Tropical Islands größter Arbeitgeber im Landkreis Dahme-Spree - Vom Sorgenkind zum Musterknaben

Aus einer großen Investruine ist der größte touristische Arbeitgeber in ganz Brandenburg geworden. Tropical Islands begeht in diesem Jahr bereits seinen zehnten Geburtstag. Ein Segen für Kreis und Land sagen die einen - ein UFO mit gigantischem Energieverbrauch die anderen. Von Anke Fink

Die Cargolifter Luftschiffwerft im Dörfchen Brand war schon Geschichte, bevor sie überhaupt in Betrieb ging. Als in die 66.000 Quadratmeter große Halle vor zehn Jahren die Urlaubswelt von Tropical Islands einzog, hätte sich kaum jemand gewundert, wenn das Projekt im Landkreis Dahme-Spreewald gleich wieder gescheitert wäre. Heute gehört es zu den größten Freizeitressorts Deutschlands. Ein Million Gäste kommen jedes Jahr hierher.

Kein vergleichbarer Arbeitgeber im Landkreis

Das Unternehmen eines malaysischen Investors gehört zu den großen Arbeitgebern in Brandenburg - mit mehr als 500 Beschäftigen sogar der größte touristische. "Wo hat man das schon, dass im Tourismus so viele Leute beschäftigt sind", sagte der Sprecher des Wirtschaftsministeriums Steffen Streu rbb online.

Das Land hat den Betrieb des Freizeitressorts mit 18 Millionen Euro unterstützt, dafür habe das Unternehmen aber auch immer Arbeitsplatz-Garantien ausgesprochen. Die Jobs würden sich inzwischen alle selbst tragen, so dass das Wirtschaftsministerium kein Geld mehr zuzuschießen brauche. Als Arbeitgeber ist das Tropical Islands jedenfalls der größte im Landkreis. Allerdings gehöre der Ort Brand mit seinen 60 Kilometern Entfernung von Berlin auch noch zum Speckgürtel der Hauptstadt. Die Menschen in der Region seien daher nicht nur auf das Freizeitressort als Dienstherr angewiesen.

Fördermittel sind doppelt und dreifach zurückgeflossen

Auch der Landkreis Dahme-Spreewald ist höchst zufrieden. Wirtschaftsdezernent Wolfgang Starke sagte rbb online: "Stellen Sie sich mal vor, es gebe Tropical Islands nicht." Die Touristen kämen inzwischen vielfach aus dem Ausland, weil vermehrt Werbespots in Skandinavien, Polen oder Tschechien über die TV-Bildschirme flimmern. Vom Marketing-Standpunkt aus gesehen mache Tropical Islands mehr für die Region als der Spreewald allein in der Lage dazu wäre. "Die nehmen uns schon viel Arbeit ab", so Starke. Wer einmal da sei, schaue sich auch noch mehr an als nur das Badeparadies. Die Marketingsumme, die Tropical Islands ausgebe, übersteige die Möglichkeiten des Landkreises jedenfalls bei Weitem.

Doch nicht nur die Halle zieht tagtäglich Gäste an, auch die anderen Hotels in der Region profitierten davon. Die 18 Millionen Euro Fördermittel, die das Land Brandenburg investiert habe, haben sich längst amortisiert, so der Wirtschaftsdezernent. Zudem verdient der Landkreis durch Umsatzsteuer, Grundsteuer und Lohnsteuer mit am Geschäft. Darüber hinaus haben auch die Anwohner etwas davon, denn durch den immens hohen Wasserverbrauch des Freizeitressorts bleiben die Gebühren auch für alle anderen Bewohner im Landkreis niedrig und stabil.

Wenig Arbeitslose und übertarifliche Bezahlung

Derzeit liegt die Arbeitslosenquote im Landkreis Dahme-Spreewald bei 7,8 Prozent. Landesweit sind 10,2 Prozent arbeitslos gemeldet. An dieser im Vergleich niedrigen Zahl habe das Tropical Islands seinen Anteil, ist sich Starke sicher. Darüber hinaus würden die Arbeitnehmer vom Gärtner bis zum Putzpersonal über Tarif entlohnt, weil sie durch das Bezahlsystem keine Trinkgelder bekämen.

