
Handel mit illegalen Zigaretten bleibt ein Millionengeschäft - Zigaretten-Schwarzmarkt in Berlin floriert
Sie stehen an S-Bahnhöfen oder vor Supermärkten, und das vor allem im Osten Berlins: Verkäufer von unversteuerten Zigaretten, die nach Deutschland geschmuggelt worden sind. Rund 330 Millionen illegale Zigaretten werden pro Jahr in Berlin verkauft. Polizei und Zollfahnder können nur einen Bruchteil sicherstellen.
Raucher müssen aufgrund der stetig steigenden Tabaksteuer immer wieder tiefer in die Tasche greifen. Viele kaufen deshalb auch öfter illegale Zigaretten auf dem Schwarzmarkt. In Berlin wurden im vergangenen Jahr rund sieben Millionen illegale Zigaretten sichergestellt. Verkauft würden vermutlich aber rund fünfzigmal so viele, bestätigte ein Sprecher des Zollfahndungsamtes Berlin-Brandenburg am Montag dem rbb.
Er sprach von circa 330 Millionen verkauften Schmuggelzigaretten pro Jahr. Allerdings habe die Anzahl der illegalen Verkaufsplätze in den vergangenen Jahren drastisch reduziert werden können. Als Grund nannte der Sprecher permanente Kontrollen von Zoll und Polizei. Auch ganze Banden hätten zerschlagen werden können. Dem Zoll zufolge vertreiben Schwarzhändler Zigaretten an rund 350 Stellen in Berlin. Fast alle davon befinden sich im Osten der Stadt.

Illegaler Zigarettenhandel vor allem in Ostbezirken
Für den Kampf gegen den Zigarettenschmuggel in der Hauptstadt sind das Berliner Landeskriminalamt und das Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg zuständig. Sie bilden eine "Gemeinsame Ermittlungsgruppe Zigarettenhandel", kurz "GE Zig". Diese versucht immer wieder, mit Razzien gegen den Schwarzmarkt-Handel und Schmuggel von Zigaretten aus dem Ausland vorzugehen.
Laut "Ge Zig" liegt der Handel mit unverzollten Zigaretten in Berlin zum größten Teil in der Hand von vietnamesischen Straßenhändlern. Seit der Wiedervereinigung ist der Handel von diesen mehr oder weniger straff organisierten Gruppen vor allem im Ostteil der Stadt immer weiter ausgebaut worden.
Schwarzmarkthandel richtet großen wirtschaftlichen Schaden an
Bei der bislang letzten Großrazzia gegen illegale Zigarettenhändler im Juni 2013 nahm die Berliner Polizei neun Personen fest. Für die rund 200 Polizisten im Einsatz war es der größte Fund des vergangenen Jahres: Sie entdeckten 880.000 unversteuerte Zigaretten in einer Garage im Stadtteil Neukölln sowie 720.000 Zigaretten in einem illegalen Lager in Marzahn.
Die Zigaretten stammten überwiegend aus Osteuropa und wurden illegal eingeführt. Dies gilt für die meisten geschmuggelten Zigaretten in Deutschland, wie auch eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG im vergangenen Jahr besagt: Danach kommen die meisten gefälschten Zigaretten aus Polen (52,7 Prozent), gefolgt von der Tschechischen Republik (27,1) und Russland (6,5).
Die Ermittler sorgen sich - abgesehen von der Gesundheitsgefahr für die Raucher illegaler Zigaretten - vor allem um den wirtschaftlichen Schaden: Die KPMG-Studie schätzt den Steuerausfall für alle in Deutschland konsumierten, aber nicht hier versteuerten Zigaretten auf etwa vier Milliarden Euro.

