Das Anzeigefeld eines Drehstromzählers in Potsdam (Brandenburg) (Quelle: dpa)
Brandenburg aktuell | 12.03.2014 | Frauke Niemeyer

Enorme Unterschiede zwischen Brandenburg und Berlin - Stromnetz-Entgelte kommen Brandenburger teuer zu stehen

Der Strompreis, den wir bezahlen, setzt sich aus vielen Faktoren zusammen - Stromproduktion, Umlage für Erneuerbare Energien, Steuern und so weiter. Einen ziemlich großen Anteil haben die Kosten der Netze, sprich der Stromtransport. Und der unterscheidet sich regional gravierend. Brandenburg steht besonders schlecht da. Von Alex Krämer

Die Grünen haben ausrechnen lassen, wie hoch die Netzentgelte für Strom in welcher Region Deutschlands sind - mit einem erstaunlichen Resultat: Die Unterschiede sind beachtlich. 5,6 Cent pro Kilowattstunde zahlt ein Berliner für den Stromtransport, ein Brandenburger dagegen 8,5 Cent - so viel wie in keinem anderen Bundesland, sagt Werner Bohnenschäfer vom Leipziger Institut für Energie: "Brandenburg liegt um 35 Prozent über dem Bundesdurchschnitt."

Das hat damit zu tun, dass die Netzkosten nicht bundesweit verteilt werden, sondern regional. Besonders teuer wird es dort, wo die Erneuerbaren Energien stark ausgebaut werden - wie in Brandenburg - und gleichzeitig wenig Menschen leben - wie ebenfalls in Brandenburg. Auf den Anschlusskosten, etwa für neue Windräder, bleiben die Brandenburger also sitzen.

"Wenn der Wind zum Beispiel produziert wird, damit die Bayern demnächst ihre Kernkraftwerke ersetzen können, wird der Netzausbau in Brandenburg bezahlt", sagt Bohnenschäfer. "Den Vorteil der Stromproduktion hat man dann in Bayern, aber den Ausbau des Netzes werden die Bayern nicht bezahlen müssen."

Durchschnittsfamilie zahlt 116 Euro mehr als in Berlin

Die paar Cent Unterschied wirken sich deutlich aus. Denn durch sie muss eine Durchschnittsfamilie in Brandenburg jährlich rund 116 Euro mehr für Strom zahlen als die Durchschnittsfamilie in Berlin.

Ähnliches gilt für die Industrie. Ein massiver Standort-Nachteil, meint Axel Vogel. "Wir brauchen ein bundesweit einheitliches Netzentgelt", sagt der Fraktionschef der Grünen im Potsdamer Landtag. "Es kann nicht sein, dass die ostdeutschen strukturschwachen Länder und insbesondere die Familienhaushalte dermaßen stark benachteiligt werden gegenüber den städtischen Verbrauchern in Westdeutschland, aber auch in Berlin."

Wenn die Netzkosten bundesweit einheitlich verteilt würden, würde die Brandenburger Durchschnittsfamilie knapp 90 Euro im Jahr sparen - die Berliner müssten etwa 30 Euro mehr zahlen.

"Die Energiewende findet ja bundesweit statt"

Dringenden Handlungsbedarf sieht auch Ralf Christoffers, Brandenburgs Wirtschaftsminister von der Linken, der sich sonst nur selten mit den Grünen einig ist. Er sieht aber jetzt die Chance, etwas zu ändern, weil auf Bundesebene ohnehin über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verhandelt wird. "Ich hoffe ganz einfach, dass wir mit der Reform des EEG hier zu einem bundesweiten Ausgleich kommen", so Christoffers. "Denn die Energiewende findet ja auch bundesweit statt – nicht nur in einzelnen Regionen."

Ein paar Unterschiede zwischen linkem Wirtschaftsminister und Grünen gibt es dann aber doch: Christoffers will vor allem die Ausbaukosten verteilen, während es den Grünen um die Gesamtkosten geht. Aber generell ist in dieser Frage wohl wichtiger, woher man kommt, als welcher Partei man angehört - die grüne Landesregierung in Baden-Württemberg, die von der bisherigen Kostenverteilung profitiert, hat es nicht so eilig, etwas zu verändern.

Beitrag von Alex Krämer

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