Das ICC in einer Winternacht (Bild dpa)

Marktanalyse vorgestellt - ICC könnte zu Shopping-Center werden

Wie teuer wird es, wenn das geschlossene Messezentrum ICC weiter genutzt wird? Eine Marktanalyse gibt jetzt darüber Auskunft. Das Ergebnis: Eine Mischnutzung aus Hotel, Kongress und Handel wäre günstig - aber der Senat müsste Investoren trotzdem um 50 Millionen Euro herunterhandeln, um sein Budget zu halten.

Vor rund drei Wochen schlossen sich die Türen des "Raumschiffs" ICC Berlin in Charlottenburg. Die großen Messen finden künftig im modernen City-Cube statt. Wie es dagegen mit dem ICC weitergeht, ist noch völlig offen. Mit der nun vorliegenden Marktanalyse der Berater Drees & Sommer, in Auftrag gegeben von der Wirtschaftsverwaltung, lässt sich jetzt abschätzen, wie teuer Umbau und Sanierung des 35 Jahre alten Gebäudes das Land zu stehen kommen würde.

45.000 Quadratmeter für den Einzelhandel

Am kostengünstigsten wäre es demnach, im ICC mindestens 45.000 Quadratmeter für Einzelhandels-Flächen zu schaffen. Deutlich teurer würde es dagegen, das Gebäude ohne Einzelhandel weiterhin für Tagungen und Kongresse zu nutzen. Am meisten Geld wäre nötig, um im ICC ein Museum oder die Zentral- und Landesbibliothek unterzubringen – auch dieser Vorschlag wurde von Architekten ins Spiel gebracht.

Rolltreppen im ICC mit Neonlichtern und Fallblattanzeiger (Bild Sebastian Schöbel-Matthey)
Ob diese Rolltreppen noch einmal Messebesucher befördern, ist derzeit noch unklar.

Finanzierungslücke von 50 Millionen Euro

Der Haken daran: Auch bei der günstigsten ICC-Variante mit Einzelhandel klafft offenbar eine Finanzierungslücke von rund 50 Millionen Euro zu den 200 Millionen Euro, die das Land bei einem tragfähigen Konzept bereitstellen will. Frank-Ralf Jahnke (SPD) und Heiko Melzer (CDU), die wirtschaftspolitischen Sprecher der Koalitionsparteien, sehen hier allerdings Verhandlungsspielraum mit möglichen Investoren.

Entscheidung in der nächsten Woche

Nach langem Hin und Her hatte sich der Senat im Jahr 2012 zum Erhalt des Gebäudes bekannt, die Kosten für die Sanierung waren aber bislang unklar. Mal wurden sie mit 200, mal mit 400 Millionen Euro angegeben. Die nun vorliegende Marktanalyse wird die Grundlage für die weiteren politischen Diskussionen sein.

Der Senat und das Abgeordnetenhaus müssen in den nächsten Wochen darüber entscheiden, ob das ICC über den Liegenschaftsfonds des Landes zum Verkauf angeboten wird. Die Berliner Morgenpost berichtet, dass zehn deutsche und internationale Projektentwickler grundsätzlich bereit seien, sich über das ICC-Projekt Gedanken zu machen.

Mit Informationen von Kirsten Buchmann.

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