Eine Berliner S-Bahn mit einer großflächigen Euro-Werbung (Archivfoto 1999, Quelle: dpa)

Nach mehr als 10 Jahren - Bald wieder Werbung auf Berliner S-Bahnzügen

Bis 2001 war Werbung auf den Berliner S-Bahnzügen ein vertrautes Bild, doch dann entschied sich der Mutterkonzern Deutsche Bahn gegen die Reklame. Nun ein erneuter Kurswechsel: Eine Vermarktungsfirma sucht bereits nach Werbekunden. Die mediale Aufregung darüber versteht die S-Bahn nicht - und verweist auf die BVG.

Wenn es um die Berliner S-Bahn geht, reagieren die Hauptstädter schon mal emotional. Oft schimpfen sie: weil mal wieder die Ringbahn Probleme im Berufsverkehr hat, oder weil wegen Bauarbeiten ganze Strecken nicht bedient werden, so wie zurzeit auf der wichtigen Ost-West-Verbindung.

Wenn es aber um äußere Veränderungen an "ihrer" S-Bahn geht, halten viele Berlinerinnen und Berliner plötzlich schützend die Hand über die gelb-roten Züge. So lässt sich dann auch der mediale Aufschrei über die Wiedereinführung von Werbung auf den S-Bahnzügen verstehen. Bis zum Jahr 2001 war Werbung auf Berliner S-Bahnzügen ein vertrautes Bild. Doch dann entschied der Mutterkonzern Deutsche Bahn, auf solche Werbung zu verzichten. Nun gibt es einen erneuten Kurswechsel.

Die Züge bleiben weiterhin gelb-rot

Wie die Bahn bekannt gab, dürfen die Züge der S-Bahn künftig mit Werbung beklebt werden. Das bestätigte S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz dem rbb am Mittwoch nach einem Bericht der "Berliner Morgenpost". Die Vermarktungsfirma Ströer suche bereits seit drei Wochen nach Marketingkunden für die Züge.

Die markante gelb-rote Farbgebung werde aber nicht geändert, erklärte Priegnitz auf Nachfrage von rbb-online. Außerdem werden Türen und Fenster der Züge werbefrei bleiben. Das ist im Verkehrsvertrag der Bahn mit Berlin festgeschrieben.

Die Fläche eines Viertelzuges soll bis zu 1.700 Euro pro Monat kosten. Allerdings soll nach Auskunft der S-Bahn nicht die komplette Flotte dafür hergegeben werden. Bei der S-Bahn versteht man die Aufregung um die Außenwerbung ohnehin nicht: Schließlich werbe die BVG schon seit Jahren in U-Bahnen und Bussen.

"Freiraum Wohnraum für alle" steht unter anderem auf einem Berliner BVG-Bus geschrieben, der auf einem Betriebshof in Berlin über das Gelände fährt. (Bild: dpa)
Die BVG vermietet seit Jahren die Außenflächen ihrer Busse, U-Bahnen und Straßenbahnen.

Bieterschlacht um BVG-Werbefirma

Bis 2006 organisierte die BVG ihre Außenwerbung noch über ihre Tochterfirma VVR-Berek. Doch das Berliner Verkehrsunternehmen kämpfte damals wie heute mit einem Schuldenberg in Millionenhöhe. Um den Haushalt zu entlasten kam das Tafelsilber auf den Tisch - darunter eben auch die durchaus profitable Traditionsfirma VVR-Berek.

2005 standen rund 30 Millionen Euro Umsatz und immerhin fast 7 Millionen Euro Gewinn in den Büchern. Der französische Werbekonzern JCDecaux und die Berliner Wall AG lieferten sich damals eine heiße Bieterschlacht, die Decaux schließlich gewann - für den stolzen Preis von 103 Millionen Euro, doppelt so viel wie die VRR-Berek laut Expertenmeinung wert war. "Das ist ein Armutszeugnis für Berlin", tobte Wall-Chef Hans Wall damals und drohte kurzzeitig sogar damit, den Firmensitz der Wall AG nach Hamburg zu verlegen.

BVG verdient mit Werbung weiterhin Millionen

Werbung in Bussen und Bahnen in Berlin ist also ein profitables Geschäft, das einigen Firmen Millionen wert ist. Warum also hat die BVG die VRR-Berek also verkauft? Damals wie heute sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz: "Werbung ist nicht unser Kerngeschäft. Wir wollen dieses Thema den Profis überlassen." Dazu kamen die Schulden der BVG, so Reetz.

Heute machen Werbeeinnahmen der BVG laut Geschäftsbericht jedes Jahr zehn bis 15 Millionen Euro aus. Damit verdient das Verkehrsunternehmen mit Reklame inzwischen mehr, als damals die VBB-Berek eingenommen hat. Im Gewinn enthalten sind auch Flächennutzungsgebühren, die von der - inzwischen fusionierten - Werbefirma WallDecaux überwiesen werden. Wie viel der Konzern selbst an der BVG-Werbung verdient, wollte das WallDecaux auf Nachfrage von rbb-online nicht verraten. "Das ist ein Geschäftsgeheimnis", so ein Unternehmenssprecher.

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