50 Hertz Strom Brandenburg Uckermark (Grafik: rbb)

Tour durch die Uckermark - 50Hertz wirbt für neue Strom-Autobahn

Von Pasewalk bis Neuenhagen bei Berlin wird sie sich ziehen, ihre 50 Meter hohen Masten werden so manchen Kirchturm überragen: Die geplante Uckermarkleitung soll den weiteren Ausbau der Ökoenergie ermöglichen - doch ihr Ausbau verzögerte sich wegen erbitterter Widerstände um Jahre. Nun soll der Ausbau bald losgehen. rbb online zeigt, wo die Starkstromtrasse verlaufen wird.

Abgesandte des Netzbetreiber 50Hertz Transmission touren derzeit durch die Uckermark. Am Dienstag informierten Sie Bürger in Prenzlau über die Pläne der neuen Freileitung in der Region, am Donnerstag steht eine Informationsveranstaltung in Mecklenburg-Vorpommern auf dem Plan. Seit langem ist zudem bereits ein kostenfreies Bürgertelefon (0800-58952472) freigeschaltet.

Mit einer neuen Strategie hofft der Netzbetreiber auf eine breitere Akzeptanz für die neue Strom-Autobahn, die über weite Strecken eine über 50 Jahre alte 220 kV-Leitung, eine Strom-Landstraße, ersetzen soll. Denn in der Vergangenheit gab es viele Proteste gegen andere Abschnitte der seit 2007 geplanten Uckermarkleitung. Viele Bürger fühlten sich schlecht informiert und vor vollendete Tatsachen gestellt, sie gründeten Bürgerinitiativen, legten hunderte von Einsprüchen ein.

Das zog die Genehmigungsverfahren in die Länge - so sehr, dass der weitere Ausbau der Öko-Energie im Norden Brandenburgs in Gefahr geriet. Deshalb informiert 50Hertz die Betroffenen nun schon vor der offiziellen Antragsstellung - und präsentiert drei alternative Trassenverläufe für den 30 Kilometer langen Leitungabschnitt zwischen Pasewalk und Bertikow.

Karte: Uckermark Nord

Trassenplanung Pasewalk-Bertikow (Quelle: rbb Grafik/Bing Maps)

Insgesamt verbindet die neue Uckermarkleitung drei Umspannwerke. Für den ersten Abschnitt zwischen Pasewalk und Bertikow bestehen zum derzeitigen Planungsstand (10. März 2014) drei Vorschläge für den Trassenkorridor: (1) zeigt den Verlauf der Variante "Trassenkorridor West", (2) zeigt die Variante "Mitte" mit einer Untervariante einer Ortsumgehung von Dreesch, (3) bildet den "Trassenkorridor Ost" ab. Auf dieser Strecke von etwa 30 Kilometern passiert die Trasse die Grenze zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.

Mehr Zeit für Diskussionen - kürzere Genehmigungverfahren?

So können alle, an deren Haus die neue 380-kV-Leitung vorbeiführen würde, ihre Bedenken frühzeitig einbringen und Fragen zu möglichen Gesundheitsgefahren, Entschädigungen und dem Umfang der Bauarbeiten stellen - oder eben fordern, die Trasse woanders lang zu führen. Das hat zum Beispiel eine Bürgerinitiativen aus Dreesch, südöstlich von Prenzlau, getan. Sie fordert, dass die Trasse um das Dorf herum geführt werden soll.

Und die Dreescher sind nicht die einzigen, die sich wehren. Bis zum Donnerstag läuft eine Petition, die unter anderem von der Interessengemeinschaft Uckermark unterstützt wird. Darin fordern sie, dass mehr Streckenabschnitte unterirdisch als Erdkabel verlegt und  größere Mindestabstände zu Wohngebieten eingehalten werden. 50Hertz hatte die Erdverkabelung an anderen Streckenabschnitten geprüft und mit Verweis auf höhere Kosten abgelehnt.

Stromtrasse verläuft durch das Dorf Dreesch (Quelle: rbb/Bing Maps)
Dreesch aus der Vogelperspektive: Von der Trasse geteilter Ort (Trassenverlauf orange markiert)

Schon heute müssen Windräder abgeriegelt werden

Klar ist: Auch diesmal wird es 50Hertz nicht jedem Recht machen können - denn einer der drei Trassenverläufe muss auf jeden Fall realisiert werden. Und zwar schneller als in der Vergangenheit, hofft Boris Schucht, Geschäftsführer von 50Hertz. Schließlich müsse man die Leitungen dringend dort verstärken, wo der Ausbau der erneuerbaren Energien besonders vorangetrieben werde.

Allein in den Lankreisen Uckermark und Barnim drehen sich inzwischen über 600 Windräder. So manches muss bei Starkwind derzeit abgeschaltet werden, weil die alten Leitung den Strom nicht mehr abtransportieren können. Mit der Uckermarkleitung soll nun der weitere Ausbau der Ökoenergie und der Abtransport des grünen Stroms in die Hauptstadt ermöglicht werden.

Planung in zwei Abschnitten

Die Uckermarkleitung wird in zwei Abschnitten geplant: Beim Netzbetreiber 50Hertz spricht man von Uckermark Nord – damit ist der etwa 30 km lange Abschnitt zwischen den Umspannwerken Pasewalk (Mecklenburg Vorpommern) und Bertikow (Brandenburg) gemeint – und Uckermark Süd von Bertikow nach Neuenhagen bei Berlin.

Insgesamt verläuft die neue Leitung auf 115 Kilometern. Davon verlaufen laut  50Hertz 102 Kilometer parallel zu bereits bestehenden Freileitungen.

Uckermark Süd

Übersicht des Trassenverlaufs der Uckermarkleitung Süd (Quelle: rbb/Bing Maps)

Von Bertikow aus verläuft die Trasse in südöstlicher Richtung nach Vierraden bei Schwedt und ersetzt zum Großteil die bestehenden Leitungen. Sie soll allerdings mitten durchs Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin führen, daher regten sich dort Proteste. Schon 2008 gründete sich die Bürgerinitiative "Biosphäre unter Strom".

Diese Proteste zeigten bereits Erfolg: 50Hertz hat die geplante Route deshalb zum Teil verlegt. Das führe zwar dazu, dass die Trasse näher an bewohnten Gebieten entlang führe, so Schucht, "aber in Summe wird damit eigentlich gegenüber der ursprünglichen Situation für das Naturschutzgebiet eine Verbesserung erzielt."

In Richtung Süden verläuft die Strecke dann über Eberswalde und Bernau bis zum Umspannwerk in Neuenhagen bei Berlin.

Uckermarkleitung soll 130 Millionen Euro kosten

Der Netzbetreiber 50Hertz ist für den Nordosten Deutschlands zuständig und plant insgesamt bis zum Jahr 2023 Investitionen in Höhe von rund vier Milliarden Euro. Das Unternehmen präsentierte bei seiner Bilanzpressekonferenz am Mittwoch einen Nettogewinn von 166 Millionen Euro (2012: 111 Mio. Euro) – davon, dass der Stromnetzausbau in Deutschland Fahrt aufnimmt, profitiert das Unternehmen, denn für seine Investitionen erhält es eine gesetzlich garantierte Rendite von 9 Prozent.

Über 240 Kilometer erstrecken sich die Stromtrassen, die Netzbetreiber 50Hertz in den neuen Bundesländern und Hamburg ausbaut. Weitere 450 Kilometer befinden sich derzeit in Planung. Für die Uckermarkleitung will 50Hertz 130 Millionen Euro in die Hand nehmen.

Bettina Rehmann mit Informationen von Franziska Ritter und Robin Avram

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