Ein Gelände, größer als ganz Schwedt: Die PCK-Raffinerie ist bis heute der wichtigste Arbeitgeber der Stadt, etwa 1.400 Menschen arbeiten hier. Sie produzieren hauptsächlich Otto- und Dieselkraftstoffe, daneben liefert die Raffinerie Flüssiggase und Heizöle.
1958 beschloss die DDR-Führung den Bau eines Erdölwerks und wählte Schwedt als Standort. 1964 wurde das "Erdölverarbeitungswerk Schwedt" in Betrieb genommen. Es wurde zum wichtigsten Kraftstoff-Lieferanten der DDR - und belieferte auch West-Berlin.
Nach dem Start der Raffinerie wuchs die Stadt Schwedt rasant: Zwischen 1964 und 1981 stieg die Bevölkerungszahl von 19.000 auf mehr als 52.000 Einwohner an.
Nach der Wende wurde das Petrolchemische Kombinat (PCK) von der Treuhand privatisiert - seitdem schrumpft Schwedt. Heute leben hier etwa 30.000 Menschen.
Die Druschba-Pipeline ("Freundschaft") ist noch heute die wohl wichtigste Hauptschlagader Schwedts. Sie verbindet Westsibirien mit der Uckermark, ein Zehntel des gesamten deutschen Ölbedarfs wird durch die Leitung gepumpt. Pro Sekunde entspricht das etwa einer Badewanne voll Öl.
Die Druschba-Pipeline führt von Westsibirien nach Weissrussland, nach Lettland und Estland, nach Kroatien und Tschechien. Die Nord-Leitung endet nach mehr als 5.300 Kilometern in Schwedt. Drei Wochen lang braucht das Öl für seinen Weg dorthin.
Hauptgesellschafter der Raffinerie sind die Ruhroel GmbH und Shell Deutschland mit je 37,5 Prozent. Der russische Energiekonzern Rosneft hält umgerechnet knapp 20 Prozent der Anteile - und gehört überwiegend dem russischen Staat. Rosneft-Chef Igor Setschin ist ein enger Vertrauter Wladimir Putins.
Würde Russland den Ölhahn zudrehen, hätten Berliner Autofahrer bald ein Problem: Etwa 95 Prozent des in der Hauptstadt verkauften Kraftstoffs stammen aus der Schwedter Raffinerie. Deren Ölreserven reichen Angaben des Unternehmens zufolge für 90 Tage.
Falls Russland weniger Öl über die Druschba-Pipeline liefern sollte, könnte die Raffinerie teilweise auf ihre zweite Pipeline ausweichen: Sie verbindet Schwedt mit dem Rostocker Hafen, der von Erdöltankern angefahren wird.
2013 wurden in Schwedt zwölf Millionen Tonnen Rohöl verarbeitet.
Damit ist die PCK-Raffinerie eine der größten Deutschlands. Spitzenreiter ist die Rheinland-Raffinerie in Köln, sie verarbeitet mehr als 16 Millionen Tonnen. Weitere Bildergalerien | Zum Artikel