Ein Flugzeug der Airline Etihad (Quelle: imago)

Bilanz wieder nicht vorgelegt - Zukunft von Air Berlin in der Warteschleife

Air Berlin steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft ist in Europa der wichtigste Partner für die arabische Fluglinie Etihad. Sie füllt Langstreckenflieger von Etihad am Luftdrehkreuz Abu Dhabi. Zum zweiten Mal hat Air Berlin nun seine Bilanzpressekonferenz absagen müssen, weil sein arabischer Finanzier mit der Restrukturierung seines Europanetzes nicht so schnell wie erhofft vorankommt. Von Johannes Frewel

Etihad ist mit knapp 30 Prozent Anteil größter Einzelaktionär und bestimmt maßgeblich den Kurs bei Air Berlin. Es gibt gemeinsame Flüge, doch die Europa-Pläne der staatlichen arabischen Fluggesellschaft gehen darüber hinaus. Längst ist Etihad auch Geschäftsverbindungen mit anderen Airlines eingegangen. Dazu gehören die irische Aer Lingus, die osteuropäische Air Serbia und die Schweizer Regionalfluglinie Darwin. Die Beteiligungen sollen zu einem gemeinsamen europäischen Netz verknüpft werden. Teilen funktioniere bereits beim Codesharing, bei gemeinsamen Linienflügen unter eigener Flugnummer, betonte Air-Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer vor Kurzem. "Inzwischen haben Ethihad Airways und Air Berlin ein weltweites Netz von annähernd 100 Codeshare-Strecken. Zweidrittel der Strecken sind Air Berlin-Routen, vor allem die europäischen Routen und auch die USA-Routen." Ein Drittel der Strecken werden von Ethihad aus Abu Dhabi aus betrieben. Zusammen bieten beide Airlines 228 Ziele in 84 Länder der Welt an.

Ethihad-Chef Hogan auf rasantem Expansionskurs

Das gemeinsame Netz aller Etihad-Partner hätte in Europa doppelt so viele Passagiere wie Air Berlin allein. 70 Millionen Passagiere pro Jahr wären gegenüber dem Hauptkonkurrent Lufthansa mit jährlich gut 100 Millionen Fluggästen eine deutlich stärkere Marktmacht. Seit Dezember ringt Etihad um eine maßgebliche Beteiligung an Alitalia. Doch die Übernahmegespräche kommen offenbar nicht recht voran. Kürzlich standen die Gespräche nach Angaben von Etihad-Chef und Air Berlin-Großaktionär James Hogan noch auf der Kippe. Sein Kurs lautet: raus aus den roten Zahlen. Für ihn ist die Gewinnzone einer Airline das Schlüsselkriterium. Angesprochen auf Alitalia sagte Hogan: "Wir arbeiten daran, aber niemand denkt daran, dass Air Berlin verschwindet. Wenn wir eine Partnerschaft mit Alitalia eingehen, sehen wir weiterhin eine natürliche Partnerschaft für gemeinsame Codeshare-Flüge mit Air Berlin."

Die CEOs von Air Berlin und Etihad Airways, Prock-Schauer (r.) und James Hogan bei einer PK (Quelle: dpa)
Wolfgang Prock-Schauer und James Hogan bei einer gemeinsamen Pressekonferenz

Airline in italienisch-arabischen Turbulenzen

Air Berlin gerät nun mit seiner bereits zweimal verschobenen Bilanz-Pressekonferenz in die arabisch-italienischen Turbulenzen. Solange die Europa-Strategie von Etihad nicht steht, bleibt auch die Zukunft von Air Berlin in der Warteschleife. Die Richtung ist klar. Ein erstes Flugzeug, das die Logos von Air Berlin und Etihad zeigt, gibt es seit Jahresbeginn bereits. In einigen Jahren könnten alle Etihad-Partner die gleichen Flugzeuge mit identischen Ausstattungen bekommen. Etihad beschafft und vermietet. Ersatzteile, Flugbenzin oder Bordmahlzeiten sollen zentral eingekauft werden, um Kosten zu drücken. Der einheitliche Umbau der Kabinen hat bereits begonnen. So verweist Wolfgang Prock-Schauer stolz auf den Ausbau der Business-Klasse mit bequemeren Liegesesseln und auch in der sogenannten Holzklasse sei alles "auf den neuesten Stand gebracht". Und: "Wir bieten auch komplett neues an: W-Lan." In drei Jahren soll die gesamte Flotte mit dem Internet verbunden sein.

Air Berlin hat noch bis Ende April Zeit, seine Bilanz aus dem Vorjahr vorzulegen und zugleich einen Ausblick in die für dieses Jahr geplante wirtschaftliche Entwicklung zu geben.

Beitrag von Johannes Frewel, Inforadio

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