
Kreis Dahme-Spreewald - Taxifahrten vom BER nach Berlin werden voraussichtlich teurer
Mit dem Start des BER hatten sie sich ein gutes Auskommen erhofft, jetzt krebsen sie am Existenzminimum herum: Viele Taxifahrer im Landkreis Dahme-Spreewald kämpfen mit langen Stehzeiten und geringen Einnahmen. Der Finanzausschuss des Kreistags empfahl jetzt, die Kilometerpreise zu erhöhen. Nur moderat - um die wenigen Fahrgäste nicht auch noch abzuschrecken. Von Friederike Steinberg
Im Landkreis Dahme-Spreewald wird das Taxifahren voraussichtlich bald teurer. Der Finanzausschuss des Kreistags beschloss Ende März mit sechs Ja-Stimmen und einer Enthaltung, dass die Preise moderat angehoben werden sollen.
Demnach soll der Grundpreis von 3,00 Euro auf 3,30 Euro steigen. Der Preis für eine Anfahrt zum Kunden beträgt demnach statt bisher 50 dann 60 Cent pro Kilometer.
Der Kilometerpreis soll künftig bei einer Fahrt bis drei Kilometer bei 1,80 Euro liegen, bei längeren Fahrten bei 1,55 Euro. Bis jetzt sind es pauschal 1,50 Euro.
In der Nacht gelten den Plänen zufolge dann folgende Kilometerpreise: bis drei Kilometer 1,90 Euro, darüber hinaus 1,65 Euro. Hier bezahlen die Fahrgäste derzeit, unabhängig von der Strecke, 1,60 Euro. Der Wartepreis bleibt bei 25 Euro.
Hungerlöhne bei langen Arbeitszeiten
Die derzeit gültigen Entgelte seien seit 2009 nicht erhöht worden, heißt es in der Beschlussvorlage des Ausschusses. Obwohl sie im Vergleich mit Tarifen sonst in Brandenburg "im Vorderfeld" lägen, seien sie "nicht mehr auskömmlich". Viele Taxifahrer litten unter niedrigen Löhnen und langen Arbeitszeiten.
Die Vorlage bezieht sich dabei auf Zahlen eines Dresdner Ingenieurbüros, das im Auftrag der Verwaltung des Landkreises eine "Auskömmlichkeitsbetrachtung" erstellt hat. Demnach arbeiten die Taxifahrer im Kreis durchschnittlich 56 Stunden - bei einem Verdienst von etwas über 1100 Euro im Monat.
Schuld an der Misere ist vor allem die hohe Zahl an Taxikonzessionen. 2009 gab es noch 96 Taxizulassungen, im April 2013 waren es bereits 346 - das ist ein Plus von 260 Prozent. Dabei ist die Dichte dem Gutachten zufolge im Nordzipfel des Kreises - also in der Gegend nahe am BER - besonders hoch. Doch damit nicht genug.
Geplanter BER-Start lockte Taxifahrer an
Wolfgang Starke, Wirtschaftsdezernent im Landkreis, sagte gegenüber rbb online, inzwischen sei die Zahl der Konzessionen sogar auf 435 gestiegen. Hintergrund sei die immer wieder verschobene Eröffnung des BER. Bei neuen Regelungen für die Taxis sei man immer von einer baldigen BER-Eröffnung ausgegangen.
Ein Wegfall von Zuschlägen im Jahr 2012 habe den Taxifahrern gleichzeitig Einnahmeverluste von rund neun Prozent beschert, erklärte Starke. Zudem seien die Haltungs- und Spritkosten seit 2009 mit rund 30 Prozent stark angestiegen.
Brandenburger Fahrer dürfen nicht mehr in Tegel stehen
Ein weiterer Grund für die prekäre Lage der Taxifahrer sei aber auch, dass sie nicht mehr am Flughafen Tegel stehen dürften, heißt es in dem Gutachten. Seit Januar 2013 ist es Berliner Taxis untersagt, am Flughafen Schönefeld zu warten - umgekehrt dürfen Brandenburger Taxis aber auch nicht mehr Fluggäste von Tegel befördern.
Die Regelung, dass Taxis aus Berlin und dem Landkreis Dahme-Spreewald beide im jeweils anderen Bundesland Fahrgäste hätten aufnehmen dürfen, stammte noch aus DDR-Zeiten. Berliner Taxis hätten zuletzt ohne Ortskundeprüfung und ohne Ortstarif im Dahme-Spreewald-Kreis laden können, erklärte Starke: "Das war nicht gesetzeskonform."
Doch die Änderung Anfang 2013 wirkte sich offenbar nicht positiv auf die Lage der Brandenburger Taxifahrer aus: Viele Berliner Taxis besorgten sich laut Starke eine Konzession in BER-Nähe, was die Zahlen weiter die Höhe trieb. Durch die erneute Verschiebung des BER-Starts blieb die Kundschaft jedoch weiter aus - beziehungsweise überwiegend in Tegel.
Der Kreistag von Dahme-Spreewald soll am 9. April über die neuen Preise beraten. Nach Einschätzung des Ausschussvorsitzenden Nobert Schmidt wird die neue Regelung wohl auch tatsächlich beschlossen - dies könnte dann bei der Kreistagssitzung am 30. April der Fall sein.