Ein UFO, das mit dem Spreewald nichts zu tun hat

Ganz ohne Kritik kommt das Tropical Islands aber auch in seinem zehnten Jahr nicht aus. Andreas Rieger vom Kreisverband der Grünen in Dahme-Spreewald ist das Freizeitressort einfach ein Dorn im Auge. "Tropical Islands ist besser als wenn das Ding leer stehen würde", sagte Rieger rbb online. Er mutmaßt allerdings, dass sich die Badetouristen für nichts anderes in der Region interessieren. Das schadet dem Spreewald touristisch zwar nicht, aber für den grünen Lokalpolitiker ist das Tropical Islands wie ein UFO, das gelandet ist und mit der Region herzlich wenig zu tun hat. Ihn erinnert diese Art von Tourismus an Ressorts in Südafrika oder Thailand, wo man von A bis Z verköstigt werde und es keinen Anlass gibt, mal vor die Tür zu gehen.

Hinzu kommt der gigantische Energieverbrauch. In der Halle herrschen konstant 26 Grad und das bei einem Bau, der eigentlich für die Industrieproduktion gedacht war. Laut Rieger, der auch Architekt ist, wurde die Halle nur für zehn bis 15 Grad Durchschnittstemperatur konzipiert. Zwar ist sie wohl nachträglich gedämmt worden, aber bei diesen Temperaturen kann man nur von "einer riesigen Energieschleuder sprechen".

Andreas Rieger ist zudem davon überzeugt, dass das Geld, was in Brand verdient wird, nicht in der Region bleibt, sondern nach Malaysia abfließt. Der Gewinn für die regionale Wertschöpfung sei daher also gleich null, behauptet er und steht damit im klaren Gegensatz zum Landkreis.

Profitabel oder nicht wird nicht veröffentlicht

Ob und wie rentabel Tropical Islands ist, das lässt sich nur mutmaßen: Das Unternehmen veröffentlicht wirtschaftliche Zahlen grundsätzlich nicht. Die eine Million Besucher, die jährlich nach Brand reisen, sind aber mutmaßlich zu wenig.

Tropical Islands (Quelle: dpa)
Rund um die Uhr geöffnet, 365 Tage im Jahr bei konstant 26 Grad Celcius

Zur Eröffnung 2004 hatte der Investor mit 2,5 bis 3 Millionen Gästen gerechnet. Über Jahre hat das Unternehmen offenbar rote Zahlen geschrieben, inzwischen ist Tropical Islands wohl aber in der Gewinnzone angekommen. So ganz genau weiß das aber nur das Unternehmen selbst. Der Großteil der Besucher sind Tagesgäste. Wie viele es im Durchschnitt sind, kann oder will der Sprecher nicht sagen.

Insgesamt fasst die Halle rund 6000 Leute. Profitabel sind aber weniger die Ausflügler, die abends wieder nach Hause fahren, sondern die Gäste, die über Nacht und am besten mehrere Tage bleiben. Deswegen sollen genau die vermehrt angelockt werden mit einem neuen Angebot. Ab Sommer 2014 werden Ferienwohnungen auf dem hauseigenen Campingplatz bezugsfertig sein. Die so genannten Mobile Homes haben etwa 35 Quadratmeter Wohnfläche und bieten Platz für zwei bis sechs Leute. Die können dann unter ganz natürlichem Himmel grillen und sich der realen UV-Strahlung der Brandenburger Sonne aussetzen.

Beitrag von Anke Fink

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Bernd Green, Quelle: rbb

Berlin Brandenburg-Check - Bernd Green

Bernd Green arbeitet dort, wo andere sich erholen – in Tropical Islands, in Brand. Wo ursprünglich einmal Luftschiffe gebaut werden sollten, tummeln sich in der Hauptsaison bis zu 6000 Besucher täglich. Bernd Green ist hier der Chefbotaniker. Zusammen mit zwölf Kollegen betreut er die "grüne Lunge" der  Halle und ist für verschiedene andere Projekte zuständig.