben dem bundeseigenen Bahnkonzern auch die Pariser Nahverkehrsgesellschaft RATP bewirbt. Auch die Namen von Unternehmen aus Großbritannien (National Express) und Hongkong (MTR) werden immer wieder genannt. Der Sieger in dem Wettbewerb muss neue S-Bahn-Züge bauen lassen und bezahlen. Benötigt werden fast 200 Viertelzüge aus jeweils zwei Wagen, die nach Schätzungen des Berliner Senats gut 600 Millionen Euro kosten dürften.

Siemens und Stadler hatten schon vor Monaten Interesse an Partnerschaften mit potenziellen S-Bahn-Betreibern in Berlin geäußert. Auch der Fahrzeughersteller Bombardier war auf Partnersuche. Die Bahnpläne sehen demnach vor, mit Siemens und Stadler ein Gemeinschaftsunternehmen zu gründen. Das Unternehmen könnte aus einer Hand sowohl den S-Bahn-Betrieb anbieten als auch die Lieferung neuer Züge und deren Instandhaltung.

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