Ein Landwirt versprüht Pflanzenschutzmittel (Quelle: dpa)

Konferenz in Cottbus - Agrarminister lassen umstrittenes Pflanzenschutzmittel weiter zu

Glyphosat ist das meistverkaufte Pflanzenschutzmittel Deutschlands – und kann möglicherweise Krebs auslösen. Der Bundesrat fordert deshalb, den Einsatz einzuschränken. Die in Cottbus tagende Agrarministerkonferenz schloss sich dieser Forderung jedoch nicht an. Wohl auch aus Rücksicht auf die Lobby der Landwirte  - denn die möchte ungern auf Glyphosat verzichten. 

Es ist das meistverkaufte Pflanzenschutzmittel und wird auch von Brandenburger Bauern eingesetzt, die sich das Umpflügen sparen wollen. Glyphosat vernichtet alles, was auf dem Acker steht, berichtet Heiko Terno, Vizepräsident des Brandenburger Bauernverbandes.

"Ich habe überhaupt kein schlechtes Gefühl," sagt er freimütig. "Glyphosat hat uns die Möglichkeit gegeben, dass ich den Aufwuchs auf dem Feld tot spritzen kann und somit die Feldbestellung machen kann." Angesprochen auf die Risiken, kommt Terno regelrecht in Rage. Für ihn ist Glyphosat ein Wundermittel, dass einen Riesenfortschritt gebracht habe. Es wird nicht nur eingesetzt, um Getreidestoppeln zu beseitigen, sondern auch noch kurz vor der Ernte, damit das Getreide gleichzeitig reift. Wenn die Fristen eingehalten werden, überhaupt kein Problem, meint Terno.

"Ein Skandal, der sofort beendet werden muss"

Arnold Blum vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter schüttelt da nur den Kopf. Für ihn ist Glyphosat ein Teufelszeug. "Es kann nicht sein, dass Glyphosat noch in bestehende Bestände gespritzt wird, die später wie beim Getreide zu Mehl verarbeitet und zum Brot gemacht werden. Das kann letztendlich die Gesundheit der gesamten Bevölkerung beeinflussen. Das ist ein Skandal, und das muss sofort beendet werden."

Glyphosat sofort vom Markt zu nehmen - für den Brandenburger Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) scheint das zu weit zu gehen. "Also beim Bereich Glyphosat gibt es ja einen Bericht des zuständigen Bundesamtes, und der teilt nicht alle Einschätzungen, was die Gefährlichkeit betrifft. Ich sag jetzt nix vom Verbot, bevor ich nicht den Bericht gehört habe," sagte der Minister vor der Frühjahrskonferenz der Agrarminister in Cottbus.

Mecklenburg-Vorpommern deutlich kritischer als Brandenburg

Sein Parteigenosse und Amtskollege aus Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD), sieht den Einsatz von Glyphosat kritischer. "Für mich ist eins klar: Man darf dieses Pflanzenschutzmittel nicht einfach immer wieder einsetzen. Wenn man eine vernünftige Fruchtfolge hat, wenn man vernünftig Landwirtschaft betreibt, dann kann man auch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in sehr engem Rahmen halten, und das ist mein Ziel."

Er kann sich vorstellen, dass die Großkonzerne, die Glyphosat herstellen, für die Folgen haften müssen. Ein heiß umstrittenes Thema also, dass einen großen Raum auf der Agrarministerkonferenz einnahm. Doch letztlich konnten sich die Agrarminister nicht auf einen einstimmigen Beschluss zum reduzierten Einsatz von Glyphosat einigen - wohl auch aus Rücksicht auf die Lobby der Bauern.

mit Informationen von Iris Wussmann

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