
Nach Widerstand gegen "Uckermarkleitung" - Werben für den Netzausbau in Brandenburg
Der Ausbau der deutschen Stromnetze ist das Fundament für die Energiewende. Doch vielerorts gibt es gegen die neuen Stromtrassen Widerstand. Zum Beispiel in der Uckermark, wo Bürger gegen eine geplante Leitung Sturm liefen. Der Betreiber will nun für eine weitere Stromtrasse früher informieren.
Muss die Stromtrasse so nah an unseren Häusern entlanggeführt werden? Gibt es keine alternative Route? Diesen Fragen müssen sich die Planer und Ingenieure des Unternehmens 50Hertz in diesen Tagen häufig stellen: Ob bei Ortsbegehungen in Neuenhagen nördlich Berlins oder in Prenzlau und Pasewalk. Dort wollen die Einwohner genaue Informationen über das Projekt erhalten.
"Wir haben natürlich auch festgestellt, dass Vertrauen in solche Projekte nur dann wachsen kann, wenn man sehr frühzeitig transparent informiert", erklärt Dirk Manthey vom Netzbetreiber 50Hertz.
Bei einigen Netz-Projekten, wie zum Beispiel der "Uckermarkleitung", führten Proteste von Gemeinden und Naturschützern zu immensen Verzögerungen.
Das soll nun besser werden: Über die geplante Freileitung von Bertikow nach Pasewalk wollte 50Hertz am Dienstagabend Anwohner und Interessenverbände informieren - lange vor dem eigentlichen Genehmigungsverfahren. "Weil wir auch gelernt haben, dass Variationen in der Planung, je früher sie vorgebracht werden, desto besser umgesetzt werden können", so Manthey. Mit einer Präsentation und Diskussion werden am Dienstag erste Fragen beackert.
Von Bertikow bei Prenzlau bis Pasewalk in Mecklenburg-Vorpommern sollen in Zukunft 380 KV statt 220 fließen. Bisher geht eine Leitung aus den 1950er Jahren allerdings mitten durch das Dorf Dreesch, so Planerin Teréz Jánossy: "Insofern haben wir hier drei Trassenvorschläge. Einmal eine östliche, dann eine westliche Umfahrung von Dreesch, beziehungsweise schlagen wir auch vor, die derzeitige Bestandsituation aufrecht zu erhalten und in der bestehenden Achse die neue Leitung zu errichten." Sprich: Weiter durch Dreesch hindurch.

Diese Variante mitten durchs Dorf ist zwar die einfachste, aber nicht zeitgemäß, sagt Hartmut Lindner von einer örtlichen Bürgerinitiative . Er kritisiert, "dass es bis heute keine klaren verbindlichen Regelungen für Mindestabstände gibt. Die neue Leitung ist wesentlich höher und deutlich sichtbarer. Sie überragt alle Kirchtürme in der Region. Es sind große Masten."
Mit über 50 Metern sind die eisernen Kabelträger etwa doppelt so hoch und auch breiter als bisher. Lindner fordert an Ortschaften Erdverkabelung. Dass er damit auf offene Ohren stößt, ist unwahrscheinlich. Doch immerhin: Die Ergebnisse der Diskussionen sollen in den Planungsantrag einfließen.
Umstrittene Uckermarkleitung
Die Stomtrasse von Bertikow nach Pasewalk soll sich künftig an die sogenannte "Uckermarkleitung" anschließen. Genau wegen der hatte es in der Vergangenheit heftige Proteste gegeben.
Die Leitung soll nicht nur Berlin mit der Uckermark verbinden, sondern auch die Brücke schlagen zu den Stromnetzen in Polen und Skandinavien. Über die Uckermarkleitung soll dann in Deutschland erzeugter Windstrom exportiert und - wenn hier bei uns die Windräder still stehen - skandinavischer Strom aus Wasserkraftwerken importiert werden. So jedenfalls die Idee.
Für deutsche Stromkunden sei das ein gutes Geschäft, behaupten die Verantwortlichen bei Unternehmen 50Hertz. Es komme ohne einen Förder-Euro aus und finanziere sich ausschließlich aus dem Handel mit Strom. Doch ganz so stimmt das nicht. Denn in jeder Kilowattstunde Ökostrom, die ins Ausland geliefert wird, steckt Geld des deutscher Steuerzahlers, das er tagtäglich über die Ökostromumlage entrichten muss.
Mit Informationen von André Tonn und Katja Geulen





