Verdi-Streik der Berliner Bäder-Betriebe vor dem Stadtbad Wilmersdorf (Quelle: rbb/Miriam Keuter)

Tarifstreit im öffentlichen Dienst - Verdi erhöht Druck vor nächster Verhandlungsrunde

Vor der zweiten Verhandlungsrunde am Donnerstag haben die Gewerkschaften in Berlin und Brandenburg den Druck im Tarifstreit im öffentlichen Dienst noch einmal erhöht. In Berlin waren am Mittwochvormittag über die Hälfte der Bäder geschlossen, in Brandenburg streikten hunderte Mitarbeiter von Stadt- und Kreisverwaltungen. Für Berlin sind bereits weitere Warnstreiks angekündigt - für den Fall, dass die Verhandlungen nicht vorankommen.

Die Gewerkschaft Verdi hat am Mittwoch ihre Warnstreiks in Berlin und Brandenburg fortgesetzt. Hintergrund ist die Tarifauseinandersetzung im öffentlichen Dienst. In Berlin blieben am Vormittag deshalb zahlreiche Bäder geschlossen. Nach Angaben der Bäder-Betriebe waren es 22 von 37 Schwimmbädern. "Das betraf vor allem das Schulschwimmen", sagte Unternehmenssprecher Matthias Oloew am Nachmittag. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi blieben sogar 30 Schwimmhallen während des ganztägigen Ausstands zu.

Figur vor dem Stadtbadt Wilmersdorf mit Verdi-Schwimmring (Quelle: rbb/Keuter)
Warnstreik vor dem Stadtbad Wilmersdorf

Vor dem Stadtbad Wilmersdorf 1 trafen sich Beschäftigte am Morgen zu einer Kundgebung. Etwa 200 von 700 Bäder-Mitarbeitern seien dort gewesen, berichtete Gewerkschaftssekretär Dieter Korte.

Brandenburg: Warnstreiks in zahlreichen Ämtern

In Brandenburg haben hunderte Mitarbeiter von Stadt- und Kreisverwaltungen sowie Bundesbehörden die Arbeit niedergelegt. In Falkensee (Havelland) versammelten sich am Vormittag rund 200 Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Kollegen umliegender Gemeinden sowie der Kreisverwaltung Ostprignitz-Ruppin, wie der Sprecher der Gewerkschaft Verdi, Ralf Franke, mitteilte.

Auf dem Altmarkt in Cottbus kamen etwa 300 Beschäftigte zu einem ganztägigen Warnstreik zusammen. Beteiligt hätten sich Mitarbeiter der Stadtverwaltung Cottbus, der Rentenversicherung, der Agentur für Arbeit und der vier umliegenden Landkreise, sagte der Gewerkschaftssprecher.

Kundgebung an der Mühlendammschleuse

Verdi hatte den Ausstand bereits am Montag in den Berliner Vivantes-Kliniken gestartet und bestreikte am Dienstag Schleusen in Berlin und Brandenburg. An vier Schleusen in Berlin legten Mitarbeiter für rund neun Stunden ihre Arbeit nieder. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi trafen sich an der Mühlendammschleuse etwa 150 Beschäftigte zu einer Kundgebung. Auch in Brandenburg stand der Schiffsverkehr im Mittelpunkt der Aktionen. Im Wasser- und Schifffahrtsamt Eberswalde legten zahlreiche Mitarbeiter die Arbeit nieder. Mehrere Schleusen an Bundeswasserstraßen wurden blockiert. Warnstreiks gab es außerdem bei der Kreis- und Stadtverwaltung in Prenzlau sowie der Stadtverwaltung Schwedt.

Die Gewerkschaften reagierten mit den Aktionen darauf, dass die Arbeitgeber vom Bund und den Kommunen in der ersten Runde der Tarifverhandlungen vergangene Woche noch immer kein Angebot vorgelegt haben. Die Gewerkschaften fordern für die 2,1 Millionen Beschäftigten im Bund sowie in den Städten und Gemeinden eine Erhöhung um einen Pauschalbetrag von 100 Euro und zusätzlich 3,5 Prozent. Die Tarifverhandlungen gehen am Donnerstag weiter.

KAV Berlin hat kein Verständnis für Warnstreik

Der Arbeitgeberverband KAV Berlin lehnte den Ausstand "als völlig überzogen" ab. Kaum hätten die Verhandlungen zur Tarifrunde 2014 im öffentlichen Dienst begonnen, komme es bereits zu einem Warnstreik. "Dieses Vorgehen der Gewerkschaft kritisieren wir in aller Schärfe", so die Geschäftsführerin des Kommunalen Arbeitgeberverband Berlin (KAV Berlin), Claudia Pfeiffer. Die Forderungen der Gewerkschaften und die wirtschaftliche Lage der Kommunen klafften zu weit auseinander. Ein eigenes Angebot legten die Arbeitgeber bislang nicht vor.

Die Verhandlungen sollen am Donnerstag fortgesetzt werden. Gewerkschafter Korte kündigte neue Warnstreiks für Berlin an, sollte es kein Vorankommen geben. "Das werden wir am Montag entscheiden", sagte er.

Mehr zum Thema

Ein leeres Krankenbett steht am Mittwoch (03.02.2010) im Vivantes-Klinikum in Berlin-Neukölln (Quelle: dpa)

Streik an sechs Berliner Kliniken - Warnsignal an die Arbeitgeber

Hunderte Mitarbeiter haben am Montag in sechs Berliner Vivantes-Kliniken die Arbeit niedergelegt. Die Folge: lange Wartezeiten für die Patienten und an die 160 Operationen, die abgesagt oder verschoben wurden. Hintergrund der Aktion ist der Tarifstreit im öffentlichen Dienst. In den kommenden Tagen sollen die Streikaktionen in Berlin und erstmals auch in Brandenburg fortgesetzt werden.