
Luftverkehr - Air Berlin hat die schwersten Turbulenzen überwunden
Einst galt Air Berlin als Börsenliebling. Doch über Jahre kam der Lufthansa-Konkurrent nicht mehr aus den roten Zahlen. Erst ein striktes Sparprogramm und ein zahlungskräftiger Partner, die arabische Fluggesellschaft Etihad Airways, haben die Airline wieder auf Kurs gebracht. Nun will die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft wieder angreifen. Von Johannes Frewel
Noch sind die seit 2008 anhaltenden roten Zahlen wohl nicht Geschichte, doch Air Berlin befinde sich auf dem Weg der Besserung, betonte Airline-Chef Wolfgang Prock-Schauer am Dienstag: "Etihad ist ein stabiler Aktionär für uns, aber auch unser wichtigster Kooperationspartner. Für beide Gesellschaften erbringt diese Kooperation eine Win-Win-Situation."
Bequemere Sitze und Internet an Bord
Die Fluggesellschaft will sich künftig deutlicher vom Image seiner Billigmitbewerber absetzen. Die ewige Nummer zwei wildert dabei im Revier der Komfortkonkurrenz Lufthansa. Als eine der Neuerungen stellte Prock-Schauer "Wi-Fi on board" vor. Ab Mitte 2014 werde Air Berlin auf den Mittel- und Langstreckenflugzeugen eine Internetverbindung anbieten. Auch die Business-Class brauche keinen Vergleich zu scheuen, sagte der Airline-Chef. Mit der Einzelbestuhlung habe jeder Business-Fluggast "einen direkten Zugang zum Gang" - das sei auf Langstreckenflügen "ein großer Vorteil".
Air Berlin hofft, dass auch seine Streckenoffensive am Mittelmeer zu einem Wettbewerbsvorteil wird. Die Hoffnung auf eine Erholung des Euro-Krisenlandes Griechenland begleitet Air Berlin mit deutlich mehr Flügen aus der sogenannten DACH-Region Deutschland, Österreich und der Schweiz. Urlaub und Tourismus, darauf werde sich Air Berlin auch künftig konzentrieren, sagte Prock-Schauer.
"Jede griechische Insel, die einen Flughafen hat, wird von uns angeflogen"
Spanien, Italien und die Türkei seien starke Märkte für Air Berlin, insbesondere aber auch Griechenland, hob der Vorstandsvorsitzende hervor: "Griechenland ist wieder stark im Kommen, das freut uns alle sehr." Das dortige Preis-Leistungsverhältnis sei sehr gut, so dass Air Berlin das Angebot weiter ausbauen werde. "Vereinfacht gesagt: Jede griechische Insel, die einen Flughafen hat, wird von uns angeflogen."
Doch dass es Air Berlin wieder besser geht, hat seinen Preis. Rund 15 Jahre lang war das Service Center der Fluggesellschaft eine Konzerntochter mit rund 300 Mitarbeitern. Nach dem Start des Sparkurses Turbine 13 vor einem Jahr schrumpfte das Personal bei gleichem Arbeitsvolumen nach Darstellung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi auf um die 190.

Sparprogramm kostete Arbeitsplätze
Anfang Januar hat das Air-Berlin-Service-Center seinen Eigentümer gewechselt. Der Käufer will es nun zum Jahresende schließen. Die Mitarbeiter können dann zu sehr viel schlechteren Konditionen in anderen Call Centern des Erwerbers arbeiten, lautet das Angebot, das Betriebsrat und Verdi-Tarifkommissionsmitglied Stefan Köchling freilich ablehnt: "Zum Beispiel geht ja auch die ganze Betriebszugehörigkeit flöten. Es gibt andere Bedingungen beim Urlaub, und insgesamt andere Arbeitsbedingungen."
Das Sanierungsprogramm "Turbine 13" habe zwar seine Ziele erreicht, weil man nun weniger Mitarbeiter im Konzern habe, doch er glaube nicht, dass das langfristig für Air Berlin gut ist, sagte Köchling. Die Erfahrungen anderer Unternehmen mit ausgegliederten Billig-Service-Hotlines sind in der Regel durchwachsen.




