erlin soll Referenzstadt der Elektromobilität werden. Eines der drei Elektroautos, die von Wirtschaftsstaatssekretär Guido Beermann übergeben wurden (Quele: rbb)

Hauptstadt als Praxislabor - Berlin plant elektromobil

Im Sprücheklopfen war Berlin immer schon gut. "Berlin elektrisiert" – so heißt der Titel für das Aktionsprogramm Elektromobilität 2020 für Berlin und Brandenburg. Nächste Woche ist Berlin Gastgeber der Hauptstadtkonferenz Elektromobilität 2014. Doch im Alltag sieht es mit der Mobilität aus der Steckdose in der Hauptstadt noch mau aus. Von Thomas Weber

Drei schneeweiße Elektroautos stehen vor dem Energieeffizienzhaus in der Fasanenstraße in Charlottenburg. "Ich bin ein Elektrokurier" - steht da groß in grüner Schrift, die in einem Stecker endet. Die drei Autos werden künftig für einen Kurierdienst im Test-Einsatz sein. Berlin will hier Vorreiter sein lobt Wirtschaftstaatssekretär Guido Beermann bei der Übergabe der Autos. Er nennt die Hauptstadt das "Praxislabor" für die Elektromobilität. Ein Labor, das in die Zukunft denkt: "Wir haben hier die optimalen Voraussetzungen im Umfeld, um hier innovative Konzepte weiter zu entwickeln".

Berlin soll Referenzstadt der Elektromobilität werden. Elektromotor eines der drei Elektroautos, die von Wirtschaftsstaatssekretär Guido Beermann übergeben wurden (Quele: rbb)
Blick auf den Elektro-Kofferraum

Berlin als Testmarkt?

Doch wie viel hat sich in den letzten Jahren wirklich entwickelt?

Im Stadtbild haben Elektroautos immer noch Seltenheitswert. Gerade mal 1.300 Fahrzeuge dieser Art rollen nach Angaben von Beermann inzwischen mit Strom auf Berlins Straßen. Und die private Nachfrage lahmt. 80 Prozent aller Elektroautos gehören Unternehmensflotten. Vorwiegend Autoverleiher setzen bislang beim Carsharing auf die umweltfreundliche Variante.

Deutschlands Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht inzwischen schon schwarz für Elektroautos in Deutschland und fordert politische Unterstützung, wenn das Land europaweit nicht den Anschluss verlieren will. Staatssekretär Beermann teilt diese Befürchtung nicht. Er spricht von einer Phase, in der sich der Markt noch finden müsse. Auch die Gesellschaft sei noch nicht richtig mit im Boot. "Aber man sieht, auf dem Markt ist massiv Bewegung. Ständig kommen neue Autos von neuen Herstellern auf den Markt." 

Ziel: internationales Vorbild

Nächsten Monat wird in der Motorrad-Fabrik in Spandau der erste von BMW hergestellte Elektroroller vom Band laufen. Und im Mai will der Senat einem Bewerber den Zuschlag für den Ausbau von Elektroladestationen in der Stadt erteilen. Bis 2015 soll sich die Zahl der jetzt 400 Ladestationen stadtweit auf 1.600 vervierfachen, sagt der Leiter der Berliner Agentur für Elektromobilität Gernot Lobenberg. Dass Fahrer von Elektroautos wie in anderen Städten von Parkgebühren befreit werden, das werde es in Berlin vorerst nicht geben. Auch die BVG tastet sich nur langsam an das Thema Elektromobilität heran. Die erste elektrisch betriebene Buslinie wird nicht eine besonders publikumswirksame werden wie der 100er Bus, sondern eher eine Linie am Stadtrand.

Wenn am kommenden Mittwoch 500 Fachleute bei der Hauptstadtkonferenz zur Elektromobilität diskutieren ist eins klar – der Weg vom Labor-Experiment zum internationalen Vorbild ist weit.

Beitrag von Thomas Weber, Redaktion Landespolitik Berlin

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