Dreharbeiten in einer der Hallen des Studio Babelsberg (Quelle: Studio Babelsberg)

Studie zeigt Stärken und Schwächen der regionalen Filmwirtschaft - Berlin-Brandenburg ist Königin der Film-Minuten

Wer in Berlin wohnt, stolpert gerade in zentraleren Lagen regelmäßig über Kameras und Drehteams an der Straßenecke. Viele international ausgezeichnete Filme sind made in Berlin oder Brandenburg - "Das weiße Band" zum Beispiel, "Inglourious Basterds" oder "Cloud Atlas". Die Film- und Fernsehbranche beschert der Region also reichlich Glamour -  aber bringt sie ihr auch Geld ein? Das hat jetzt eine Studie untersucht. Von Anna Corves

Berlin-Brandenburg ist als Filmstandort bundesweit Spitze. Wie eine Studie des Wirtschaftsberatungsunternehmens Ernst & Young zeigt, werden nirgendwo sonst in Deutschland so viele Film-Minuten produziert wie hier. Studienleiter Florian Huber zählt die Bonuspunkte der Hauptstadtregion im Vergleich zu München, Köln oder Hamburg auf. "Die Stärken liegen ganz klar einmal bei den Leuten, das heißt Verfügbarkeit von jungem, dynamischem und sehr gut ausgebildetem Personal", sagt er. Auch beim Catering und beim Kulissenbau bekomme man in der Region "sehr gute Qualität für sein Geld". Und schließlich: "Kosten und Förderung". Im nationalen Vergleich seien die Kosten vergleichsweise niedrig, und international sei man "sowieso sehr konkurrenzfähig".

Made in Babelsberg

"One-Time-Business" statt Serien

Das befördert vor allem die Filmwirtschaft. Berlin-Brandenburg produziert deutlich internationaler und entwickelt sich viel dynamischer als die anderen Standorte. Dieses rosige Bild hat aber einen großen Schönheitsfehler: Die Hauptstadtregion kann ihre Attraktivität nicht so gut in Wirtschaftskraft verwandeln wie Bayern, Nordrhein-Westfalen oder Hamburg/Schleswig-Holstein. Die Umsätze liegen weit hinter denen der Konkurrenz zurück. Das ist Florian Hubers Ansicht nach "durchaus strukturellen Themen geschuldet. Was ganz klar fehlt, ist natürlich ein großer Sender am Standort, der per definitionem ein revolvierendes Geschäft macht." Denn große Sender produzierten "Serien, Dinge, die immer wieder passieren". Der Berliner Standort dagegen lebe stark vom, wie Huber es formuliert, "One-Time-Business, das man immer wieder neu gewinnen muss: die großen Filmprojekte, große Fernsehfilmprojekte, große Fernsehshows."

Jeder Förder-Euro bringt 4 bis 5 Euro Umsatz in der Region

Im TV-Bereich kommt Berlin-Brandenburg nicht an gegen Köln mit Westdeutschem Rundfunk und RTL oder München, das vom Bayerischen Rundfunk und von Pro7Sat1 profitiert. Nichtsdestotrotz sind Fernsehen und vor allem Film eine wichtige Industrie für Berlin und Brandenburg, von der auch andere Branchen wie Dienstleister, das Handwerk oder der Tourismus profitieren.

Alles zusammengerechnet spielt der Wirtschaftszweig der Studie zufolge etwa 1,3 Milliarden Euro ein. Auch die Film-und Fernsehförderung etwa der Investitionsbanken Berlins und Brandenburgs zahlt sich aus: Jeder Förder-Euro löse 4 Euro Umsatz in der Region aus, zeigt die Studie, die auch von den Investitionsbanken in Auftrag gegeben wurde. Nach Angaben des Medienboards Berlin-Brandenburg, das sich um Filmförderung und Standortmarketing kümmert, sind es sogar 5 Euro. Angesichts dessen wünscht sich Geschäftsführerin Kirsten Niehuus, "dass wir jetzt sozusagen die nächste Stufe erreichen können und tatsächlich für internationale Koproduktionen noch mal zusätzliche Fördermittel bekommen, um quasi das Schwungrad am Laufen zu halten."

Eine große Chance sieht sie auch in der Entwicklung des klassischen TV-Geschäfts hin zu multimedialen Angeboten. Hier sei Berlin und Brandenburg dank seiner digitalen Gründerszene bestens aufgestellt.

Filmstadt Berlin

Beitrag von Anna Corves (Inforadio)

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