Wie die BVG mit vollen Bussen kämpft - "Wir haben oft gar keinen Platz für größere Busse"
Die Anfrage eines Berliner Parlamentariers enthüllt, welche BVG-Buslinien besonders oft überlastet sind. Nun wird über Verbesserungen debattiert, viel Hoffnung ruht dabei auf größeren Busmodellen. Doch die BVG winkt ab: Das sei keine Lösung - im Gegenteil. Von Sebastian Schöbel-Matthey
Es ist nicht schön, sitzengelassen zu werden. Weder von einer geliebten Person, noch von einem Berliner Busfahrer. Wobei letzterer Fahrgäste nicht nur sitzen- sondern auch stehenlässt – viele Bushaltestellen in der Hauptstadt haben nämlich keine Bänke. Zu bestimmten Zeiten und in bestimmten Linien geschieht das besonders oft, weil der Bus schlicht zu voll ist. Die Szene ist dann stets die selbe: Fahrgäste quetschen sich wie Sardinen ins Businnere, der Fahrer ermahnt derweil über sein knarziges Mikrofon, man möge doch gefälligst "die gelben Linien an den Türen" nicht übertreten, während draußen die zurückgebliebenen Fahrgäste fluchen: "Kann die BVG nicht einfach größere Busse einsetzen?"
Zu kleine Bushaltestellen
Nein, kann sie nicht, jedenfalls nicht ohne Weiteres, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz im Gespräch mit rbb online. "Wir haben an vielen Haltestellen gar keinen Platz für größere Busse." Schon bei den Gelenkbussen, die von der BVG derzeit verwendet werden, stoße das Unternehmen an Grenzen. Aktuelle Medienberichte über mögliche Anhänger-Lösungen weist Reetz als nicht praktikabel zurück: "Die können wir gar nicht brauchen."
Ebenfalls keine Abhilfe bringen laut Reetz die für rund 50 Millionen Euro bestellten 156 Gelenkbusse der schwedischen Marke Scania. Diese seien ausdrücklich keine Sondermaßnahme zur Entlastung. "Wir hätten sie ohnehin bestellt", sagt Reetz.
Überhaupt sei der Test der Fahrzeuge noch gar nicht angelaufen: Erst im Frühjahr will die BVG mit zwei Vorserienmodellen erste Erfahrungen sammeln und vor allem die Änderungswünsche der Fahrer einholen. Bis zur tatsächlichen Anschaffung vergehen also noch Monate. Und wie viele Busse die BVG am Ende bestellt, ist auch noch unklar. "Die 156 sind lediglich eine Option", so Reetz.
Ein bisschen begeistert ist sie von der möglichen Neuanschaffung allerdings schon: Moderne Technik, fünf Prozent weniger Dieselverbrauch, neuester Umweltstandard und vor allem viel Platz. "Das Multifunktionsabteil für Rollstühle und Kinderwagen ist riesig, und das Fahrzeug ist durchgängig frei von Stufen." Sehr viel mehr will Reetz allerdings noch nicht verraten, schließlich steht der Testbetrieb noch aus. Nur eines steht schon jetzt fest: Zusätzlich würde keiner der neuen Scania-Gelenkbusse fahren, sondern als Ersatz für ein älteres Modell – und natürlich nur dort, wo Platz ist.
Hintergrund für die Berliner Bus-Diskussion ist eine jüngst vom Abgeordnetenhaus veröffentliche Kleine Anfrage des Grünen-Politikers Stefan Gelbhaar. Der wollte wissen, für welche BVG-Linien besonders häufig sogenannte "100-Prozent-Meldungen" verzeichnet werden. Diese stammen von Fahrern, die ihren Bus zu einer bestimmten Zeit in der Zentrale als randvoll melden. Die Antwort der Senatsverwaltung: Vor allem der Flughafenexpress TXL sowie die Linien M29, M41 und 100 sind oft komplett ausgelastet. "Im Vergleich des Jahres 2012 zu 2008 hat sich die Zahl der 100-Prozent-Meldungen fast verdoppelt."

Überfüllung bei Bussen statistisch eher selten
Petra Reets kennt all diese Zahlen auch – und nennt noch eine weitere. "17 Prozent." Das sei die Auslastung aller BVG-Busse in ganz Berlin insgesamt. Die Statistik der 100-Prozent-Meldung bilde nur einen kleinen Ausschnitt ab, so Reetz. Von dauerhafter Überlastung könne also keine Rede sein. Auch nicht beim TXL, M41 und M29: Wie die BVG in der Antwort auf Gelbhaars Anfrage erklärt, machen die 100-Prozent-Meldung bei diesen Linien "durchschnittlich zwei bis vier Prozent der Fahrten pro Tag" aus.
Was den Fahrgästen, die keinen Platz mehr bekommen, allerdings wenig nützt. Senat und BVG sprechen deshalb nun über eine Verbesserung der Taktung mancher Linien. Auch könnten Kapazitäten besser aufgeteilt werden, so Reetz.
Völlig ausschließen könne überfüllte Busse dadurch allerdings auch nicht, gibt die BVG-Sprecherin zu. Zumal man an anderen Stellen Berlins mit dem genau umgekehrten Problem zu kämpfen hat: Zu leere Busse. Dort denke die BVG sogar darüber nach, kleinere Fahrzeuge einzusetzen.




