Touristen im Spreewald (Quelle: dpa)
Brandenburg aktuell | 26.02.2014 | Christoph Hölscher

Brandenburgs Tourismus will sich entwickeln - Besuch aus dem Ausland ausdrücklich erwünscht

Nach Brandenburg kommen vor allem Gäste aus dem Inland. Derzeit. Künftig will das Land mehr Touristen aus dem Ausland anziehen und sieht dabei einiges Wachstumspotenzial. Bereits jetzt wächst der Anteil ausländischer Besucher - vor allem aus Polen.

Die Besucherzahlen in Brandenburg steigen - jetzt will die Tourismusbranche verstärkt im Ausland für das Land werben. "Wir streben rund eine Million Übernachtungen von ausländischen Gästen an", sagte Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) am Mittwoch in Potsdam bei der Präsentation der aktuellen Tourismuszahlen für das Land.

Im vergangenen Jahr habe die Anzahl der Übernachtungen im Land bei 830.000 gelegen. Dies sei ein Plus von 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Erneut kamen die meisten ausländischen Besucher aus Polen. Das ist bereits das zweite Jahr, in dem die Landesnachbarn die Niederländer und Skandinavier in der Statistik überholt haben.

Um das Ziel eines erneuten Zuwachses zu realisieren, müsse die Branche den Erlebnisbereich stärker entwickeln. Touristischer Erfolg sei kein
Selbstläufer, betonte Christoffers: "Die Erwartungen der Gäste sind komplexer geworden. Nur Radfahren oder Wandern allein genügt nicht mehr. Touristen erwarten Erlebnisse."

Stärkere Verbindungen zu polnischen Tourismusunternehmen

Neben der geografischen Nähe führt Minister Christoffers die neue Liebe der östlichen Nachbarn auf wachsende Kontakte zu polnischen Anbietern zurück. "Wir haben eine Reihe von Verträgen mit polnischen Institutionen abgeschlossen", so der Minister. "Man kennt sich mittlerweile gut."

Dieses Potenzial will die Branche weiter ausbauen. Die Tourismus-Marketing Brandenburg (TMB) empfiehlt den Unternehmern zweisprachige Angebote. Immer öfter gebe es Speisekarten in polnischer Sprache - oder die Hotels setzten einen Muttersprachler an die Rezeption, erklärte TMB-Geschäftsführer Dieter Hütte.

Doch auch um die holländischen Gäste will sich die TMB bemühen. "Das ist ein wichtiger Markt, weil die Niederländer Brandenburg und seine Wasserlandschaft mögen", sagte Hütte. Vor allem der Campingurlaub stehe bei den Holländern nach wie vor hoch im Kurs - im vergangenen Jahr habe das Juni-Hochwasser den Gastgebern da allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Thailändische Touristen fotografieren sich in Potsdam vor dem Schloss Sanssouci (Quelle: dpa)
Posieren vor Schloss Sanssouci

Leichter Anstieg im Jahresvergleich

Trotz der Einbußen durch Hochwasser und langem Winter zog Minister Christoffers eine Woche vor Beginn der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin eine positive Bilanz: Mit mehr als 11,5 Millionen Übernachtungen und über 4,2 Millionen Gästen lagen die Zahlen leicht über denen von 2012. Vor allem Tagesreisen kurbelten die Geschäfte von Gastronomie und Hoteliers an.

Auch wenn sich der Anteil der ausländischen Gäste (8,3 Prozent) laut Statischem Landesamt seit 1999 verdoppelt hat - bestimmt wird der Tourismus in Brandenburg von Gästen aus dem Inland. Das entspricht dem bundesweiten Trend: Laut Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ist das beliebteste Reiseziel der Deutschen weiterhin Deutschland.

 

Aus der Fremde kommen nicht so viele

Nach Beobachtungen von Konsumforschern steht die deutsche Reisebranche vor einem Boomjahr. Laut GfK haben Bundesbürger bereits Ende Januar in Reisebüros Urlaube im Wert von 4,4 Milliarden Euro gebucht - acht Prozent mehr als zum Jahresbeginn 2013.

Brandenburg setzt in der anstehenden Saison vor allem auf die Schwerpunkte Wasser und Kultur: Die Kampagne "Wasser entdecken" wirbt für die zahlreichen Flüsse und Seen im Land. Besonderen Zustrom erwartet die Branche zu der ersten brandenburgischen Landesausstellung "Preußen und Sachsen - Szenen einer Nachbarschaft" in Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster).

Am beliebtesten bei den Landestouristen war das Reisegebiet "Seenland Oder-Spree" mit 654.047 Gästen, gefolgt vom Spreewald (546.849 Gäste) und dem Ruppiner Seenland (505.530 Gäste). Den stärksten Zuwachs im Tourismus verzeichnete allerdings das Barnimer Land mit 233.552 Gästen oder einem Besucherplus von 6,2 Prozent. Es folgten das Dahme- Seengebiet mit einem Zuwachs von 6,0 Prozent auf 442.540 Gäste. Insgesamt kamen mehr als 350.000 Brandenburg-Besucher aus dem Ausland. Das waren 1,1 Prozent mehr als im Vorjahr.

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