
EU-Pläne für neue Genmais-Sorte - Brandenburgs Bauern sehen Genmais-Zulassung skeptisch
Eine neue Genmais-Sorte steht in der Europäischen Union vor der Zulassung. Beim Brandenburger Bauernverband sieht man das mit Skepsis. Die rechtlichen Konsequenzen beim Anbau seien unklar. Auch drohe die Abhängigkeit von Großkonzernen, so die Bedenken. Dabei gehörte Brandenburg einst zu den Hauptanbaugebieten von Genmais.
Der Landesbauernverband Brandenburg hat mit Argwohn auf die mögliche Zulassung von Genmais in der EU reagiert. Der Verband rate Landwirten angesichts der unklaren rechtlichen Konsequenzen vom Anbau ab, sagte der Präsident Udo Folgart dem rbb.
Wenn in der Umgebung eines Genmais anbauenden Landwirts Probleme festgestellt würden, müsse nicht nachgewiesen werden, dass der betreffende Bauer tatsächlich der Verursacher für die Beeinflussung der Erntepartie sei, so Folgart.
Der Geschäftsführer des Brandenburger Bauernbundes, Reinhard Jung, kritisierte, die Erfahrungen hätten gezeigt, dass die grüne Gentechnik keinen ackerbaulichen Fortschritt bringe. Da gentechnisch veränderte Pflanzen durch Patente geschützt seien, gerieten die Landwirte zudem in die Abhängigkeit von Großkonzernen.
Uneinigkeit in der EU - Kommission entscheidet nun
Der umstrittene Genmais 1507 steht vor einer Zulassung in der Europäischen Union. Bei einer Abstimmung der EU-Staaten am Dienstag gab es keine ausreichende Mehrheit gegen eine Anbauerlaubnis. Da es auch keine klare Mehrheit für die Zulassung gab, liegt die Entscheidung nun bei der EU-Kommission, die bereits ihre Zustimmung zur Zulassung signalisiert hatte.
Deutschland enthielt sich der Stimme, weil das CSU-geführte Landwirtschaftsministerium gegen und das SPD-geführte Wissenschaftsministerium für die Zulassung war.
Mais 1507 produziert Gift gegen Schädling - Gefahr für andere Tiere?
Der Mais 1507 enthält ein Gen eines Bakteriums, das ihn für die Larven des Schädlings Maiszünsler giftig macht. Außerdem ist die Sorte unempfindlich gegen das Unkrautvernichtungsmittel Glufonisat. Kritische Wissenschaftler warnen, die Sorte könnte auch andere Tierarten wie Schmetterlinge und Motten vergiften. Die EU-Nahrungsmittelbehörde EFSA hat dagegen im Lauf der Jahre sechs positive Gutachten vorgelegt.
In der EU wird derzeit nur der gentechnisch veränderte Mais MON 810 zu kommerziellen Zwecken gepflanzt. Seit 2009 darf der Genmais in Deutschland nicht mehr angebaut werden. Die damalige Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) setzte damals das Verbot der Sorte durch. Zuvor gehörte Brandenburg bundesweit zu den Hauptanbaugebieten von Genmais.




