
Konzern macht Milliardenverlust - Vattenfall will offenbar weitere Stellen streichen
Unterm Strich rund 1,5 Milliarden Euro Verlust machte der schwedische Stromkonzern Vattenfall im Geschäftsjahr 2013. Deutschland-Chef Tuomo Hatakka kündigt deshalb weitere Einschnitte auch in Deutschland an. Gewerkschaftsvertreter gehen jedoch davon aus, dass die rund 6.000 Vattenfall-Jobs in der Brandenburger Lausitz vorerst sicher sind. Von Robin Avram
Vattenfall steckt tief in den roten Zahlen. Zwar steigerte der schwedische Staatskonzern im Geschäftsjahr 2013 seinen Umsatz um rund 2,5 Prozent und komme zudem "gut voran" mit dem Plan, bis Ende 2014 in Deutschland 1.500 Stellen abzubauen. Dennoch musste Vattenfall-Chef Øystein Løseth am Dienstag in Schweden ein schlechtes Ergebnis präsentieren. Unterm Strich 1,532 Milliarden Euro Verlust stehen am Ende des Geschäftsjahrs.
Deshalb schloss Løseth bei der Verkündung der Zahlen einen weiteren Stellenabbau nicht aus. Tuomo Hatakka, Deutschland-Chef von Vattenfall konkretisierte diese Pläne am Montag in einem Interview mit der schwedischen Wirtschaftszeitung "dagens industri".
Im Hinblick auf den Stellenabbau in Deutschland und den Niederlanden sagte er: "Das wird nicht reichen. Es wird mehr Einschnitte geben – sogar im nächsten Jahr". Ob dadurch auch Jobs von Vattenfall-Beschäftigten in Berlin und Brandenburg in Gefahr sind, wolte Vattenfall-Sprecher Stefan Müller auf Anfrage von rbb-online nicht kommentieren.
"Wir vertrauen darauf, dass es keinen weiteren Stellenabbau geben wird"
Ute Liebsch, Bezirksleiterin der Bergbau-Gewerkschaft IG BCE zeigte sich überrascht von der Ankündigung Hatakkas. "Für die Lausitz haben wir die Zusage, dass es über das derzeitige Sparprogramm hinaus keinen weiteren Stellenabbau in den Kraftwerken und in den Tagebauen geben wird. Dem vertrauen wir auch."
Auch das Brandenburger Wirtschaftsministerium wurde von Vattenfall nicht vorgewarnt. Sprecher Steffen Streu sagte: "Über konkrete Pläne von Vattenfall ist uns nichts bekannt. Wir befinden uns aber im ständigen Kontakt mit dem Unternehmen und erwarten, dass wir frühzeitig informiert werden, wenn das Unternehmen in Deutschland Veränderungen plant."
Nach Unternehmens-Angaben arbeiteten Ende 2012 rund 5.500 Vattenfall-Beschäftigte in Berlin und 8.000 in der Lausitz. Ein für das Brandenburger Wirtschaftsministeriums erstelltes Gutachten kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass schon im Jahr 2010 nur 6.090 Menschen in den Brandenburger Kraftwerken von Vattenfall beschäftigt waren.
Vattenfall zählt also die Beschäftigten im sächsischen Teil der Lausitz mit, wie Unternehmenssprecher Müller auf Anfrage bestätigt. Zieht man diese ab, bleiben 11.500 Vattenfall-Jobs in Berlin und Brandenburg - wohlgemerkt vor Verkündung des Sparprogramms, durch dass an den Standorten Hamburg, Berlin und Cottbus bis Ende 2014 insgesamt 1.500 Jobs gestrichen werden sollen. Wieviele Jobs in unserer Region seither schon abgebaut wurden, wollten weder Vattenfall noch IG BCE kommentieren.

Verkauf der Braunkohlesparte vorerst nicht geplant
"2013 war ein hartes Jahr für uns", kommentierte Løseth bei einer Pressekonfernz in der Stockholmer Unternehmens-Zentrale das Minus im abgelaufenen Geschäftsjahr. Es kam wegen milliardenschwerer Wertberichtigungen für Gaskraftwerke in Holland und das Steinkohle-Kraftwerk Moorburg in Hamburg zustande. Grund seien sinkende Großhandelspreise für Strom, erläutert Vattenfall-Pressesprecher Müller.
Ein Verkauf der Braunkohlesparte in der Lausitz sei jedoch gegenwärtig nicht geplant. Es habe entgegen anderslautender Gerüchte keine Sondierungsgespräche mit dem Brandenburger Wirtschaftsministerium gegeben, bekräftigte Müller.
Letztlich ist es jedoch Sache des schwedischen Parlaments, über einen Verkauf zu entscheiden. Wiederholt hatten Politiker, darunter auch der schwedische Finanzmarktminister, einen Verkauf der in Schweden unpopulären Braunkohle-Sparte ins Gespräch gebracht. "Der Eigner schaut sich permanent an, wie sich seine Investitionen entwickeln. Zudem stehen im September Wahlen in Schweden an, das befeuert diese Debatte", kommentierte Müller.
Konzern will sich auf Skandinavien konzentrieren
Wegen der sinkenden Strompreise in Kontinental-Europa hatte Vattenfall zu Jahresbeginn den Konzern in zwei Geschäftseinheiten aufgeteilt. Künftig wolle man sich auf die relativ stabilen Kernmärkte Schweden, Finnland, Dänemark und in Großbritannien konzentrieren, sagte Løseth. "Investitionen in neue fossile Kraftwerke in Deutschland werden wir wegen der momentan unsicheren politischen Rahmenbedingungen dagegen nicht tätigen", fügte Müller hinzu.





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