Ein Taxi steht in der Nähe des Brandenburger Tors in Berlin. (Quelle: dpa)

Taxifahren in Berlin - Das Geschäft brummt

Die ITB bringt seit Mittwoch wieder tausende Geschäftsleute, Aussteller und Besucher nach Berlin. Viele von ihnen sind auf die 7.600 Taxis der Stadt angewiesen und müssen dementsprechend die Mitte Februar gestiegenen Fahrpreise zahlen. Doch auch die Preiserhöhung ändert nichts daran: Die Konkurrenz unter den Taxifahrern ist groß. Von Katja Weber.

In Berlin sind täglich etwa 7.600 Taxis unterwegs. Besonders zu Messezeiten, wie jetzt während der Internationalen Tourismusbörse Berlin (ITB), machen die Unternehmen gute Umsätze. Das liegt auch daran, dass Mitte Februar die Fahrpreise erhöht wurden. Trotzdem ist die Konkurrenz unter den Fahren groß.

Ertan Ucar ist der Vorsitzende des Berliner Landesverbandes von Taxi Deutschland. Seine Firma hat zehn Fahrzeuge, er beschäftigt 16 Fahrer und fährt auch selbst. Auf die Frage, ob er mit der von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung genehmigten Fahrpreiserhöhung einverstanden ist, hat er eine bündige Antwort: "Nein!"

Der Erhalt der Kurzstrecke ist Ucar ein Dorn im Auge. Vier Euro für eine zwei Kilometer lange Strecke - das ist der Festpreis, wenn der Kunde das Auto an der Straße ranwinkt. In Ucars Beispiel eine klare Benachteiligung der Fahrer: "Wenn Sie als Fahrgäste am Bahnhof Friedrichstraße in ein Taxi einsteigen und zum Checkpoint Charly wollen, ist das eine Kurzstrecke, kostet also vier Euro - dauert aber 30 Minuten."

Fahrgäste gehen in Berlin am Flughafen Tegel am offizielen Taxistand vorbei. (Quelle: dpa)
In Berlin gibt es etwa 7600 Taxis. Warteschlange am Flughafen Tegel.

Streit um die Taxi-Konzessionen

Auch die sogenannte "Karenzminute" würde er am liebsten abschaffen. Sie sorgt dafür, dass das Taxameter im Stau erst nach einer Minute Wartezeit weitertickt. Außerdem seien zu viele Taxifahrer auf Berlins Straßen unterwegs. Das führe zu langen Wartezeiten und geringen Umsätzen für die Fahrer. Ucar will deshalb, dass weniger Konzessionen vergeben werden.
Oliver Friederici, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, hält dagegen: "Kaum hat jemand seine Taxi-Konzession bekommen, dann will er, dass der Markt nicht größer wird." 

Angst vor dem Mindestlohn

Anfang der 1990er Jahre gab eine Zugangsbeschränkung in Berlin, ein Fahrer klagte dagegen und gewann. Harald Wolf von der Linkspartei meint, die Senatsverwaltung könne die Konzessionsvergabe trotzdem limitieren: "Eine wesentliche Begründung könnte sein, dass der Wettbewerb dazu führt, dass es für die Unternehmen nicht mehr wirtschaftlich ist."

Rund 14.000 angestellte Taxifahrer gibt es in Berlin. Wenn es so kommt, wie von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) geplant, müssen sie spätestens ab 2017 einen Mindestlohn von 8,50 Euro bekommen. Ertan Ucar sagt, das könne er sich nicht leisten, er müsse dann Fahrer entlassen.

Ucar setzt auf das sogenannte Fiskaltaxameter, das 2017 kommen soll. Dieses Taxameter meldet die erhobenen Daten wie Strecke oder Umsatz direkt an die Finanzbehörden. In der Folge fliegt Schwarzarbeit auf, die schwarzen Schafe fliegen raus - weniger Fahrer teilen sich den Kuchen. Ucar hofft, dass der Mindestlohn nicht vor dem manipulationssicheren Taxameter kommt.

Beitrag von Katja Weber

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Rumen Milkow ist Taxifahrer. Seit zwanzig Jahren in der Hauptstadt. Er schreibt in seinem Blog autofiktion.com über seine Erlebnisse im Taxi.