
1,4 Milliarden Euro Investition - Vattenfalls Kampfansage an die Stromnetz-Konkurrenz
Von allen Stromnetzen der Bundesrepublik ist das in Berlin am begehrtesten. Drei Interessenten bewerben sich bisher um die Konzession, die am Ende des Jahres ausläuft. Darunter auch der jetzige Betreiber Vattenfall. Der schwedische Konzern hat nun ein verlockendes Angebot gemacht: Millionen will er in das Netz stecken - falls er es weiterhin betreiben darf, versteht sich. Von Sebastian Schöbel-Matthey
Ende 2014 läuft die Konzession für das Berliner Stromnetz aus, der Vertrag ist neu ausgeschrieben. Besonders beim Energieriesen Vattenfall löst das große Betriebsamkeit aus: Schließlich hat der Konzern viel zu verlieren. Vattenfall betreibt die Hauptstadtleitungen über sein Tochterunternehmen "Stromnetz Berlin GmbH" und möchte das auch weiter tun. Erst kürzlich verloren die Schweden die Konzession für den Betrieb des Hamburger Netzes - das soll sich nach Vattenfalls Vorstellung nicht wiederholen.
In diesem Zusammenhang muss man die Meldung verstehen, die Vattenfall an diesem Dienstag bei seiner Jahrespressenkonferenz in die Welt setzte. Man wolle noch in diesem Jahr rund 294 Millionen Euro in das 36.000 Kilometer lange Berliner Netz stecken und es "zum smartesten Metropolennetz Deutschlands entwickeln." Was Vattenfall damit sagen will: Wir kämpfen um die Konzession in der Hauptstadt!
So sollen zum Beispiel zwischen 2014 und 2016 34 Millionen Euro in die Sanierung der Mittel- und Niederspannung gesteckt werden, zunächst in Heiligensee und Lichtenrade, danach in Hohenschönhausen, Mahlsdorf und Britz. Bis 2020 will die Berlin Stromnetz GmbH zudem alte Umspannwere ersetzen und Fortschritte auf dem Weg zum "Smart Grid", dem intelligenten Stromnetz machen.
Schwerpunkt ist der schrittweise Umbau zu einer zentralen Steuerung des Netzes. Dafür will der Konzern bis 2023 2.200 der rund 11.000 Berliner Netzstationen mit intelligenter Messtechnik ausgerüsten und das Netz insgesamt per Datenverbindung kontrollierbarer gestalten.
Alles Maßnahmen, um das notorisch anfällige Berliner Stromnetz stabiler zu machen. Denn je intelligenter und moderner das Netz, desto besser kann der Betreiber auf Schwankungen reagieren - und Stomausfälle vermeiden, so wie zuletzt im Berliner Abgeordnetenhaus.
Bis 2024 will die Vattenfall-Tochter rund 1,4 Milliarden Euro in das Berliner Stromnetz investieren - eine Ansage auch an die Konkurrenten im Kampf um die Konzession.
Denn neben Vattenfall hoffen auch der niederländische Energiekonzern Alliander, der landeseigene Betrieb Berlin Energie, die Thüga-Gruppe und die Genossenschaft Bürgerenergie Berlin auf den Zuschlag. Ein Volksentscheid unter dem Motto "Vattenfall den Stecker ziehen", der vorsah, das gesamte Stromnetz zu rekommunalisieren, war Ende 2013 knapp gescheitert.
Im Vorjahr lagen die Ausgaben der Berliner Stromnetz GmbH bei 280 Millionen Euro, davor bei 260 Millionen Euro. 2012 hatte Vattenfall mit dem Berliner Stromnetz einen Gewinn von 70 bis 80 Millionen Euro vor Steuern erwirtschaftet.
Kaum verwunderlich also, dass Vattenfall über sein Tochterunternehmen das Netz gern allein weiterbetreiben würde.







