
Preis für Osterlämmer gefallen - Brandenburgs Schäfer kämpfen um ihren Fortbestand
Den Schäfern in Brandenburg geht es schlecht - da hilft auch das Geschäft mit den Osterlämmern nicht. Denn die Konkurrenz durch Billigimporte und gestiegene Kosten belasten die hiesigen Schafzüchter. Dazu kommen Nachwuchssorgen und eine Kürzung der Fördermittel. Die Folge: Die Zahl der Schafe in der Mark geht zurück - ein ganzer Berufsstand ist in Gefahr.
Brandenburgs Schäfer fürchten um ihren Berufsstand. Fallende Fleischpreise, weniger Fördermittel, gestiegene Kosten und zu wenig beruflicher Nachwuchs machen den Schafhaltern zu schaffen.
Vom anstehenden Ostergeschäft haben sie nicht viel, der Preis für Lammfleisch ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken. Aktuell erhielten Schäfer 4,66 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht, sagte Tim Koch von der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft (AMI) der Nachrichtenagentur dpa. Im Vorjahr waren es zur gleichen Zeit 4,98 Euro. Koch erwartet zwar, dass der Preis vor den Feiertagen noch etwas anzieht. Der Verbrauch geht aber seit Jahren leicht zurück.

Höhere Kosten - weniger Tiere
In der Mark liege die Nachfrage nach Osterlämmern bislang unter dem Durchschnitt, sagte der Vorsitzende des Schafzuchtverbandes Berlin-Brandenburg, Schäfermeister Knut Kucznik. Für ihn ist der Fleischpreis gar nicht so relevant: "Unsere Kosten sind in der letzten Zeit explodiert. Das können wir gar nicht auf den Verbraucher umlegen. Der kauft dann eben billigeres Fleisch aus Neuseeland." Als Beispiel nannte Kucznik den Beitrag für die Berufsgenossenschaft, der von 900 auf 6200 Euro gestiegen sei.
Im Vergleich zum Vorjahr sei der Bestand an Schafen in der Mark um knapp 10 Prozent zurückgegangen. Aktuell gebe es rund 72.000 Schafe, davon 54.000 Muttertiere. Im Jahr 2000 lag die Zahl der Schafe in Brandenburg noch bei knapp 170.000.

"Sonst gibt es uns in zwei bis drei Jahren nicht mehr"
Momentan gibt es nach Kuczniks Angaben rund 4000 Halter von Schafen im Land, der Großteil halte unter 150 Tiere.
Etwa 60 Prozent der Einnahmen kämen aus Fördermitteln für die Landschaftspflege. Das Land habe eine Kürzung um 15 Prozent angekündigt. Kucznik glaubt dagegen, dass diese Subventionen stark steigen müssten. "Sonst gibt es uns in zwei bis drei Jahren nicht mehr. Wer noch mal einen Schäfer besuchen will, der sollte es rasch tun."
4000 Schäfer und nur ein Lehrling
Die Schäfer verweisen auf den Beitrag, den sie mit ihren Herden zur Erhaltung der Kulturlandschaft leisten. Bei einem ersten Runden Tisch zur Schafhaltung in Brandenburg vor knapp drei Wochen in Seelow hatten sie die Politik aufgefordert, mit einem Maßnahmenpaket gegen den "drastischen Rückgang" der Schafbestände im Land vorzugehen.
So solle etwa die Mutterschafprämie wieder eingeführt werden. Alle Deiche in Brandenburg sollten prinzipell für die Beweidung mit Schafen zur Verfügung stehen. Pflegeverträge sollten eine Mindestlaufzeit von fünf Jahren haben, um Planungssicherheit zu schaffen. Zudem streben die Schäfer einge gezielte Förderung des Berufsnachwuchses an. Der Altersdurchschnitt der Schafhalter liegt derzeit bei knapp 60 Jahren. Im ganzen Land gibt es laut Schafzüchterverband aber nur einen Lehrling.
Der Verband plant Anfang April eine Demonstration, wenn sich die Agrarminister aller Bundesländer in Cottbus treffen.


