Ladestation Elektroauto © dpa - Bildfunk
Video: Abendschau | 26.03.2014 | Jade-Yasmin Tänzler

Hauptstadtkonferenz zur Elektromobilität - Wowereit sieht bei Elektroautos Industrie in der Pflicht

Erst etwa 1.300 Elektroautos rollen durch den Berliner Stadtverkehr – das ist gerade mal jeder Tausendste PKW. Warum sind das noch so wenige? Darüber diskutierten am Mittwoch über 600 Experten und Unternehmensvertreter auf der Hauptstadtkonferenz Elektromobilität 2014.

Die Entwicklung der E-Mobilität in der Hauptstadtregion kommt laut Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gut voran. Bei der Eröffnung der zweiten Hauptstadtkonferenz Elektromobilität im Roten Rathaus am Mittwoch mahnte Wowereit jedoch Industrie und Hersteller, mehr zu tun.

Die Jahre 2014 und 2015 seien für die Elektromobilität entscheidende Jahre, so der SPD-Politiker. Die ersten Erfolge seien sichtbar, aber die weitere Entwicklung sei "mitnichten ein Selbstläufer". Die Industrie müsse noch deutlich mehr tun, um ihr Produkt in den Markt einzuführen. "Der Preisabstand zu den Fahrzeugen mit konventionellen Antrieben ist noch zu groß."

Noch wenig zu sehen im Schaufenster für E-Mobilität

Die Hauptstadtregion ist seit 2012 Schaufenster für Elektromobilität - eines von vieren in Deutschland. Hier soll ausprobiert und gezeigt werden, was möglich ist und wie der Verkehr der Zukunft aussehen kann. Noch ist im Schaufenster Berlin allerdings wenig zu bewundern, kritisiert der Verkehrsexperte der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Stefan Gelbhaar. "Ich glaube da muss man mit der Lupe suchen, wenn man da in Berlin wirklich was sehen will", so Gelbhaar. "Wenn man in Berlin über E-Mobilität redet, dann redet man über E-Bikes oder die Straßenbahn." Die fuhr allerdings schon immer mit Strom.

Pedelec, ein Elektrofahrrad, Quelle: dpa
Schneller ankommen: Mit dem E-Bike durch Berlin.

Stadtweit 1.600 Strom-Zapfsäulen geplant

Der erste Elektrobus Berlins, der ab 2015  fahren soll, wird wohl kaum zu sehen sein. Für stressige Innenstadtlinien wie den 100er Bus reiche die Technik noch nicht, heißt es. Weil große Batterien für Busse viel zu schwer seien, hält auch Gerhard Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) nicht viel davon. Er fordert insgesamt mehr Ehrlichkeit beim Thema Elektromobilität. "Dass man endlich mal aufhört mit diesem Märchen, dass wir im Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen haben werden."

Genau darauf setzt die Hauptstadt aber. Bis 2016 will Berlin die erste Stadt sein, die über eine lückenlose Versorgung mit Ladestationen für Elektroautos verfügt. Stadtweit sollen 1.600 Strom-Zapfsäulen aufgestellt werden. Damit hätte derzeit jedes Elektroauto seine eigene Ladestation. Lottsiepen vom VCD findet es falsch, dass hierfür vier bis sieben Millionen Euro Steuergelder verpulvert werden. "Warum bezahlen das nicht die Elektroversorger, warum nicht Vattenfall und Co. oder die Autohersteller." Für ihn sei es unverständlich, dass dann wieder nach der öffentlichen Hand, also dem Land Berlin gerufen werde.

In Zehlendorf entsteht die erste Fahrrad-Schnellstraße

Im Mai will Berlin dafür den Zuschlag erteilen – der geht möglicherweise an einen Berliner Anbieter wie Ubricity oder Ebee. Beide haben ein Konzept entworfen, wie jede Straßenlaterne zur Ladestation für Elektroautos umgebaut werden kann. Insgesamt fließen in den nächsten Jahren 90 Millionen Euro als Fördermittel in 30 Kernprojekte. So soll in Zehlendorf die erste Fahrrad-Schnellstraße für E-Bikes gebaut werden.

Das sei für ihn viel wichtiger als mehr Ladestationen sagt Grünen-Verkehrsexperte Gelbhaar, denn die Straße haben einen unmittelbaren Effekt: "Die kann man gleich benutzen, und das macht Spaß." E-Bikes seien schon jetzt bei den Menschen angekommen, anders als Elektroautos.

Doch auch bei den Autoherstellern bewegt sich was. Im Mai kommt auch das Lieblingsauto der Deutschen als Elektroauto auf den Markt. Volkswagen nennt ihn schlicht den E-Golf. Und Anfang April rollt in der BMW-Motorradfabrik in Spandau der erste große E-Roller Evolution vom Band, vorerst aber nur in kleiner Stückzahl.

Mit Informationen von Thomas Weber

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