Wer braucht welche Wohnung in Berlin? - Gesucht: 2-3 Zimmer, Balkon, im S-Bahn-Ring
Berlin baut an den Bedürfnissen seiner Bevölkerung vorbei – zu diesem Schluss kommt der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU). Dessen jüngster Marktbericht zeigt, dass in der Hauptstadt vor allem kleinere Mietwohnungen gefragt sind. Gebaut würden aber größere, kritisiert der Verband. In Brandenburg ist die Lage deutlich entspannter - doch auch das bringt Probleme mit sich.
Wohnungen mit 60 bis 80 Quadratmetern werden in Berlin gesucht. Vor allem zwei bis drei Zimmer mit Balkon innerhalb des S-Bahn-Rings - das sind die gefragtesten Wohnungen auf dem Berliner Mietmarkt. Zu diesem Ergebnis kommt der Marktmonitor des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), der am Donnerstag vorgestellt wurde. Für die Studie wurden 1,7 Millionen Datensätze des Internet-Wohnungsportals "Immoscout" ausgewertet.
In Berlin aber würden derzeit viel größere Wohnungen mit mehr als 100 Quadratmetern gebaut, sagte BBU-Vorstand Maren Kern. "Offenbar wurde bislang kaum für breite Schichten der Bevölkerung gebaut. Da haben wir Nachholbedarf."
BBU: Kleine Wohnungen aufs Tempelhofer Feld
Eine Chance bietet laut Kern das Tempelhofer Feld, an dessen Rand städtische Wohnungsbaugesellschaften nach Plänen des rot-schwarzen Senats zumindest auch eine Reihe kleinere, günstige Wohnungen bauen sollen. Ein Volksbegehren will die Bebauung des riesigen Parks jedoch verhindern. "Das wäre fatal und für Berlin absolut das falsche Signal", sagte Kern.
Innenstadtbezirke vorn
Besonders gefragt sind laut Auswertung die innenstadtnahen Stadtteile Charlottenburg, Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Kreuzberg und Schöneberg. Am geringsten ist das Interesse an Hellersdorf, Marzahn und Hohenschönhausen. Besonders wichtig seien den Wohnungssuchenden Balkon und Einbauküche. Auf einen Aufzug oder behindertengerechte Ausstattung legten die Internetnutzer dagegen weniger Wert.
Weniger Leerstand, günstige Mieten
Die Mitglieder des BBU besitzen nach Verbandsangaben rund 40 Prozent der Mietwohnungen in Berlin. In diesen Wohnungen stiegen die Bestandsmieten nach den aktuellsten Daten innerhalb eines Jahres um 2,4 Prozent, die Neuvertragsmieten um 3,5 Prozent. Der Leerstand sinke weiter deutlich.
Die Studie des Verbands kommt auch zu dem Ergebnis, dass die Berliner Mieten immer noch günstig sind. Viele Mieter wären zudem bereit, einen Nettokaltpreis von 8,70 Euro zu zahlen. Verbandssprecher David Eberhard sagte dem rbb, dass ihn die Summe überrasche, weil sie 60 Prozent über dem Mittelwert des Mietspiegels liege.
Brandenburger Mieten kaum gestiegen
In Brandenburg stiegen die Bestandsmieten 2012 nur um gut ein Prozent Mit durchschnittlich 4,60 Euro netto Kaltmiete pro Monat und Quadratmeter ist Wohnen in Brandenburg nach BBU-Angaben rund elf Prozent günstiger als in Berlin. Allerdings gebe es deutliche Unterschiede
zwischen dem Berliner Umland und dem Rest des Landes. Die höchsten Bestands- und Neuvertragsmieten gebe es wider Erwarten nicht in Potsdam, sondern beispielsweise in Teltow (Potsdam-Mittelmark) oder Wildau (Dahme-Spreewald). Besonders preiswert wohne man in Frankfurt (Oder).
Wohnungsunternehmen in Brandenburg befürchten nun, dass ihre Investitionskraft durch die schwache Mietpreientwicklung deutlich leidet. Die Bestandsmieten bei den Mitgliedsunternehmen des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) stiegen zuletzt weniger stark als die Inflationsrate. "Das bedeutet einen realen Wertverlust bei den Mieteinnahmen", sagte BBU-Vorstand Maren Kern.
Den BBU-Mitgliedsunternehmen gehört etwa die Hälfte der Mietwohnungen in Brandenburg.






