Ein Kochlehrling bei der Arbeit (Quelle: dpa)

Viele offene Lehrstellen in Brandenburg - Brandenburgs Wirtschaft sucht dringend Azubis

Am 1. September startet offiziell das neue Ausbildungsjahr, und wie so oft fehlen in Brandenburg Lehrlinge. Die Industrie- und Handelskammer Cottbus sprach am Mittwoch von noch rund 700 freien Ausbildungsplätzen - allein in Cottbus. Und auch in anderen Landkreisen herrscht Azubi-Mangel.

Rund einen Monat vor dem offiziellen Ausbildungsstart gibt es im Süden Brandenburgs noch hunderte offene Lehrstellen. Die Industrie- und Handelskammer Cottbus meldete am Mittwoch 700 freie Ausbildungsplätze. Dabei werde "querbeet" gesucht. Egal ob Koch, Hotelfachkräfte oder Mechatroniker - auf die meisten Berufe können sich Schulabgänger bewerben.

Zuvor hieß es von Seiten der Handwerkskammer Cottbus, dass in den Landkreisen Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz, Dahme-Spreewald und Spree-Neiße sowie der Stadt Cottus noch 455 freie Lehrstellen zu besetzen sind. In Cottbus würden vor allem noch Friseure, KfZ-Mechatroniker und Elektroniker gesucht. Abgeschlossen seien bislang 265 Berufsausbildungsverträge.

Eine Maß-Schuhmacherin bei der Arbeit (Bild: dpa)
Vor allem im Handwerk fehlen junge Nachwuchskräfte.

Nicht nur Brandenburg klagt über Azubi-Mangel

Als Gründe für die noch offenen Stellen werden von der Handwerkskammer der demografische Wandel und viele Wegzüge aus den Regionen genannt - aber auch der Wunsch vieler Jugendliche, statt einer Ausbildung ein Studium absolvieren zu wollen.

Brandenburg liegt ganz im bundesweiten Trend. Laut den Juni-Zahlen der Bundesagentur für Arbeit sind in in Deutschland noch immer knapp 194.000 Lehrstellen unbesetzt, wie der "Tagesspiegel" am Montag berichtete. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren waren um dieselbe Zeit nur 176.000 Ausbildungsplätze frei. Vor allem in Ostdeutschland fehlen die Nachwuchskräfte, konkret 37.000 Lehrlinge.

Die Jungen fehlen, die Alten gehen

Prekär ist auch die Lage im Handwerk. Dort sind noch 30.000 Lehrstellen frei, 3.000 mehr als vor einem Jahr. "Wir konnten schon 2013 letztlich 15.000 Ausbildungsplätze nicht besetzen, und wir befürchten, dass uns das auch in diesem Jahr nicht gelingen wird", sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer, der "Südwest Presse" vom Samstag. Vor allem die kleinen Betriebe hätten es schwer, Auszubildende zu finden.

Doch neben dem jungen Nachwuchs bereitet einigen Unternehmen auch die eigene Belegschaft sorgen. ZDH-Präsident Wollseifer befürchtet, dass die abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren für zusätzliche Probleme sorgen wird. Acht Prozent der Belegschaften von Handwerksbetrieben seien älter als 60 Jahre. "Wenn nur ein kleiner Teil das Angebot der Rente mit 63 in Anspruch nimmt, beschert das unseren Betrieben massive Personalprobleme", so Wollseifer.

Azubi-Suche im Ausland

Immer häufiger gehen die Betriebe auch ins Ausland, um dort qualifizierte Lerhlinge zu finden - und werden fündig. Immer wieder werben sie mit Projekten um junge Menschen etwa aus Süd- und Osteuropa, wie die Industrie- und Handelskammern (IHK) auf Anfrage mitteilten. Zwar machen die internationalen Azubis bislang nur eine Minderheit aus. Doch das Interesse ist da - angesichts hoher Jugendarbeitslosigkeit in manchen Ländern. Zuletzt hatte etwa die Potsdamer IHK vermeldet, in einem Pilotprojekt für das kommende Ausbildungsjahr seien gezielt 26 junge Spanier für Hotels und Gaststätten gefunden worden. Sie wurden Ende vergangenen Jahres per Videotelefonat ausgewählt. Danach absolvierten sie zunächst einen dreimonatigen Sprachkurs in ihrem Heimatland, bevor sie ihre Kurse dann parallel zu Praktika in Brandenburg fortsetzten.

Die Lausitz hat ebenfalls ein Projekt mit Spanien, das Chancen für junge Arbeitslose aus dem südeuropäischen Land schaffen soll. Sie werden in Betrieben in der Region eingesetzt. Umgekehrt reisten 2013 junge alleinerziehende Mütter aus Brandenburg mit ihren Kindern nach Galizien, um berufliche Erfahrungen zu sammeln. Auch für polnische Jugendliche gibt es Praktika. Ein Haken sind aber in jedem Fall fehlende Deutschkenntnisse. Die Mittel aus einem bundesweiten Programm zur Förderung junger europäischer Menschen ("MobiPro EU") sind nach IHK-Angaben aktuell schon ausgeschöpft. Neue Anträge zur Unterstützung für Deutschkurse, Reisekosten und die Sicherung des Lebensunterhalts würden erst wieder ab 2015 bewilligt. Für das neue Ausbildungsjahr, das im August startet, werden in ganz Brandenburg noch Hunderte Berufsanwärter gesucht. Die Betriebe bieten insgesamt sogar mehr Lehrstellen an als im Vorjahr.

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