Verschiedene Konzepte dem Senat vorgestellt - ICC könnte "House of Interaction, Living & Innovation" werden
Am Mittwoch dient das Berliner ICC zum letzten Mal als Veranstaltungsort. Was dann kommt, ist noch völlig unklar. Der Senat hatte deshalb das Bauunternehmen "Dress & Sommer" beauftragt, eine Studie zur Zukunft des ICC zu erstellen. Dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf sind nun fünf Varianten zur Weiternutzung vorgelegt worden. Den größten Ertrag würde danach ein "House of Interaction, Living & Innovation" bringen.
Das ICC gilt vielen als Ikone für das Westberlin vor dem Mauerfall. Architekten sagen, es sei das bedeutendste Bauwerk der "High Tech Architektur" und müsse unter Denkmalschutz gestellt werden. Als Kongresszentrum wird es nicht mehr gebraucht, Messen sollen künftig im CityCube stattfinden. Am Mittwoch machen die Aktionäre von Daimler nach ihrer Hauptversammlung dort das Licht aus.
Schon lange wird an einem Konzept gearbeitet, was mit dem ICC in Zukunft passieren soll und kann. Das Bauunternehmen "Dress & Sommer" hat eine Studie mit fünf Optionen erstellt und sie dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf vorgelegt. Das Papier liegt dem rbb vor.
Kein Geld mit Kongressen zu machen
Würde das ICC weiterhin als Tagungs- und Kongresszentrum (Variante 1) dienen, bräuchte es baulichen Nachschliff. Laut dem Papier müsste das abgerissene Parkhaus durch einen Hotelneubau ersetzt und die Einfahrt für Taxis vor dem ICC erneuert werden. Bis das Haus wieder als modernes Kongresszentrum genutzt werden könnte, wäre eine Übergangslösung als Musical-Haus oder Theater vorstellbar.
Allerdings scheidet diese Variante eigentlich schon von vornherein aus. Denn mit einer solchen Nutzung konnte in der Vergangenheit schon kein Geld verdient werden. Zudem sind sich der Studie zufolge alle Beteiligten einig, dass diese Form der Nutzung nicht mehr zeitgemäß ist.
Ein Haus voll Interaktion und Vitalität
In einer weiteren Variante wird das ICC zu einer großen Shopping-Mall (Variante 2), die unter einem bestimmten Motto stehen könnte. Vorstellbar wären demnach Produkte aus einem speziellen Bereich wie Elektronik oder Food. Die Flächen könnten dann anteilig an die Privatwirtschaft und an öffentliche Investoren vergeben werden. Zusätzlich sollen auch Areale für "Event, Freizeit und Entspannung" entstehen, die alle "dem festgelegten Leitbild" und damit "dem abgestimmten Themenkreis" entsprechen.
Die Erlöse für die Nutzung, die unter dem Schlagwort "House of Interaction and Living" prognostiziert werden, sollen einen "höheren Deckungsbeitrag" erzielen als bei einer Tagungs- und Kongressnutzung.
Offenes Haus für alle
Für eine öffentliche Nutzung (Variante 3) als Museum oder Zentral- und Landesbibliothek wäre auf jeden Fall genug Platz. Wie die Studie jedoch feststellt, bleibt das Land Berlin damit komplett auf den Sanierungskosten sitzen. Ein Vorteil der öffentlichen Nutzung wäre allerdings, dass das Land keine Miete zahlen müsste.
Themen-Showroom
Unter der Überschrift "House of Innovation" (Variante 4) als Variante vier ist etwas Ähnliches zu verstehen wie das "House of Interaction and Living". Der Übergang zu dieser Art Themen-Showroom sei fließend. Beim Konzept Innovation liege der Schwerpunkt eher auf Ausstellung. So könnten unter dem Thema "culture" Künstlerwerkstätten, Galerien sowie Repräsentanzen namhafter Museen und Auktionshäuser das ehemalige ICC nutzen. Allerdings werden die Investitionskosten hier höher veranschlagt als bei fast allen anderen Varianten. Denn die kleinteilge Nutzung ist "bautechnisch aufwendiger herzustellen".
House of Interaction, Living & Innovation
Das Shopping Center am Leipziger Platz bindet der Studie zufolge eine hohe Kaufkraft im Ostteil der Stadt. Um dem entgegenzuwirken, empfiehlt sich der Umbau zum "House of Interaction, Living & Innovation" (Variante 5). Die potenzielle Investorenschaft habe jedenfalls hohes Interesse daran, ein großes Einzelhandelsprojekt im Westen der Stadt anzusiedeln.
Damit aus dem ICC ein Shopping-Magnet wird, sollte die Verkaufsfläche zwischen 45.000 und 50.000 Quadratmeter betragen. Zudem müsste das Haus architektonisch offener und freundlicher gestaltet sein, d.h. die Shops sollten ebenerdig auf einer durchgängigen Fläche nebeneinander angeordnet sein. Der Studie zufolge ist dies die wirtschaftlich tragfähigste Lösung, denn im Einzelhandel lassen sich die höchsten Mieten nehmen, die gegebenenfalls noch weiter gesteigert werden könnten.





