Proteste gegen Subventionskürzungen - Der Vater hüt' die Schaf - bald nicht mehr?
Mit dem Verkauf von Wolle und Fleisch können sich viele Schäfer schon lange nicht mehr über Wasser halten. Nun sollen auch noch wichtige EU-Subventionen wegfallen. Um auf die missliche Lage aufmerksam zu machen, gingen am Donnerstag Dutzende Hirten in Cottbus auf die Straße. Hier tagen derzeit die Agrarminister der Länder. Als Verstärkung brachten die Demonstranten ihre Herden gleich mit.
Dutzende Schäfer sind am Donnerstag am Rande der Agrarministerkonferenz in Cottbus auf die Straße gegangen - gemeinsam mit ihren Schafen. Die Demonstranten wiesen auf die schwierige Lage der Schäfer hin und forderten, Subventionen aufrechtzuerhalten. Die Leistung der Schäfer müsse anerkannt und angemessen bezahlt werden.
Ohne Land kein Zuschuss
Der Verkauf von Wolle und Fleisch lohne sich oft nicht mehr, kritsierten sie. Die Schafhaltung sei jedoch ökologisch wichtig, weil Wildwuchs vorgebeugt und Wiesen erhalten würden. Auch bei der Sicherung der Deiche spielten die Schafherden eine wichtige Rolle, betonten die Schäfer.
Im Kern der Kritik geht es um Prämien, die von der EU künftig nach einem anderen Modell gezahlt werden sollen. Gab es bisher Geld für jedes Mutterschaf, sollen die Schäfer jetzt pro Hektar Land Zuschüsse erhalten. Da jedoch viele Schäfer mit ihrer Herde wandern, besitzen sie oft gar kein festes Weidegebiet - und haben entsprechend kein Anrecht auf Hilfe mehr.
Schäfer Arno Laube aus Rehfelde sagte dem rbb, er sehe schwarz für seinen Berufsstand, sollte es so weitergehen: "Das ist der Todesstoß." Schon jetzt befinde sich der Beruf im freien Fall. Das Aussterben der Schäfer könne sich jedoch irgendwann rächen. Lammfleisch würden die Deutschen zwar aus Neuseeland bekommen - die Flächenpflege aber falle weg.

Vogelsänger verspricht Unterstützung
In Cottbus forderten die Schäfer die deutschen Behörden auf, für die wegfallenden EU-Subventionen einzuspringen. Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) zeigte vor Ort bereits Verständnis für die Sorgen der Schäfer: "Wir werden gemeinsam mit dem Umweltministerium dafür sorgen, dass entsprechende Flächen auch für Schäfer zur Verfügung gestellt werden", versprach der Politiker den Demonstranten.
Am Abend brachten in Potsdam alle Fraktionen im Landtag einen Antrag ein, nach dem die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Schäfer deutlich verbessert werden sollen.
Die Fachminister der Länder waren nach Cottbus gekommen, um über die Zukunft der Agrarpolitik in Deutschland zu reden. Am Mittwoch gab es interne Vorbesprechungen, am Donnerstag wurde die Fachkonferenz offiziell eröffnet. Nach ihrem Abschluss am Freitag wollen die Minister die Ergebnisse vorstellen. Brandenburg hat in diesem Jahr den Vorsitz der Fachkonferenz übernommen.





