Auto fährt vor Baustelle der "Mall of Berlin" am Leipziger Platz (Quelle: imago)

Vorwürfe des DGB an Baufirmen - Bauarbeiter der "Mall of Berlin" wurden teilweise nicht bezahlt

Über fünf Jahre lang wurde am Leipziger Platz in Berlin das neue Riesen-Einkaufscenter gebaut. Ende September eröffnete die "Mall of Berlin" mit großem Pomp. Doch nicht allen ist nach Feiern zumute: Der DGB wirft zwei Firmen vor, 18 Bauarbeitern bislang nur einen Bruchteil ihres Lohnes gezahlt zu haben, insgesamt 33.000 Euro stünden noch aus. Laut DGB ist das in Berlin kein Einzelfall.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat zwei Baufirmen vorgeworfen, 18 aus Rumänien stammende Arbeiter auf der Baustelle des Einkaufszentrums "Mall of Berlin" teilweise nicht bezahlt zu haben. Insgesamt stünden 33.000 Euro an Löhnen aus, teilte der Gewerkschaftsbund am Freitag mit. Die Arbeiter hätten für die Firmen "Openmallmaster GmbH" und "Metatec Fundus Gmbh & Co. KG" gearbeitet.

Der Projektentwickler des neuen Einkaufszentrums, Harald Huth, sagte, das von seiner Seite beauftragte Bauunternehmen sei überpünktlich bezahlt worden. Die Unternehmen, gegen die sich die Vorwürfe richten, wollten nicht Stellung nehmen, beziehungsweise waren nicht zu erreichen. "Die Arbeiter haben sich direkt an uns gewandt", sagte DGB-Sprecher Dieter Pienkny. Zu den Baufirmen habe der DGB bisher keinen Kontakt gehabt.

"Es wäre eine Schande für unsere Stadt, wenn Bauarbeitern monatelang der Lohn vorenthalten wird", sagte Arbeitssenatorin Dilek Kolat. Die "Mall of Berlin" am Leipziger Platz hatte Ende September eröffnet. Sie ist eine der drei größten Einkaufszentren der Hauptstadt.

Arbeiter am Telefon Gewalt angedroht

Zwei Monate habe er für "Openmallmaster" gearbeitet und einen Monat für "Metatec", sagte einer der betroffenen Arbeiter rbb online - jeweils rund zehn Stunden täglich, sechs Tage pro Woche. Insgesamt müsste er rund 3.000 Euro bekommen. Erhalten habe der 30-Jährige aber bislang nur 600 Euro von der einen und 300 Euro von der anderen Firma. In beiden Firmen sei ihm per Telefon mit Gewalt gedroht worden, sollte er kommen und sein Geld holen wollen. "Wenn ich Dich sehe, bringe ich dich um", habe er zu hören bekommen.

"Ich bin in einer sehr schwierigen Situation", erklärt der Mann. "Ich habe kein Geld für Essen und die Miete". Bis zum 10. November habe er die Miete für sein Zimmer bezahlt. Dann müsse er dort raus. "Geld, um nach Rumänien zu fahren, habe ich aber auch nicht."

Ein anderer Arbeiter war ebenfalls für die Firma "Metatec" und eine rumänische Unterfirma tätig. In den insgesamt rund zweieinhalb Monaten habe er rund 3.000 Euro verdient, erklärte er rbb online. Bekommen habe er bislang lediglich 100. Nachdem die Arbeiten abgeschlossen waren, habe sein Chef bei "Metatec" so getan, als wenn er nie für ihn gearbeitet habe und daher auch kein Geld bekomme - obwohl er dem Arbeiter versprochen hatte, auch den ausstehenden Lohn der anderen Firma zu zahlen. "Ich bin nach Deutschland gekommen, um Geld zu verdienen. Ich will nicht ohne meinen Lohn nach Hause fahren", sagt der Bauarbeiter.

Dieter Pienkny (Foto: rbb / Oliver Ziebe)
DGB-Sprecher Dieter Pienkny

Nicht gezahlte Löhne "ein Riesenthema" in Berlin

In Bezug auf die "Mall of Berlin" seien ihm über die aktuellen Vorwürfe hinaus zwar keine weiteren bekannt, sagte DGB-Sprecher Dieter Pienkny rbb online. Doch insgesamt gesehen seien es in verschiedenen Branchen in der Stadt keine Einzelfälle, dass Menschen ihr Lohn vorenthalten werde. "Das ist ein Riesenthema." Oft seien mehrere Ebenen von Subunternehmern im Spiel.

Viele Fälle gebe es in der Baubranche, aber auch in Branchen wie der Gastronomie und dem Reinigunggewerbe. Dass die Zahlen stiegen, könne aber auch daran liegen, dass sich die Betroffenen - ermutigt durch Erfolge anderer - mehr trauten, sich zu offenbaren und an die Öffentlichkeit zu gehen.

Koloss für eine Milliarde Euro

Die "Mall of Berlin" hatte Ende September am Leipziger Platz in Berlin-Mitte eröffnet. Auf 76.000 Quadratmetern Fläche versammeln sich in dem riesigen Koloss  aus Glas, Beton und Stahl 270 Geschäfte. Außerdem gibt es Büros, ein Fitnesscenter, Wohnungen, Dachgärten, ein Hotel und darunter vier Stockwerke Tiefgarage.

Mit dem Center hat Harald Huth auf der Brache zwischen Leipziger Platz, Voßstraße und Wilhelmstraße ein neues Quartier errichtet - eine Milliarde Euro soll das gekostet haben. Doch während der fünfjährigen Bauzeit lief nicht alles nach Plan. Die Eröffnung war zuerst für April, dann für Mai vorgesehen, doch es gab Probleme mit dem Brandschutz.

Allerdings ist das Einkaufszentrum in der Nähe des Potsdamer Platzes umstritten: Es ist bereits das zehnte in Mitte und steht in Konkurrenz zu anderen Centern und Geschäftsstraßen in der Gegend. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte am Eröffnungsabend zugegeben, dass eine zusätzliche Verkaufsfläche nicht von jedem positiv gesehen werde. Die Stadt wachse aber weiter; deshalb habe der Einzelhandel eine Zukunft in Berlin.

Das zehnte Einkaufszentrum für Berlin Mitte

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