Eckhard Wilberg, Geschäftsführer von Unitechnik Automatisierungsgesellschaft mbH in Eisenhüttenstadt (Quelle: Unitechnik)

Antenne Brandenburg | 05.03.2014 - "Wir wissen noch nicht, wie es weitergeht"

Eckhard Wilberg ist Geschäftsführer der Unitechnik Automatisierungs GmbH in Eisenhüttenstadt. Die Firma beschäftigt nach eigenen Angaben derzeit rund 100 Mitarbeiter, davon 50 Ingenieure. Das Unternehmen hat Geschäftsbeziehungen in die Ukraine und nach Russland.

Ihr Unternehmen hat auch Geschäftsbeziehungen mit der Ukraine und Russland. Welche Auswirkungen hat die derzeitige politische Lage auf Ihre Projekte vor Ort?

"Wir haben zurzeit ein laufendes Projekt in der Ukraine und zwar in Dniprodzerzhynsk, ungefähr 300 Kilometer südlich von Kiew. Wir haben den Auftrag, dort gemeinsam mit einem großen deutschen Maschinenbaupartner eine Roheisenentschwefelung zu installieren. Wir haben Schaltschränke gebaut und geliefert, Pulte dazu für die Anlage. Die Ausrüstung in der Ukraine im Zoll gelandet, und dort wird jetzt nicht ausgeliefert.

Die Termine für die Montage und die Inbetriebnahme sind wegen der Krise, die jetzt in der Ukraine besteht, erstmal aufgekündigt worden. Wir wissen nicht, wann wir die Montage und die ganze Verkabelung ausführen können. Unsere Ingenieure, die ab April vor Ort sein sollten, um die Anlage in Betrieb zu nehmen, haben wir zu anderen Projekten umdisponieren müssen. Das führt natürlich zu weiteren Schwierigkeiten."

Was heißt das für Ihren Betrieb? Können Sie die Ingenieure und Mitarbeiter anderweitig einsetzen?

"Wir haben andere Aufträge in Deutschland, für die diese Ingenieure dann tätig sind. In der Ukraine sind zurzeit sämtliche Termine aufgekündigt. Es könnte dann später natürlich zu terminlichen  Überschneidungen kommen, und der schlimmste Fall wäre, wenn wir neue Ingenieure für das ukrainische Projekt einbeziehen müssen. Die müssten sich erst einmal in das entsprechende Projekt einarbeiten. Diese zusätzliche Mehraufwendung bezahlt uns natürlich keiner."

Sie haben auch Geschäftsbeziehungen mit Russland. Sollte es jetzt Wirtschaftssanktionen geben – würde das Ihr Geschäft berühren? Und Nachfolgeprojekte erschweren?

"Auf Grund der wirtschaftlichen Situation in der Ukraine und natürlich auch in Russland werden jetzt einige Projekte verschoben werden. Wir haben uns einen ganz guten Namen bei einigen metallurgischen Zentren in der Ukraine und Russland gemacht, aber dort werden dann weitere Investitionen erstmal gestoppt. Wir wissen noch nicht, wie es weitergeht – wir müssen wohl auch mit Zahlungsschwierigkeiten dieser Firmen rechnen. Wir haben ja unsere Schaltschränke schon ausgeliefert. Wir sind zwar durch Banken mit Bürgschaften abgesichert, aber es ist für beide Seiten natürlich immer nicht schön, wenn man so ein Projekt auf Eis legt und nicht weiß, wie es weiter vorangehen soll."

Ist Ihr Unternehmen denn so weit abhängig von Aufträgen in der Ukraine und Russland, dass die Existenz bedroht ist?

"Wir haben gerade ein laufendes Projekt in Polen, was in diesem Monat noch fertig wird. Wir haben Großprojekte in Indien und haben schon seit 20 Jahren geschäftliche Beziehungen zu China. Dort haben wir mehrere laufende Projekte, so dass wir umdisponieren können. Unsere Firma gerät wegen der aktuellen Situation in der Ukraine und Russland also in keine Schieflage. Dazu sind wir doch sehr flexibel aufgestellt."

Das Gespräch führte Stefan Kunze