
GASAG und Berlin Energie wollen Konzession - Zweikampf ums Berliner Gasnetz
Ein Netz - zwei Bewerber: Das ist das Ergebnis der Neuausschreibung des Berliner Gasnetzes. Eigentlich hatte der Senat auf mehr Interesse gehofft, doch nun wird es ein Zweikampf. Auf der einen Seite der Newcomer Berlin Energie als landeseigenes Unternehmen. Auf der anderen Seite der Platzhirsch, die GASAG - seit 170 Jahren Betreiber des Netzes in Berlin.
Um das Berliner Gasnetz wird es einen Zweikampf geben. Die landeseigene Gesellschaft Berlin Energie und der Berliner Gasversorger GASAG haben sich um den Betrieb eines der größten Gasnetze Europas beworben. Am Montag lief die Abgabefrist für den Konzessionsantrag bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ab.
Berlin Energie will Strom- und Gasnetz
Mit dem am Montag eingereichten Angebot setze man vor allem auf einen effizienten, transparenten und verbraucherfreundlichen Netzbetrieb, erklärte ein Sprecher von Berlin Energie.
Und man plane weiter. Berlin Energie will sich künftig auch um das Stromnetz bewerben. "Wir wollen ein Kombinationsnetzbetreiber etablieren," Wolfgang Neldner von der Geschäftsleitung der Berlin Energie im rbb. Durch die Bündelung der Infrastrukturen könnten Synergien für besseren Klimaschutz, weniger Verkehrsbeeinträchtigung, weniger Staub und weniger Lärm entwickelt werden, so Neldner.
In dem Antrag kündigte das landeseigene Unternehmen umfangreiche Investitionen an, um das Netz für die Energiewende zu rüsten. Transparenz und Bürgerbeteiligung sind wichtige Bestandteile des Angebots, hieß es.

GASAG kann sich gemeinsamen Betrieb mit dem Land vorstellen
Die GASAG nannte zu ihrem Angebot mit Hinweis auf das laufende Verfahren ebenfalls keine Einzelheiten. Klar sei aber, dass die GASAG mit 170 Jahren Netzerfahrung der beste Betreiber sei. Zudem habe man ein klares Bild der Zukunft und dem Senat einen der kommunalfreundlichsten Konzessionsverträge vorgelegt, den es derzeit in Deutschland gebe, erklärte GASAG-Vorstandvorsitzender Stefan Grützmacher.
Man habe dem Land unter anderem ein Angebot gemacht, das Gasnetz künftig gemeinsam mit der Kommune zu betreiben, erklärte Grützmacher im rbb. Die GASAG hat derzeit die Konzession für das Gasnetz allein.
Kritik von Grünen
Die Konzession für das Gasnetz würde Experten zufolge knapp eine Milliarde Euro kosten. Dem Newcomer Berlin Energie soll das Geld aus Krediten zur Verfügung gestellt werden. Anfang Februar hatte der Senat einen entsprechenden Beschluss gefasst.
Kritik an der Bewerbung der landeseigenen Berlin Energie kam im Februar unerwartet auch von den Grünen. Ein energiepolitischer Nutzen sei nicht erkennbar, zudem drohten unkalkulierbare Risiken, wenn das Netz an Wert verlieren würde.
Sorge gibt es dabei auch um die GASAG, die sich als verlässlicher Partner erwiesen habe. Sollten die Einkünfte aus dem Netzbetrieb wegfallen, könnten die GASAG-Eigentümer E.ON, Vattenfall und Gaz de France das Unternehmen zerschlagen, so die Grünen.
SPD verteidigt Rekommunalisierung
Die SPD verteidigte den Entschluss. Die Energienetze seien "Lebensadern der Stadt". Der Netzbetrieb sei wirtschaftlich, werde Geld in die Landeskasse spülen und sei zudem ein Beitrag zur Energiewende, sagte Daniel Buchholz, Energieexperte der Sozialdemokraten.
Die Entscheidung, an wen die Konzession zum Netzbetrieb ab dem kommenden Jahr geht, liegt bei der Vergabestelle in der Berliner Finanzverwaltung. Wer künftig das Gasnetz betreibt, soll bis Ende Juni entschieden werden.


