
Brandenburger Unternehmen fürchten Einbrüche - Krim-Krise könnte die heimische Wirtschaft treffen
Die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine wegen der Halbinsel Krim nehmen zu. Mittlerweile ist auch die Rede von Sanktionen der EU gegen Russland. Für viele brandenburgische Unternehmen wäre das fatal, denn sie haben Wirtschaftsbeziehungen zu Russland und in die Ukraine. Die Sorge wächst - ein Stimmungsbild aus dem Osten Brandenburgs. Von Gudrun Rutenberg
Tom Heyner betreibt im Gewerbegebiet Storkow eine Firma für Autozubehör - ein Familienunternehmen mit 30 Mitarbeitern. Wagenheber, Radmutterschlüssel, Kindersitze liefert er in 70 Länder. Seit 20 Jahren ist er auf dem russischen Markt vertreten. "Russland und die Ukraine machen ungefähr 50 Prozent unserer Handelsbeziehungen aus. Umso mehr trifft es uns natürlich jetzt, wo die Situation in Russland schwieriger wird“, sagt Heyner.
Verkaufsleiterin Olga Gräser, selbst Ukrainerin, machen der fehlende Absatz und der Verfall von Rubel und dem ukrainischen Griwny Sorgen. In diesem Jahr habe es noch keine Bestellung aus der Ukraine gegeben: "Im Vergleich zu 2013 sind wir bei minus 100 Prozent.“ Allerdings hat sie Verständnis, dass ihre Landsleute jetzt erstmal Brot und Butter kaufen statt Scheibenwischer. Mit einer Rabattaktion im März kann sie das entstehende Defizit langfristig aber nicht ausgleichen.
Investitionen erstmal verschoben
Firmenchef Tom Heyner hat Investitionen in Russland auf Eis gelegt. Trotzdem hofft der Mittelstandsunternehmer auf ein baldiges Ende des russisch-ukrainischen Konflikts. Deutschland sei krisenerfahren, sagt er - und bleibt optimistisch:
"Wir hatten 1997 schon eine schwere Krise in Russland, wir haben 2008 und 2009 die Krise gehabt und uns wieder aufgerappelt, wir sind sicher, dass wir uns auch dieses Mal da rausarbeiten können."

"Die Bürger müssen sich keine Sorgen machen"
Trifft die Krise zwischen Russland und der Ukraine die kleinen Firmen in Brandenburg zuerst, so könnte sie bald auch große Unternehmen wie die PCK Raffinerie in Schwedt erreichen.
Die Schwedter Raffinerie verarbeitet zu 80 Prozent das Rohöl aus der russischen Erdölleitung "Druschba", was soviel wie Freundschaft heißt. In diesen Tagen aber herrscht Krisenstimmung zwischen beiden Ländern.
Vica Fajnor, PCK-Sprecherin, erklärt, die Rohölpreise auf dem Weltmarkt seien bereits etwas gestiegen. Folglich könnten die Benzinpreise steigen. Engpässe bei Heizöl oder Gas befürchtet Fajnör aber nicht: "Selbst wenn sich da etwas verändern sollte, müssen sich die Bürger hier trotzdem keine Sorgen machen: Es gibt ja auch genügend Reserven in Deutschland." Außerdem geht die Heizperiode bald zu Ende.



