Neu eröffnet im 50er Jahre-Schick - Der Bikini ist wieder ausgepackt
Ein weiteres Projekt im Berliner Westen ist fertig: Am Donnerstag ist das Bikini-Haus an der Budapester Straße als exklusives Einkaufszentrum neu eröffnet worden und erstrahlt im restaurierten 50er-Jahre-Schick. Anna Pataczek hat sich mit dem Architekten getroffen und mit ihm über das Baudenkmal gesprochen, das zwischenzeitlich mal ein runtergerockter Einteiler war.
Unten zwei Stockwerke, in der Mitte ein offenes Geschoss mit Durchblick auf den Zoo, darauf weitere drei Etagen gestapelt: Schon bald nach der Einweihung 1957 hatten die Berliner einen Spitznamen für das Gebäude an der Budapester Straße gefunden: Das sieht doch aus wie ein Bikini! Und das passte sogar zu den ersten Mietern, denn im Bikini-Haus drehte sich in den fünfziger Jahren alles um Damenoberbekleidung.
"Im Erdgeschoss und ersten Stock gab es die Verkaufsräume dazu. Und in den Geschossen 3 bis 5 wurde genäht. Das war an und für sich eine Fabrikhalle", sagt Dionys Ottl. Der Münchner Architekt war für die Sanierung zuständig. Bis kurz vor knapp wurde noch gearbeitet an der Wiederbelebung eines Berliner Architekturdenkmals, erbaut von Hans Schoszberger und Paul Schwebes.
Flaggschiff des Wiedererstehens
Eigentlich sei das Bikini-Haus ein Flaggschiff des Wiederentstehens West-Berlins, meint Ottl: "Nachdem Ost-Berlin an Russland abhanden gekommen ist, hat man mit amerikanischer Wirtschaftshilfe diesen Standort als ziemlich allererste Wiederauferstehung rund um den Breitscheidplatz etabliert."
Wegen seiner städtebaulichen Bedeutung steht das Bikini-Haus heute unter Denkmalschutz. Und auch weil es eine außergewöhnliche Architektur war, sagt Ottl: "Hier wurde ja eigentlich eine Architektur fortgesetzt, die während des Dritten Reichs abgebrochen ist: Diese Bauhaus-Architektur ist schon sehr ungewöhnlich." Von der Idee her ein Städtebau der frühen zwanziger bis dreißiger Jahre.
Bikini wird zum Badeanzug
Ende der Siebziger wurde der Bikini quasi zum Badeanzug: Die Mittel-Etage wurde geschlossen. Die Kunsthalle West-Berlins zog ein und lockte Kulturinteressierte ins Haus. Partygänger besuchten die angesagte Disco "Linientreu" im Kellergeschoss. Doch das Haus verlor immer mehr an Bedeutung.
Ottl erinnert sich an das Bikini-Haus aus den frühen Achtziger Jahren als nicht besonders schick: "Ich hab es als sehr runtergerockte Ecke empfunden, wo man Billigjeans kaufen konnte. Das ist bis vor kurzem nicht viel anders gewesen.“
Ein Glitzern wie von Millionen Wassertropfen
Der Glanz der 50er Jahre soll nun wiederbelebt werden. Die Fassade mit seinen Glas-Farbfeldern in Blau, Weiß, Gelb und Orange wurde rekonstruiert. Zum Zoo hin wurde ein kompletter Neubau angeschlossen, für zusätzliche Verkaufsflächen und Dachterrasse. Manches Originalteil taucht hier aber wieder auf, meint Ottl: "Es ist auch das Material der Südfassade verarbeitet worden. Also die historischen Gläser sind eingesammelt worden, die haben wir dann mahlen lassen in einer Mühle. Jetzt sind sie in die Neubauteile wieder eingearbeitet."
Wenn die Sonne auf diese Wände scheint, sieht es aus, als glitzerten Millionen Wassertropfen auf dem Bikini.






