
Hafen von Königs Wusterhausen wird erweitert - Die Hoffnung stirbt zuletzt
Der Hafen von Königs Wusterhausen an Dahme und Nottekanal soll mal ein Dienstleistungszentrum werden. Derzeit ist das schwer vorstellbar, denn der Umschlag sinkt stetig. Im Moment wird der Hafen gerade erweitert – mit Millionen Euro Fördergeldern. Von Annette Dornieden
Nicht viel los im Hafen von Königs Wusterhausen. Wie auch, wenn gerade einmal fünf bis sechs Schiffe am Tag vorbeikommen? Da ist noch viel Platz. Trotzdem wird die mehr als zwei Kilometer lange Kaianlage gerade verlängert. Völlig neue Unternehmen sollen sich hier ansiedeln, erklärt der Bürgermeister von Königs-Wusterhausen, Lutz Franzke: "Wir werden auch mit Getreiden arbeiten, die dann weiter verarbeitet werden. Es geht um ein mögliches Projekt zur Phosphat-Rückgewinnung, da ist Berlin die Quelle – das ist hier wunderbar erreichbar über die Wasserwege auch zu allen Zeiten des Jahres."
Große Flächen liegen brach
Neue Investoren, neue Arbeitsplätze, eine große Zukunft für den Binnenhafen - das Versprechen ist so alt wie der erste Förderbescheid von vor fast zwanzig Jahren. Flächen wurden angekauft und liegen bis heute brach. Nun also die Verlängerung der Kaianlage, obwohl noch kein neuer Ansiedlungsvertrag unterschrieben ist.
Für den Naturschutzbund ist das hier eine sinnlose Geldausgabe, wie Wolfgang Altenburg vom NABU Dahmeland erklärt: "Seit 20 Jahren geht es um die Hafenerweiterung, und seit 20 Jahren wird das Märchen von den Arbeitsplätzen erzählt. Obwohl 20 Millionen Fördermittel im Hafen versenkt worden sind, ist noch kein einziger Arbeitsplatz entstanden." Der Umschlag des Hafens sei weiter gesunken, sagt Altenburg. Zudem gehe die Erweiterung mit einer Zerstörung großer ökologisch wertvoller Gebiete einher: "Die Hafenerweiterungen sind ein Albtraum für den Steuerzahler und für den Umweltschutz."

Sinkender Umsatz
Noch funktioniert der Hafen von Königs Wusterhausen. Denn noch wird hier die Kohle aus der Lausitz für das Vattenfall-Kraftwerk in Berlin-Rummelsburg verladen. Doch damit ist spätestens in sechs Jahren Schluss. Dann werden auch 80 Prozent des Schiffsverkehrs entfallen. Bleibt unter dem Strich rund ein Schiff am Tag.
Dennoch verteidigt das Wirtschaftsministerium die erneute Bewilligung von rund 2,6 Mio. Euro öffentlicher Gelder: "Das Ziel ist natürlich, diesen Hafen zu einem Dienstleistungszentrum wenn man so will auszubauen für die nachhaltige Wirtschaft", erklärt Sprecher Steffen Streu. Ein Unternehmen der Abfallwirtschaft sei schon da, ein Biomassekraftwerk gebe es auch: "Wir haben dieses Gewerbegebiet gefördert, weil man einfach attraktive Flächen braucht, um für Investoren ein attraktives Umfeld anbieten zu können."
Was man ja schon seit neunzehn Jahren mit wenig Erfolg versucht. In den vergangenen Jahren war der Güterumschlag ohne die Braunkohle eher rückläufig. Zukünftig will man auf Soja setzen. Geht alles gut, soll im Hafen von Königs Wusterhausen aus der von weit her importierten Hülsenfrucht irgendwann einmal Strom erzeugt werden.

