Kurklinik in Bad Freienwalde (Quelle: imago)

Bad Freienwalde kämpft um seinen Heilbad-Status - "Für die Stadt wäre das eine Katastrophe"

Einfallslose Gastronomie, zu wenig Hotelbetten und eine hässliche Brücke, auf der der Durchgangsverkehr durch die Stadt dröhnt: Kein Ort für Kurgäste, fand der Landesfachbeirat für Kurorte. Die Stadt hat jetzt einiges angeschoben, um den Status als Heilbad zu behalten. Nur die Sache mit der Brücke ist weiter ungelöst.

Am Montag lief die Frist aus, bis zu der die Stadt Bad Freienwalde ihre Kooperationsbereitschaft unter Beweis stellen musste. Diese Frist hatte der Landesfachbeirat für Kur- und Erholungsorte im vergangenen Oktober gesetzt – sonst droht dem ältesten Kurort in Brandenburg die Aberkennung des Status als Heilbad.

Nach der Mängelliste des Beirats ist das gastronomische Angebot in Bad Freienwalde einfallslos und fehlen Hotelbetten: Nach der Insolvenz zweier großer Hotels gibt es in der Kurstadt nur noch 16 Schlafplätze für Gäste. Das ist zu wenig. Außerdem fehlen Bad Freienwalde ein Marketingkonzept und ein Lärmschutzplan.

Ganz besonders ist dem Beirat aber die Betonbrücke aus den 70er Jahren ein Dorn um Auge, die sich quer durch die Innenstadt zieht. Auf ihr rollt der  Durchgangsverkehr der B 158 durch Bad Freienwalde und sorgt für reichlich Abgase und Lärm. Zu viel für eine Kurstadt, findet der Beirat, und empfiehlt eine Verkehrsverlegung. 

Brücke der Schiffmühlerstraße (B 158) in Bad Freienwalde (Quelle: imago)
Der Stein des Anstoßes: Betonbrücke quer durch Freienwalde.

Brückenstreit spaltet die Stadt

Genau da beißt er in Bad Freienwalde aber auf Granit. Die Stadtverordnetenversammlung beschloss im Januar, die Brücke zu sanieren und so lange stehen zu lassen, bis der Bund eine Ortsumgehung hergestellt hat. Das kann dauern.

Bürgermeister Lehmann ist nicht begeistert, nimmt aber seine Abgeordneten in Schutz: "Jeder hat so seine Beweggründe. Die einen sagen. Die Verkehrsleitung funktioniert, die anderen sagen: es ist ein städtebaulicher Missstand", erklärt er dem rbb. Lehmann wollte eigentlich die Brücke zurückbauen, stieß damit aber nicht auf Gegenliebe: "Wir konnten mit unseren Argumenten nicht durchdringen. Jetzt gibt es die Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung – ob es uns gefällt oder nicht, wir müssen sie respektieren."

Gewerbetreibende in Sorge

Tourismus-Chef Jens Lüdecke fällt das schwer: "Ich bin etwas traurig, dass die Mehrzahl der Stadtverordneten es nicht erkannt hat, dass der Abriss der Brücke eine Zukunftschance für die Stadt Bad Freienwalde ist."

Gewerbetreibende machen sich jetzt Sorgen. Unausdenkbar was passierte, sollte der Status als Heilbad aberkannt werden, meint Buchhändler Schröder: "Für das Image der Stadt wäre es natürlich eine Katastrophe." "Es hängen Arbeitsplätze dran. Und ob wir uns das in dieser Region hier leisten können, ist fraglich", erklärt Augenoptiker Ralf Dahlke.

Bürgermeister: Wir haben einiges unternommen

Imerhin: Der Beirat hat lobend erwähnt, dass der historische Altstadtkern mittlerweile zu 80 Prozent saniert ist. Darauf verweist Bürgermeister Lehmann mit Stolz. Außerdem habe die Stadt einiges unternommen, um die Mängelliste abzuarbeiten: "Wir haben im Februar die Aufträge für das Marketingkonzept und den Lärmaktionsplan erteilt. Am Rande der Stadt, hat der Träger eines ehemaligen Lehrlingswohnheims einen schrittweisen Umbau begonnen für Radfahrer, Gesundheitsurlauber, Aktivurlauber. Wir erwarten, dass das geschlossene Hotel zum Löwen wieder aufgemacht wird, und wir haben einen Eigentürmer zweier Immobilien im Kurgebiet, der mit mehrere, Appartements und Zimmern insgesamt 59 Betten schaffen will."

Patientin im Moorbad in Bad Freienwalde (Quelle: imago)
Berühmt für seine heilende Wirkung: Moorbad in Bad Freuenwalde

Lange Geschichte als Kurort

Die Geschichte Bad Freienwaldes als Kurort reicht weit zurück: 1683 wurde eine Heilquelle entdeckt, und schon ein Jahr später suchte der Große Kurfürst hier Linderung für seine Gichtbeschwerden – weshalb die Quelle auf den Namen "Kurfürstenquelle" getauft wurde. In der Folgezeit entstanden auf Betreiben der preußischen Könige ein Gesundbrunnen,  Kur- und Badehäuser. Seit 1840 ist das in der Nähe gewonnene Naturmoor wichtigstes Therapiemittel. In der DDR wurden hier vor allem Kohlenkumpels behandelt.

Architektur und Gartengestaltung stammen von namhaften Bauherren: Der Kurpark wurde von Peter Josef Lenné angelegt, Carl Gotthard Langhans, von dem das Brandenburger Tor in Berlin stammt, erbaute das heutige Kurmittelhaus. Im Dezember 2003 wurde Bad Freienwalde  offiziell Moorheilbad. Die Fachklinik ist auf Orthopädie und Rheumatologie spezialisiert und ist zweitgrößter Arbeitgeber der Stadt.

Das alles scheint jetzt in Gefahr zu sein - vor allem wegen der Brücke.  Am Freitag hat Bürgermeister Lehmann seinen Brief an den Beirat geschickt: Jetzt heißt es abwarten, was der entscheidet.

Mit Informationen von Oliver Meurers

Mehr zum Thema