
Nach Korruptionsskandal und Rücktritt - IHK Potsdam will Schadenersatz von Ex-Präsident Stimming
Die IHK Potsdam war für einige offenbar ein Selbstbedienungsladen: Nach Berichten über Vetternwirtschaft und Privilegien war ihr Chef Stimming im November vergangenen Jahres zurückgetreten. Jetzt haben Wirtschaftsprüfer das ganze Ausmaß des Skandals aufgedeckt, und die IHK prüft gegen ihren Ex-Präsidenten Schadenersatz.
Nach den Untreue-Vorwürfen gegen ihren Ex-Präsidenten Victor Stimming prüft die Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam Schadenersatz. Sollten Forderungen erhoben werden, würden sie auch durchgesetzt, sagte der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer, Christian Gerstädt, am Mittwochabend nach der Vollversammlung. Vorgestellt wurde dabei der Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG.
Die genaue Höhe des Schadens wollte Gerstädt nicht nennen. Hintergrund sei ein Schreiben, wonach Stimming sich anwaltlich gegen Veröffentlichungen wehrt. Stimming war im November vergangenen Jahres zurückgetreten. Hauptgeschäftsführer René Kohl gab sein Amt im Januar auf. Der neue Präsident soll am 21. Mai, der neue Hauptgeschäftsführer am 3. Juli gewählt werden.
Ungereimtheiten bei Kreditkartenabrechnungen
"Wir sind fassungslos. Viele IHK-Mitglieder fühlen sich hintergangen", sagte Vizepräsidentin Beate Fernengel zu den Vorwürfen der Untreue. Es werde nun die Satzung geändert und ein internes Kontrollsystem geschaffen, damit sich solche ein Fall nicht wiederholen könne. "Langjährige personelle Strukturen führten dazu, dass Prozesse nicht so liefen, wie sie sollten", sagte Gerstädt.
Der Bericht der Wirtschaftsprüfer listet zahlreiche Punkte auf, die weiter aufgeklärt werden müssen. So arbeiteten Stimmings Sekretärinnen nicht ausschließlich für die IHK. Es geht auch um Ungereimheiten bei Kreditkartenabrechnungen oder bei der Nutzung des Dienstwagens. Auch der Sinn einer dreitägigen Präsidiumssitzung 2004 auf Malta erscheint nicht plausibel. Bei einer Prüfung der Tresore wurden auch Projektverträge in unterschiedlichen Ausführungen entdeckt.
Ursprünglich hatte eine "Klartext"-Sendung die Vorwürfe gegenüber Stimming ins Rollen gebracht. Das Politmagazin hatte im Oktober 2013 berichtet, dass sich Victor Stimming Privilegien gönnte, die nicht mit der Funktion eines ehrenamtlichen Präsidenten zu vereinbaren sind.

